Politik

Rangliste der Pressefreiheit Deutschland auf Jamaika-Niveau

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Nicht überall auf der Welt können Journalisten ihrer Arbeit frei nachgehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Sachen Pressefreiheit bewegt sich Deutschland auf dem selben Niveau wie Zypern und Jamaika - so lautet zumindest der Befund von Reporter ohne Grenzen. Auch wenn es hierzulände Mängel gibt, an die Verhältnisse in Nordkorea Eritrea oder Turkmenistan reicht die Situation noch lange nicht heran.

Reporter ohne Grenzen (ROG) sieht Deutschland in Sachen Pressefreiheit auf einer Stufe mit Zypern und Jamaika. Die drei Länder belegen gemeinsam den 16. Platz in der alljährlich veröffentlichten Rangliste. Als Grund für dieses Urteil über die Bedingungen in der Bundesrepublik hieß es: "Schwierig sind hier vor allem der Zugang zu Behördeninformationen sowie der Schutz von Quellen und Informanten."

Auf den weltweit letzten Plätzen stehen nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation weiterhin Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Es folgen Syrien, Iran und China. An der Spitze einer Liste von 179 Ländern stehen - angeführt von Finnland und Norwegen - europäische Staaten. Mit den Kapverden (Platz 9) und Namibia (20) rückten im vergangenen Jahr erstmals zwei afrikanische Staaten in die 20 vorderen Ränge der ROG-Liste ein.

Ungarn und die USA abgestraft

Einen Dämpfer gibt es für die USA. Das Land findet sich in der ROG-Liste auf Platz 47 und fiel damit um 27 Positionen zurück. Die Polizei habe die Berichterstattung über die Occupy-Bewegung behindert, nannte die Organisation als Grund. Binnen zwei Monaten seien mehr als 25 Fälle bekanntgeworden, in denen Journalisten verhaftet und geschlagen worden.

Ungarn rutschte von Platz 23 auf Platz 40 ab, weil die Regierung durch neue Gesetze übermäßigen Einfluss auf die Arbeit der Medien nehme, so die Organisation. Dass andere EU-Staaten dies lange Zeit kaum kritisierten, habe auch die Glaubwürdigkeit der Union als Vorbild in Sachen Pressefreiheit beschädigt.

Tunesien verbessert sich

In vielen Ländern wurden nach ROG-Angaben 2011 deutlich mehr Journalisten verhaftet, entführt oder geschlagen als in den vergangenen Jahren. Ein Schwerpunkt der Gewalt seien die Straßenkämpfe in den arabischen Ländern gewesen. Immer stärker rückten dort auch Blogger und Bürgerjournalisten ins Visier der Behörden.

Die Aufstände in der arabischen Welt hatten nach Bewertung von Reporter ohne Grenzen höchst unterschiedliche Auswirkungen auf die Pressefreiheit in Nordafrika und im Nahen Osten. Tunesien etwa, wo der Diktator Ben Ali gestürzt wurde, verbesserte sich um 30 Plätze auf Rang 134. Bahrain hingegen, wo Massenproteste niedergeschlagen wurden und es zu vielen Verhaftungen kam, wird von ROG auf Platz 173 abgewertet - eine Position vor China.

Reporter ohne Grenzen verglich weltweit die Situation der Medien im Zeitraum zwischen Dezember 2010 und November 2011. Seit 2002 erstellt die Organisation jährlich eine Rangliste der Pressefreiheit.

Quelle: ntv.de, jog/dpa