Politik

Immer nur scheibchenweise Die Wulff-Salami

Immer neue Details setzen Christian Wulff unter Druck, immer wieder muss der Bundespräsident reagieren. Er bedauert, bekräftigt, räumt ein und bestreitet - scheibchenweise.

Alles beginnt in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember. Kurz vor dem Ende einer Reise des Bundespräsidenten durch sechs Golf-Staaten berichtet die "Bild"-Zeitung, Christian Wulff habe im Februar 2010 im niedersächsischen Landtag nicht die volle Wahrheit gesagt, als er nach geschäftlichen Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens gefragt wurde. Er selbst lässt ausrichten, "die unmissverständliche Anfrage" sei damals "wahrheitsgemäß verneint" worden.

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Für dieses Haus nahm Wulff den Kredit bei Egon Geerkens auf.

(Foto: REUTERS)

Die Anfrage im niedersächsischen Parlament habe sich auf geschäftliche Beziehungen zu Geerkens bezogen, sagt Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker. Bei dem Kreditvertrag in Höhe von 500.000 Euro für das Haus der Wulffs habe es sich aber um "eine Vereinbarung" mit Geerkens Ehefrau Edith zu einem "Darlehen aus ihrem Privatvermögen" gehandelt.

"Nichts zu verbergen"

Zwei Tage später erklärt Wulff schriftlich, er bedaure, dass "hier ein falscher Eindruck entstehen konnte". Und weiter: "Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen."

Wiederum einen Tag später überrascht Geerkens damit, dass er seinem Freund in den Rücken fällt. Er trifft sich ein paar Mal mit dem "Spiegel" und plaudert über das Darlehen an Wulff. Dabei sagt er offen, dass er es war, der "mit Wulff verhandelt" hatte. Ihm sei wichtig gewesen, dass sein Name und der von Wulff nicht öffentlich auftauchten.

Noch am selben Tag bekräftigte Wulffs Anwalt, der Vertrag über das Darlehen in Höhe von 500.000 Euro sei mit Edith Geerkens geschlossen worden. Kurioserweise veröffentlichen Geerkens Anwälte ebenfalls eine Erklärung, in der es heißt, "entgegen anderslautender Meldungen wurde das Privatdarlehen an die Eheleute Wulff durch Frau Edith Geerkens gewährt".

Als Reaktion auf eine Anfrage der niedersächsischen SPD-Fraktion veröffentlichen Wulffs Anwälte am 18. Dezember eine Liste mit Urlauben von Wulff. Danach hatte der CDU-Politiker seit seiner Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten 2003 sechs Mal seinen Urlaub bei befreundeten Unternehmern verbracht. Nicht auf der Liste, weil schon bekannt, ist ein Urlaub nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten in der Villa des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer auf Mallorca.

Am Abend des 19. Dezember enthüllt wiederum die "Bild"-Zeitung, dass Maschmeyer die Werbung für ein Interviewbuch bezahlt hat, das 2007 im niedersächsischen Landtagswahlkampf erschien. Wulff lässt seinen Anwalt erklären, ihm sei von den Zahlungen nichts bekannt gewesen.

"Modalitäten wurden gemeinsam besprochen"

Zwei Tage später sagt Wulffs Anwalt der "Welt", der 500.000-Euro-Kredit sei zwischen Wulff und den Eheleuten Geerkens ausgehandelt worden: "Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt".

Zur Erinnerung: Am Anfang der Affäre steht Wulffs Antwort auf eine Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag. Sie wollte wissen, ob es geschäftliche Beziehungen zwischen Wulff und Geerkens oder dem damaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold gab. Folgende Antwort wurde am 18. Februar 2010 im Landtag gegeben: "Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben."

(Nach Hunold fragten die Grünen, weil Wulffs Weihnachtsurlaub 2009 Anlass der Frage war. Den hatte das Ehepaar Wulff bei den Geerkens in Florida verbracht hatte, den Flug dorthin hatte Bettina Wulff von Air Berlin kostenlos von der Economy- in die Business-Class hochstufen lassen. Die Flugticketaffäre endet damit, dass Wulff einräumte, gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen zu haben. Das Upgrade zahlte er nach.)

Quelle: n-tv.de, hvo

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