Politik

Den "Ossi" gibt es weiterhin Die Deutsche Einheit - eine Illusion

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Manch "Ossi" fühlt sich genötigt, seine ostdeutsche Identität zur Schau zu stellen, wie hier beim Trabi-Treffen in Zwickau.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der 3. Oktober ist der Tag der Deutschen Einheit. Noch immer fühlen sich aber viele Ostdeutsche als "Ossis", die verglichen mit "Wessis" benachteiligt seien. Glaubt man mehreren Wissenschaftlern, so sind viele Unterschiede nicht nur gefühlt vorhanden.

"Einig Vaterland"? Nichts da! Für viele Ostdeutsche ist die Deutsche Einheit auch 24 Jahre nach dem Fall der Mauer noch nicht erreicht. Einer Umfrage des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums Berlin-Brandenburg zufolge sieht sich noch immer nur jeder dritte Ostdeutsche als "richtiger Bundesbürger". "Der Schock der Wiedervereinigung ist noch nicht verkraftet", meint der Dresdner Soziologe Karl-Siegbert Rehberg. Viele Ostdeutsche verstünden sich noch immer als "Ossis" - und seien durchaus stolz darauf.

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Die Euphorie über die deutsche Einheit ist bei manchem Bundesbürger verflogen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Sicht der Westdeutschen ist eine andere: Sie glauben, dass sich die Lebensverhältnisse in Ost und West weitestgehend angenähert hätten. Das geht aus Daten des Allensbach-Instituts hervor. 78 Prozent der Ostdeutschen aber, so Allensbach-Chefin Renate Köcher zur "Wirtschaftswoche", sähen das anders. 27 Prozent der Ostdeutschen glaubten der Studie des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums zufolge nicht einmal, dass sich die Lebensverhältnisse je angleichen werden.

"Das Konstrukt Ostdeutschland gibt es noch - und nicht nur in den Köpfen der Menschen", sagt der Soziologe Rehberg. Es existiert auch materiell: So haben sich die Bruttolöhne zwar deutlich angenähert, liegen nach Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung aber immer noch um 17 Prozent niedriger als im Westen. Die Arbeitslosenquote ist in den neuen Bundesländern mit 9,6 Prozent höher als die im Westen mit 5,9 Prozent. Dazu kommen teils niedrigere Renten.

Völlige Angleichung geht gar nicht

Trotzdem gebe es "den Osten" aus wirtschaftlicher Sicht nicht, sagt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Es gibt überall regionale Unterschiede - auch zwischen Ostfriesland und Hamburg." Da spiele unter anderem die unterschiedlich dichte Besiedelung eine Rolle. Viele Ostdeutsche seien jetzt vor allem enttäuscht, weil sie Anfang der 1990er Jahre unrealistische Erwartungen gehabt hätten, meint Brenke.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht gebe es Zweifel, dass eine völlige Angleichung je gelingen könne, erläutert der Berliner Sozialforscher Eckhard Priller. Viele Ostdeutsche sähen sich als Verlierer der Wiedervereinigung - und könnten das materiell belegen. Rehberg spricht von einem allgemeinen Unterlegenheitsgefühl verglichen mit dem Westen, dessen Einfluss so viele Lebensbereiche schockartig überlagert habe.

"Ossis" lieben ihre Gemeinschaft

Mehr als zwei von drei Ostdeutschen identifizieren sich Umfragen zufolge mit dem Konstrukt der "neuen Bundesländer". Sie trauern laut Rehberg auch dem enormen Gemeinschaftsgefühl der DDR-Zeit hinterher. Die Angst, diese Zusammengehörigkeit verloren zu haben, sei groß. Auch deshalb sähen sie sich noch als "Ossis".

Auch wenn viele Menschen in Ostdeutschland mehr Gleichheit wünschen, will die Mehrheit ihre kulturellen Eigenarten daher trotzdem behalten. Auch Vorurteile hielten sich beständig, hat Rehberg beobachtet. "Den Besser-Wessi gibt es noch", sagt er. Und das Klischee der ehrlichen Haut aus dem Osten und des geschickten aalglatten Westdeutschen lebe auch bei der jüngeren Generation durchaus weiter.

Quelle: n-tv.de, Theresa Münch, dpa

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