Trump stürzt MaduroDas ist bisher über den US-Angriff auf Venezuela bekannt

Seit einigen Monaten verschärfen sich die Spannungen zwischen den USA und Venezuela spürbar. Kurz nach dem Jahreswechsel eskaliert die US-Regierung die Lage: Sie beginnt einen Militärschlag auf mehrere Ziele in Venezuela und bringt Staatschef Maduro in ihre Gewalt. Das ist bisher bekannt.
Was ist passiert?
Die USA haben auf Befehl von Präsident Donald Trump in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 2026 Venezuela angegriffen und augenscheinlich dessen Staatschef Nicolás Maduro in ihre Gewalt gebracht. "Die Vereinigten Staaten von Amerika haben erfolgreich einen groß angelegten Angriff gegen Venezuela und dessen Staatschef, Präsident Maduro, durchgeführt", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Maduro sei "zusammen mit seiner Frau festgenommen und aus dem Land geflogen" worden.
In einer offiziellen Mitteilung der venezolanischen Regierung heißt es, die Angriffe stellten eine Verletzung der UN-Charta dar. Maduro habe den Ausnahmezustand ausgerufen und die Mobilisierung der Bevölkerung angeordnet. Venezuela klage "vor der internationalen Gemeinschaft die sehr schwere militärische Aggression der gegenwärtigen Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen das venezolanische Territorium und die venezolanische Bevölkerung" an.
Caracas wirft den USA vor, sich Bodenschätze, insbesondere die großen Ölreserven des Landes, aneignen zu wollen. Trump widerspricht bisher nicht: "Ich erwarte, dass wir sehr stark an der Ölwirtschaft beteiligt sein werden", sagte er in einem Telefoninterview mit dem US-Sender Fox News. "Was soll ich sagen? Wir haben die größten Ölkonzerne der Welt."
Wann hat der Militärschlag begonnen?
In der venezolanischen Hauptstadt Caracas waren ab 2 Uhr Ortszeit (7 Uhr MEZ) zahlreiche Explosionen zu hören. Die letzte Explosion gab es Augenzeugen zufolge um 2.38 Uhr. Der linksgerichtete Staatschef von Venezuelas Nachbarland Kolumbien, Gustavo Petro, sprach auf X von einem Angriff "mit Raketen". Zeitgleich wurden aus anderen Regionen des lateinamerikanischen Landes Explosionen gemeldet.
Was wurde angegriffen?
Unbestätigten Berichten zufolge lag der Fokus auf militärischen Zielen. So wurden mehrere Angriffe auf den Cerro El Volván gemeldet. Der Berg liegt nördlich von Caracas und ist der höchste der Region. Auf dem Gipfel befindet sich ein Großteil der Kommunikationsinfrastruktur der Stadt, darunter die Hauptsignalantenne.
Weiterhin werden Angriffe auf Fuerte Tiuna im Süden von Caracas gemeldet. Unter anderem laut der kolumbianischen Zeitung "El Tiempo" handelt es sich dabei um den größten Luftwaffenstützpunkt Venezuelas. Zudem sollen sich Explosionen auf dem Flughafen La Carlota in Caracas ereignet haben. Der wichtigste Militärflughafen des Landes befindet sich in der Nähe der Präsidentenresidenz La Casona.
Weitere Orte, an denen Berichten zufolge Explosionen zu hören und Rauchsäulen zu sehen waren, sind:
• Cuartel de la Montaña: Dort ruhen die sterblichen Überreste des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.
• Maracay, die Hauptstadt des Bundesstaates Aragua.
• La Guaria, der größte Hafen von Venezuela.
• Higuerote, ein Flughafen etwa 90 Kilometer östlich von Caracas an der Küste des Landes.
Wahrscheinlich wurden weitere Ziele angegriffen und getroffen, bisher aber nicht gemeldet. Insidern zufolge wurde die Ölförderung des Landes nicht beeinträchtigt: Die Raffinerien des staatlichen venezolanischen Energiekonzerns PDVSA laufen demnach trotz der US-Schläge normal weiter.
Gibt es Tote?
Venezolanischen Angaben zufolge ja. Bei dem US-Angriff wurden laut Regierungsangaben Soldaten und Zivilisten getötet, die Zahl ist aber offen. Aufseiten der USA gab es Trump zufolge keine Todesopfer: "Ein paar Männer wurden getroffen, aber sie sind zurückgekommen und offenbar in ziemlich guter Verfassung", sagte der US-Präsident in einem Telefoninterview mit dem TV-Sender Fox News.
Wie haben die USA Nicolás Maduro in ihre Gewalt gebracht?
