Politik

Proteste im Iran Die Opposition twittert

Angesichts der Einschränkung bei der Berichterstattung über die Proteste gegen die Präsidentschaftswahl im Iran spielt das Internet für die Opposition zum Austausch von Nachrichten und Neuigkeiten eine große Rolle - allen voran Twitter.

Angesichts der Einschränkung bei der Berichterstattung über die Proteste gegen die Präsidentschaftswahl im Iran spielt das Internet für die Opposition zum Austausch von Nachrichten und Neuigkeiten eine große Rolle - allen voran Twitter.

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Ein junger Mann zeigt bei einer Demonstration am Montag seine blutige Hand.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Kommunikationsplattform ermöglicht es, Kurznachrichten von bis zu 140 Zeichen an einen bestimmten Empfängerkreis übers Internet und Handy zu verbreiten. Nutzer teilten über Twitter etwa Adressen von Proxy-Servern mit, um Sperren im iranischen Internet umgehen zu können. Ein Nutzer mit dem Pseudonym "Persiankiwi" organisierte am Montag offenbar Hackerangriffe auf offizielle iranische Internetseiten. "Ahmadinedschad nannte uns Staub, wir zeigten ihm einen Sandsturm", zitiert die "New York Times" den Nutzer "2hamed".

"Wir müssen offline gehen", hieß es in einer Nachricht von "Persiankiwi" gegen Montagmittag. "Wir müssen auch den Ort wechseln - zu lange hier - ist gefährlich." Später schrieb er: "Auf der Straße von Bande auf Motorrädern mit Schlagstöcken angegriffen worden - Schüsse in die Luft - Feuer in der ganzen Stadt - Straßen gesperrt."

Bilder über Flickr und Youtube

Über andere Twitter-Zugänge wurden Links zu Bildern verschickt, die verletzte oder getötete Menschen zeigten und die auf dem Internetfotodienst Flickr oder der Plattform Youtube zu sehen waren. Iranischen Berichten zufolge waren am Montag am Rande der Proteste sieben Menschen getötet worden.

Mehrere Nutzer kritisierten die aus ihrer Sicht unzureichende Berichterstattung des Nachrichtensenders CNN über die Wahl und die anschließenden Massenproteste im Iran. Die Organisation Reporter ohne Grenzen hatte am Wochenende in Paris eine "massive Zensur" von Medien und Internetseiten durch iranische Behörden angeprangert. Am Dienstag wurde die Arbeit der ausländischen Journalisten in Teheran weiter eingeschränkt: Sie dürfen ihre Redaktionsbüros nicht mehr verlassen. "Kein Journalist hat die Erlaubnis, in der Stadt zu berichten, Filme zu drehen oder Bilder zu machen", sagte ein Vertreter des zuständigen Kulturministeriums. Von ihren Büros aus dürften die Medien zwar weiter berichten. Ausländischen Medienvertretern würden aber die Akkreditierungen entzogen.

Twitter selbst verschob angesichts der Ereignisse im Iran für den Montagabend geplante Wartungsarbeiten. Mitbegründer Biz Stone erklärte in einer Twitter-Nachricht, der Firmenpartner NTT America sei der Überzeugung, dass Twitter im Iran derzeit ein "wichtiges Kommunikationsmittel" sei und deshalb zunächst nicht abgestellt werden solle.

Quelle: ntv.de, AFP/rts

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