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Wettrüsten und leise Hoffnung Das bedeutet der Iran-Deal für Syrien

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Der Iran wird mit dem Wegfall der Sanktionen das syrische Regime noch intensiver unterstützen. Doch das Land gilt auch als Schlüssel für eine Friedenslösung - irgendwann.

(Foto: REUTERS)

Das Assad-Regime freut sich nach dem Ende des Atomstreits auf mehr Hilfe aus Teheran. Wird Saudi-Arabien noch stärker sunnitische Extremisten unterstützen? Kann Iran zum Friedensstifter werden? Und fängt das Engagement der USA in Syrien nun erst richtig an?

Was hat die syrische Opposition mit Israel gemeinsam? Sie gehören zu denen, die über den in Wien besiegelten Iran-Deal sehr unglücklich sind. Denn mit dem Ende des Atomkonflikts und der erwartbaren Aufhebung der Sanktionen werden dem Iran Reichtum, Prosperität und wachsender politisch-ökonomischer Einfluss in der Region vorhergesagt.

Von alldem wird auch Syriens Machthaber Baschar al-Assad direkt profitieren, befürchten dessen Gegner. Für den Atom-Deal habe die Welt Syrien dem Iran auf einem Silbertablett serviert, schreibt ein Blogger aus dem Spektrum der Assad-Gegner. Schon jetzt überlebt das Regime in Damaskus am Tropf des Iran, der es mit Geld, Waffen und Kämpfern versorgt. Allein im Juni sollen rund 7000 iranische Soldaten nach Syrien geschleust worden sein, berichtet "Business Insider".

Die iranische Führung tut das nicht aus reiner Gutherzigkeit. Für sie geht es darum, die schiitische Achse von Teheran über Bagdad und Damaskus bis nach Beirut zu erhalten. "Syrien zu verlieren wäre für den Iran verheerend", zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Nahost-Fachmann Thomas Juneau von der Universität Ottawa. "Der Iran ist gewillt, viel zu tun, um Assads Regime am Leben zu halten." Assad zeige sich denn auch überzeugt, dass der Iran seine Unterstützung für die "gerechte Sache der Völker" kraftvoller fortsetzen werde.

Der Iran hat trotz der Sanktionen ihren Einfluss im Nahen Osten und in Syrien über die vergangenen Jahre ausgebaut. Allerdings dürfte Assad nicht unmittelbar profitieren, heißt es in einer Analyse der US-amerikanischen Carnegie-Stiftung. Doch zumindest habe Assad die Sicherheit, dass die Unterstützung aus Iran nicht weniger werde.

Saudis reagieren auf ihre Weise

Das ist für Irans Konkurrenten Saudi-Arabien ärgerlich, das sich wegen des (mutmaßlich vom Iran unterstützten) Huthi-Vormarsches im Jemen mittlerweile von allen Seiten umzingelt sieht. So ist auch das Königshaus in Riad nicht begeistert vom westlich-iranischen Schulterschluss. Nicht nur, weil Saudi-Arabien über Jahrzehnte der gepäppelte Lieblingspartner des Westens in der Region war. Saudische Medien warnen, der Atomdeal werde den Iran mutiger machen. Saudi-Arabien und die Golfstaaten müssten nun aufrüsten, um sich zu schützen. Dem Westen wird der Vorwurf gemacht, er ermögliche es dem Iran so, in der Region zu "wüten".

Auch das hat Folgen für Syrien, wo die beiden Regionalmächte schon jetzt einen Stellvertreterkrieg führen. Saudi-Arabien unterstützt diverse sunnitisch-extremistische Gruppen, Iran das Assad-Regime, mehrere regierungstreue Milizen und die eigentlich libanesische Hisbollah, die auf den Schlachtfeldern aber eine immer größere Rolle spielt. So könnte es passieren, dass Saudi-Arabien analog zu Iran seine Unterstützung für die sunnitischen Fraktionen in Syrien aufstockt.

Je nachdem, wie stark Riad der Einigung von Wien zutraut, dass sie eine iranische Atombombe verhindert, könnte es im Extremfall sogar zu einem Wettrüsten der Erzrivalen kommen. Im fünften Jahr des Bürgerkrieges in Syrien und angesichts der vielen anderen Brandherde im Nahen und Mittleren Osten ist das eines der finstersten Szenarien.

Iran als Friedensstifter?

Doch es könnte auch anders kommen. Westliche Politiker, darunter der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, hoffen eher darauf, dass Iran an einem Verhandlungstisch entscheidenden Einfluss haben könnte - für eine Lösung des Syrien-Krieges, bei der Assad abgelöst wird. Auch Frankreichs Präsident Francois Hollande rief Teheran dazu auf, zu einer Lösung beizutragen.

Bisher waren mehrere Treffen zu Friedensgesprächen in Genf vollkommen aussichtslos gewesen. Iran wurde bei den von den Vereinten Nationen organisierten Genfer Treffen regelmäßig kurzfristig ausgeladen oder gar nicht erst eingeladen.

Und noch ein Punkt könnte den weiteren Lauf der Dinge in Syrien beeinflussen: Beobachter meinen, dass die USA - seit vergangenem Jahr ja ebenfalls in den syrischen Krieg involviert - sich nun freier werden engagieren können. Bisher beschränkten sich die Amerikaner auf den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat, um die laufenden Atomverhandlungen mit dem Iran nicht zu gefährden.

Auf irakischem Territorium arbeiten die USA aus der Luft bereits mit iranischen Milizen am Boden zusammen. In Syrien bilden die USA zwar jenseits des Anti-IS-Einsatzes Rebellen für den Kampf gegen das Assad-Regime aus. Doch noch deutlichere Parteinahme für die Gegner des iranischen Verbündeten haben die USA bisher vermieden.

Quelle: n-tv.de

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