Politik

"Schreiber vor Ort" "Die Zuschauer wollen mitdiskutieren"

Heute startet n-tv seine neue politische Talkshow "Schreiber vor Ort". Moderator Constantin Schreiber setzt auf Themennähe, authentische Gäste und junge Zielgruppen.

n-tv.de: "Schreiber vor Ort" ist der neue Polit-Talk bei n-tv. Neu ist in der Tat einiges. Und vor allem: Was ist anders?

Zunächst die Gäste. Wir sind eine politische Talkshow, aber dazu muss ich nicht nur mit ranghohen Politikern sprechen. Mich interessieren vielmehr Menschen, die zu aktuellen politischen Themen relevant und authentisch sind. Betroffene von Entscheidungen, Aktivisten.

Dann unterscheiden uns Taktung und Recherche von anderen Talkshows. Weil wir in niedrigerer Taktung als wöchentliche Sendung laufen, erlaubt uns das, Themen langfristiger und tiefer zu recherchieren. Wir können mit mehr Vorlauf entscheiden, welche Themen wir besetzen und mit viel Aufwand längere Reportagen dazu umsetzen.

Schließlich produzieren wir unsere Sendung nicht im Studio, sondern an Orten, die einen Bezug zum Thema haben. In der ersten Sendung, in der es um die Sicherheitslage zur EM geht, waren wir etwa mit unseren Gästen im Olympiastadion in Berlin.

Warum nicht im Studio?

*Datenschutz

Weil es für die Gesprächssituation eine ganz andere Atmosphäre schafft. Zum Beispiel jetzt in unserer ersten Sendung haben wir als Gast einen Überlebenden des Terroranschlags in Istanbul vom Januar. Er sagte uns schon vor der Sendung, dass er Angst habe vor öffentlichen Räumen mit vielen Menschen. Als er dann in der Aufzeichnung saß, meinte er, wäre das Stadion voll, wäre er nicht gekommen. Man merkte an, wie sehr der Raum, an dem wir waren, ihn bewegte. Als er dann von dem Anschlag erzählte, den er erlebt hat, war das in besonderer Weise authentisch.

Zum anderen hatten wir einen Sicherheitsverantwortlichen vom so genannten Sommermärchen 2006 zu Gast, den ich konkret fragen konnte: "Sehen Sie sich hier um, wo sind hier unter Terrorismusaspekten die Sicherheitsrisiken." Das ist so in einem Studio natürlich nicht möglich.

Wen möchten Sie erreichen?

Ich stehe für die nächste Journalisten-Generation. Talks für Zuschauer ab 50 gibt es halt schon sehr viele. Die Jüngeren hat man bisher sehr außen vorgelassen. Dabei sind es ja gerade die unter 50-jährigen, die in wenigen Jahren an die verantwortlichen Stellen in unserem Land nachrücken werden. Deren Meinungen, Perspektiven und mediale Partizipation kommen meiner Ansicht nach bisher eindeutig zu kurz.

Braucht man heute überhaupt noch politischen Talk?

Ganz klares "Ja". Natürlich kann man sich den ganzen Tag Statements, Gespräche, O-Töne im Netz zusammensuchen. Da gibt es eine unüberschaubare Flut an verfügbarem Material. In Zeiten, in denen Information auf immer mehr Plattformen verfügbar ist, wird journalistische Einordnung aber nicht bedeutungsloser, sondern wichtiger. Menschen mit Haltung, die filtern, was oder wer für welche Debatte relevant sind. Die Gespräche bündeln, zuspitzen oder vielleicht einmal hart anpacken. Das Netz ist natürlich für viele Politiker oder Aktivisten sehr bequem, weil man sich häufig keine direkten Nachfragen gefallen lassen muss.

Gleichzeitig sind die Zeiten der Frontaldiskussion vorbei, bei der Zuschauer passive Staffage sind und sich die Meinungen anderer anhören dürfen. Talk kann und muss heute eine Plattform zum Mitdiskutieren sein. Das machen andere bisher nicht oder viel zu wenig.

Jetzt werden Sie also auch mit anderen Themen als Flucht, Migration und Integration präsent?

Ja, und das finde ich gut! Natürlich bleibe ich weiterhin meinen „klassischen“ Themen treu. Das bringen meine Biografie und meine Qualifikationen einfach mit sich. Aber ich glaube, ich bin auch mit meinem sonstigen journalistischen Rüstzeug konkurrenzfähig.

Quelle: ntv.de