Laut den US-Sendern CBS News und CNN wurde die Festnahme von der 1st Special Forces Operational Detachment-Delta (1st SFOD-D) der US Army durchgeführt. Diese Eliteeinheit des US-Heeres ist umgangssprachlich besser bekannt als Delta Force und auf Einsätze wie Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung spezialisiert. Trump zufolge hielt sich Maduro in einem stark bewachten, festungsartigen Gebäude auf. Die US-Soldaten hätten unter anderem mehrere speziell gesicherte Stahltüren durchbrechen müssen. Wie viele Einheiten an dem Einsatz beteiligt waren, ist nicht bekannt.
Unter Berufung auf Quellen in der venezolanischen Opposition berichtet Sky News, dass Maduro über seine "Festnahme" informiert war. Demnach war der Einsatz Teil einer "ausgehandelten Absetzung" zwischen dem venezolanischen Staatschef und der US-Regierung.
Warum gehen die USA gegen Venezuela und Maduro vor?
Die US-Regierung wirft Maduro seit vielen Jahren vor, einen Machtwechsel in Caracas verhindern zu wollen, 2024 bei seiner Wiederwahl betrogen zu haben und den Drogenschmuggel in die USA zu fördern. Seit 2024 erkennt Washington den Machthaber nicht als rechtmäßigen Präsidenten Venezuelas an.
Seit der Amtsübernahme von Trump vor knapp einem Jahr haben sich die Spannungen spürbar verschärft. Die USA zogen in den vergangenen Monaten Teile ihrer Marine vor der venezolanischen Küste zusammen. Vor wenigen Monaten begannen US-Streitkräfte damit, Boote angeblicher venezolanischer Drogenschmuggler anzugreifen und die Besatzungen zu töten.
Laut US-Justizministerin Pam Bondi wurden Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores inzwischen in New York angeklagt. Maduro werden unter anderem "Verschwörung zum Drogenterrorismus" sowie "Verschwörung zum Kokainimport" vorgeworfen, schrieb Bondi auf X. Auch wird er des Besitzes von Maschinengewehren und Sprengstoff bezichtigt. "Sie werden sich schon bald vor amerikanischen Gerichten auf amerikanischem Boden der vollen Härte der amerikanischen Justiz stellen müssen", schrieb Bondi weiter. Sie bezeichnete Maduro und dessen Ehefrau als "mutmaßliche internationale Drogenhändler".
Wo steckt Maduro?
Das wissen mutmaßlich nur das US-Militär und die Führung in Washington. Venezuelas Vizepräsidentin forderte die US-Regierung auf, ein Lebenszeichen von Maduro zu senden. Trump sagt: Maduro und seine Ehefrau seien nach ihrer Gefangennahme mit einem Hubschrauber zu einem Schiff geflogen worden und werden derzeit nach New York gebracht. Dort wurde bereits Anklage gegen das Ehepaar erhoben.
War der US-Kongress über die Pläne informiert?
Augenscheinlich nicht. Ein für Militärangelegenheiten zuständiger Senatsausschuss wurde laut CNN vorab nicht über den Angriff informiert. Vertreter der Trump-Regierung hätten dafür keine Notwendigkeit gesehen, berichtet der US-Sender unter Berufung auf eine vertraute Quelle.
Trump selbst scheint diese Darstellung zu bestätigen. Der "New York Times"-Reporter Tyler Pager hat laut eigenen Angaben gegen 4.30 Uhr Ortszeit kurz mit dem US-Präsidenten telefoniert und ihn gefragt, ob er den Kongress informiert: "Das diskutieren wir später", habe Trump geantwortet. "Wir werden eine Pressekonferenz einberufen."
Die Pressekonferenz ist für 11 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) angekündigt und soll in Mar-a-Lago im Wochenenddomizil von Trump in Florida stattfinden.
Was sagt das Ausland?
Russland hat den US-Militärangriff auf Venezuela mit deutlichen Worten verurteilt. Das Vorgehen sei "zutiefst beunruhigend und verwerflich", erklärte das russische Außenministerium in Moskau. Es gebe keine Rechtfertigung für diese "bewaffnete Aggression". Auch der Iran bekundete seine Unterstützung für den bisherigen Machthaber Maduro.
Die Bundesregierung erklärte, sie beobachte die Entwicklung "mit größter Sorge". Der Krisenstab der Bundesregierung berate im Auswärtigen Amt über die Situation. "Wir beobachten die Lage in Venezuela sehr aufmerksam", hieß es. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rief nach einem Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio zur Zurückhaltung auf. "Die EU hat wiederholt erklärt, dass Herrn Maduro die Legitimität fehlt und sich für einen friedlichen Übergang ausgesprochen", schreibt sie auf X. "Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden.