Politik

Petry, Gauland und Co. Das sind die führenden Köpfe der AfD

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Gauland, Petry und Meuthen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vom wirtschaftsliberalen Jörg Meuthen bis zum völkischen Björn Höcke – das politische Spektrum der AfD ist breit. Im Zentrum der Partei steht nicht Frauke Petry, sondern Alexander Gauland.

Wenn die AfD sich an diesem Wochenende in Stuttgart zu ihrem Bundesparteitag trifft, wird sie ihr erstes Grundsatzprogramm diskutieren und größtenteils wohl auch beschließen. Trotz vieler Gegensätze dürfte es dabei im Vergleich zu früheren Parteitagen ruhig bleiben. Alle Seiten wissen, dass es für die AfD nützlich ist, so viele Punkte wie möglich im Ungefähren zu lassen. Mitglieder und Wähler sollen nicht verprellt werden.

Dabei ist die AfD auch knapp ein Jahr nach dem Austritt des Gründers Bernd Lucke eine Partei der Kontroversen. Es gibt gemäßigte Konservative und maßlose Nationalisten, Neoliberale und einen völkisch-sozialen Flügel. Was alle eint, ist das Misstrauen gegen Staat und "Altparteien". Die relevanten Konflikte verlaufen daher nicht entlang politischer Linien. Kopfschütteln lösen eher gewisse Aktionen von Parteichefin Frauke Petry aus – wie das missglückte Interview, das sie einem britischen Journalisten der Deutschen Welle gab, oder das Doppelinterview in der "Bunten" mit ihrem Lebensgefährten, dem Europaabgeordneten Marcus Pretzell, in dem dieser sagte, Petry habe "so etwas dämonenhaft Schönes".

Bereits seit einiger Zeit lässt Petry sich nicht mehr von AfD-Pressesprecher Christian Lüth vertreten - ein Vorgang, der bei keiner anderen Partei denkbar wäre und der für eine gehörige Portion Misstrauen innerhalb der AfD-Führung spricht. Vor dem Parteitag deutete Petry an, dass auch sie die AfD verlassen könnte, wenn diese eines Tages zu weit rechts stehen sollte. Wer ihr nachfolgen könnte? Das wird man sehen. Hier die wichtigsten AfD-Politiker im Überblick:

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Frauke Petry ist "Sprecherin" der AfD.

(Foto: picture alliance / dpa)

Frauke Petry: Die wortgewandte 40-Jährige gehört der AfD seit deren Anfängen im Frühjahr 2013 an. Mit Petry zog die Partei im August 2014 in Sachsen erstmals in ein deutsches Parlament ein. Vor knapp einem Jahr verdrängte die diplomierte Chemikerin den wirtschaftsliberalen Parteigründer Bernd Lucke von der Spitze. Petry schärft seitdem das Profil der AfD als rechtspopulistische Partei, versucht zugleich jedoch, eine Grenze nach rechts zu ziehen – mit mäßigem Erfolg.

Seit einigen Monaten ist die Mutter von vier Kindern mit dem Europaabgeordneten Pretzell liiert. Im Oktober 2015 gab sie die Trennung von ihrem Mann, einem Pfarrer, bekannt. Petry peilt ein Bundestagsmandat an, die Frage der AfD-Spitzenkandidatur lässt sie offen. Parteiintern ist die AfD-Vorzeigefrau nicht unumstritten, unter anderem wegen der erwähnten Interviews, aber auch wegen öffentlich geübter Kritik an ihren Stellvertretern.

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Jörg Meuthen ist seit dem Abgang von Bernd Lucke Co-Sprecher der Partei.

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Jörg Meuthen: Der Wirtschaftsprofessor ist seit Juli 2015 neben Petry der zweite Bundessprecher. Der 54-Jährige nennt sich selbst liberal-konservativ, seine Sprache ist gemäßigt, sein Auftreten höflich und verbindlich. Der Vater von fünf Kindern lehrte zehn Jahre lang an der Hochschule für öffentliche Verwaltung im badischen Kehl. Seit dem Einzug der AfD in den Stuttgarter Landtag im März ist er dort Fraktionschef.

Außerhalb Baden-Württembergs ist Meuthen, der früher mit der FDP sympathisierte, weniger bekannt. Der AfD trat er einst wegen Lucke bei. Als "Mann im Beiwagen" wurde Meuthen kürzlich betitelt. Dank seiner Unauffälligkeit sei er weniger angreifbar als Petry und dürfte diese politisch überleben.

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Marcus Pretzell ist Abgeordneter im Europaparlament und AfD-Chef in NRW. Dem Bundesvorstand gehört er nicht an.

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Marcus Pretzell: Der smarte 42-Jährige ist vor allem als Lebensgefährte Petrys bekannt – das AfD-Paar inszeniert sich gern in der Öffentlichkeit. Politisches Gewicht hat der Jurist und vierfache Vater aber schon länger, er ist nordrhein-westfälischer Landeschef und AfD-Europaabgeordneter. In der Lucke-Ära drängte er auf einen Rechtskurs – er wollte die AfD in die Nähe der britischen Ukip-Partei rücken, was Lucke kategorisch ablehnte.

Auf dem Essener Parteitag 2015 brachte Pretzell den Saal mit Sätzen wie diesen in Wallung: "Sind wir die Anti-Euro-Partei oder die Pegida-Partei? Wir sind beides und noch viel mehr." Politisch steht er damit Gauland nahe – vom Stil her eher nicht.

