Politik

Nach US-Waffengeschäft mit Taiwan China testet Abwehrsystem

Nach Bekanntwerden eines Waffengeschäfts zwischen Taiwan und den USA testet China ein eigenes Raketenabwehrsystem.Der Test diene der Verteidigung und sei gegen kein Land gerichtet, so Peking. Medien warnen die USA vor einer Verschlechterung der Beziehungen, sollte der Raketenverkauf an Taiwan wie geplant vollzogen werden.

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Das Militärgeschichtliche Museum in Taipeh (Taiwan).

(Foto: REUTERS)

China hat die Entwicklung eines eigenen Raketenabwehrsystems enthüllt. Ein Test zum Abschuss anfliegender Raketen habe "das erwartete Ziel erreicht", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.  Militärexperten sprachen von einem "Durchbruch für die Luftverteidigung" des Landes. "Der Test ist defensiver Art und richtet sich nicht gegen ein anderes Land", sagte die Sprecherin des Außenministerium, Jiang Yu, in Peking. Er habe "keine Trümmer im All erzeugt" und stelle "keine Gefahr für die Sicherheit von Raumschiffen" dar.

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Zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik zeigt China auf dem Tiananmen-Platz seine neuesten Waffen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Enthüllung über den Raketenabwehrtest überraschte ausländische Militärbeobachter, da China solche Abwehrsysteme anderer Länder wie der USA bisher immer kritisiert hatte. Beobachter sahen darin auch eine demonstrative Reaktion auf die Entscheidung der USA, verbesserte Patriot-Luftabwehrraketen an Taiwan zu liefern. "Patriot "PAC-3"-Raketen können nicht nur Kurzstreckenraketen Chinas abschießen, sondern stellen auch eine Bedrohung für die auf Taiwan zielenden massiven Raketenbatterien an der chinesischen Küste dar.

Protest aus Peking

China hatte gegen den Verkauf protestiert und ihn als Einmischung in innere Angelegenheiten kritisiert. Zum einen verlangten die USA die Kooperation Chinas auf vielen Gebieten, wie bei der Ankurbelung der Weltwirtschaft oder im Atomkonflikt mit dem Iran, sagte Professor Zhu Feng von der Universität Peking. "Auf der anderen Seite verkaufen sie immer wieder Waffen an Taiwan und diese Diskrepanz wird immer größer."

Die USA sollten von der Waffenlieferung an Taiwan absehen, forderte die Sprecherin des Außenamtes. Der Respekt vor China "Kern-Interessen" sei eine Voraussetzung für die Entwicklung der Beziehungen. Kommentare warnten offen vor Schaden für das Verhältnis zwischen den USA und China. Den Raketenabwehrtest verteidigte die Sprecherin mit den Worten, die Stärkung der nationalen Verteidigung "dient der Wahrung der nationalen Souveränität und Sicherheit".

Neue Phase der Abfangtechnologie

Mit dem erfolgreichen Test habe China eine neue Phase in der Abfangtechnologie erreicht, sagte der chinesische Raketenexperte Yang Chengjun der Zeitung "Global Times". "China braucht verbesserte Fähigkeiten und mehr Mittel zur Verteidigung, weil sich das Land wachsenden Bedrohungen seiner Sicherheit gegenübersieht."

China hatte Raketenabwehrsysteme anderer Länder bisher immer mit dem Hinweis kritisiert, dass sie das weltweite Gleichgewicht gefährdeten oder ein Wettrüsten auslösen könnten. Noch im August 2009 hatte Außenminister Yang Jiechi auf einer UN-Abrüstungskonferenz in New York gesagt: "Länder sollten weder Raketenabwehrsysteme entwickeln, die die weltweite strategische Stabilität gefährden, noch Waffen im All stationieren."

Demonstration der Stärke schon 2007

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Staatsgründer Mao Zedong in der Stadt Taiyuan.

(Foto: REUTERS)

Doch schon 2007 hatte China erstmals vom Boden mit einer Rakete einen ausgedienten Wettersatelliten im All zerstört und damit erstmals seine Fähigkeit demonstriert, gegnerische Satelliten abschießen zu können. Mit dem Abschuss des eigenen Satelliten hatte China die USA verärgert. Im Vergleich zu früheren Anti-Satelliten-Tests sei das Raketenabfangsystem fortschrittlicher, da sich Satelliten auf einer klaren Umlaufbahn mit fester Geschwindigkeit bewege, sagte der Militärexperte Yang Chengjun der englischen Ausgabe der "Global Times". In der chinesischen Version räumte der Fachmann ein, dass das chinesische System aber noch vergleichsweise einfach und "von einer Inbetriebnahme weit entfernt" sei.

Mit dem erfolgreichen Test schließt China nach Einschätzung von Experten allerdings weiter zu den USA und Russland auf, die bereits über solche Fähigkeiten verfügen. Die Entwicklung von Raketenabwehrsystemen geht in den USA schon bis zu den 1983 offiziell ins Leben gerufenen "Krieg der Sterne"-Pläne von US-Präsident Ronald Reagan für einen weltraumbasierten Schutzschirm zurück. Die Beschreibung des chinesischen Tests deutete darauf hin, dass eine Interkontinentalrakete in der Mitte ihres Fluges außerhalb der Erdatmosphäre abgeschossen worden sein dürfte.

Bei Militärausgabe an Platz 2

Laut dem Jahresbericht 2008 des Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI rückte China im Vorjahr im Vergleich der Militärausgaben weltweit erstmals auf den zweiten Platz hinter den unangefochten an der Spitze liegenden USA. Peking erklärte, dass der Großteil seiner Militärausgaben der Verbesserung der Lebensbedingungen der 2,3 Millionen Männer und Frauen diene, die in der Volksbefreiungsarmee, der zahlenmäßig stärksten Armee der Welt, ihren Dienst tun.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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