Auch Pretzell verfolgt einen demonstrativ prorussischen Kurs. Dass er kürzlich mit einem russischen Visum die von Moskau annektierte Krim besuchte, erzürnte die Ukraine. Aus der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im EU-Parlament wurde Pretzell unlängst ausgeschlossen. Er hätte sich nun, wie seine Parteifreundin Beatrix von Storch, der Ukip-Fraktion anschließen können. Das hat er bislang nicht getan. Sein Ziel für die AfD: 2021 als stärkste Partei den Bundeskanzler stellen.

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Beatrix von Storch ist Europaabgeordnete, Landeschefin in Berlin und stellvertretende Sprecherin der Bundes-AfD.

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Beatrix von Storch: Die 44-Jährige ist die andere der beiden Europaabgeordneten der AfD. Die Rechtsanwältin und Berufsaktivistin provozierte im Vorfeld des Parteitags mit scharfen Anti-Islam-Aussagen. Auch als GEZ-Verweigerin ist die Berliner Landesvorsitzende bekannt: Ihr wurde am 1. April ihr Konto gepfändet, weil sie ihre Rundfunkbeiträge nicht bezahlt hatte. Die AfD fordert die Abschaffung der GEZ-Gebühren.

Ihrem Rauswurf aus der EKR-Fraktion kam sie durch freiwilligen Austritt zuvor. Von Storch hatte auf Facebook den von Petry zuvor ins Spiel gebrachten Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge auch auf Frauen und Kinder bezogen. Die "Kinder" nahm sie später wieder zurück. Ihre Entschuldigung: Sie sei auf der Maus ausgerutscht.

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Björn Höcke ist AfD-Chef in Thüringen.

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Björn Höcke: Der Geschichtslehrer aus Hessen ist seit 2013 Landesvorsitzender der AfD in Thüringen, seit dem Einzug der Partei in den Erfurter Landtag ist er außerdem Fraktionschef. Er ist der Kopf des völkischen Flügels der AfD. Seinen vier Kindern hat er dem "Focus" zufolge germanische und nordische Namen gegeben – genau wie sein Freund Götz Kubitschek, der Mitbegründer des neurechten "Instituts für Staatspolitik", bei dem Höcke seine berüchtigte Rede über das Sexualverhalten der Afrikaner hielt. Beide sehen sich in der Tradition der völkischen Bewegung, einem Vorläufer des Nationalsozialismus.

In der Frage der Abgrenzung nach rechts steht Höcke gegen Petry. Sie hatte dem "Stern" gesagt, die AfD werde sich entscheiden müssen, wo sie hin will. "Will sie eine konservativ-liberale oder eine nationalkonservativ-soziale Partei sein?" Höcke sagte dazu: "Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit für die AfD, sich grundsätzlich für einen bestimmten Kurs zu entscheiden." Damit steht er auch gegen Meuthen; Höcke sieht die AfD wie Gauland als Partei der kleinen Leute.

Höckes Flügel nennt sich "Der Flügel", ihr Gründungsdokument ist die "Erfurter Resolution" vom März 2015, die sich gegen den Lucke-Flügel richtete. Zu den Unterzeichnern gehörte damals auch Alexander Gauland. Zum "Flügel" gehört der Brandenburger dennoch nicht; diese Kontakte zu pflegen überlässt er seiner Parlamentarischen Geschäftsführerin Birgit Bessin und seinem Landesvize Andreas Kalbitz.

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Alexander Gauland ist AfD-Chef in Brandenburg und Vizechef auf Bundesebene.

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Alexander Gauland: Der Fraktionschef im brandenburgischen Landtag tritt äußerlich wie ein distinguierter Gentleman auf und spricht gern wie ein radikaler Scharfmacher. Was er wirklich ist, bleibt dabei unklar. Sicher ist nur eines: Er ist der wohl mächtigste Politiker in der AfD, eine graue Eminenz, gegen die nicht viel geht. Gauland vertritt lautstark einen prorussischen Kurs und hat früh das Potenzial deutsch-russischer Wähler für die AfD erkannt.

Dabei macht er kein Geheimnis daraus, dass er politische Position auch danach auswählt, ob sie bei Wählern gut ankommen. Die Grenzöffnung für Flüchtlinge im September nannte er ein "Geschenk" für die AfD. Anders als Petry sieht er die Partei dauerhaft in der Oppositionsrolle, weil er sich davon Erfolg bei den Wahlen verspricht: "Je mehr wir ausgegrenzt werden, desto mehr empfinden wir die Unterstützung in der Bevölkerung. Die Leute wählen uns gerade erst recht."

In seiner Zeit vor der AfD galt er als weltgewandter konservativer Intellektueller. Er war lange CDU-Mitglied, arbeitete in den 1980er Jahren als Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei. Später fungierte er als Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". An der Seite von Lucke war Gauland Mitbegründer der AfD, mutierte aber schnell zu dessen Gegenspieler. Heute steht er häufig gegen Petry. Er ist er in alle Richtungen bestens vernetzt: Mit Meuthen versteht er sich gut, Höcke hat er auf einer seiner Erfurter Demonstrationen besucht und dort eine Rede gehalten.

Probleme mit den Radikalen in seiner Partei hat Gauland ausdrücklich nicht. "Ich möchte, dass alle dabeibleiben", zitiert ihn die MAZ, seine frühere Zeitung. "Ich wäre dagegen, politisch abweichende Positionen gleich unter irgendeinen Verdacht zu stellen."

Wie gesagt: Niemand soll verprellt werden.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa