Politik

Hans-Olaf Henkel Die "tour de force" gegen den Euro

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Hans-Olaf Henkel ist inzwischen unter die Autoren gegangen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hans-Olaf Henkel, einst Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ist auf Tour durch die Republik. Henkel unterzieht das Eurokrisen-Management von Bundesregierung und Europäischer Union einer heftigen Kritik. Entgegen landläufigen Auffassungen will Henkel nicht die D-Mark zurück, sondern fordert die Schaffung eines Nord- und eines Süd-Euro.

Der Saal in der Halle Münsterland im westfälischen Münster ist mit 300 Gästen bis auf den letzten Platz gefüllt. Für 22 Euro Eintritt haben es die zum Teil von außerhalb Angereisten vorgezogen, einem "schlauen Deutschen" zuzuhören statt sich in der ARD die Sendung "Der schlaueste Deutsche" anzusehen, wie der Moderator der Veranstaltung formulierte.

Die Bundesregierung befinde sich mit ihrer Euro-Politik auf einem Weg, der mit Schmierseife eingestrichen wäre. Henkel liebt sprachliche Bilder. Eine gern "haircut" genannte mögliche Umschuldung Griechenlands vergleicht er mit einem Gang zu Friseur. Das letzte Mal habe er seine Haare vor drei Wochen schneiden lassen, nun müsse er wieder hin. Eine Umschuldung Hellas' zöge die nächste nach sich usw. usf. Eine Umschuldung könne nur aber, wie im Falle Russlands und Argentiniens geschehen, mit einer darauffolgenden Abwertung der Landeswährung erfolgreich sein.

Griechenland als Euroland, so Henkel weiter, könne aber nicht allein den Euro abwerten. Deshalb der Vorschlag: eine neue Währung zu schaffen, der Henkel den Arbeitsnamen Nord-Euro gibt. Sie könne aber auch Gulden oder Krone oder Neue D-Mark heißen. In dem Namen schwingt schon ein bisschen Sehnsucht nach der guten, alten Mark mit. Aber zurück zur Deutschen Mark wolle er nicht. Einer Nord-Eurozone sollten neben Deutschland auch Finnland, die Niederlande und Österreich angehören, Er könne sich vorstellen, dass sich beispielsweise Schweden einer solchen Neuwährung anschließen könne.

In die jetzige Eurozone wolle das skandinavische Land nicht hinein, das wisse er aus Gesprächen mit schwedischen Spitzenpolitikern und -managern. Die anderen Euroländer sollten sich unter der Ägide Frankreichs in einem Süd-Euro sammeln. Der Befürchtung, Deutschland würde wegen eines starken Nord-Euro seine Exportvorteile verlieren, entgegnet Henkel mit dem Hinweis auf eine steigende Kaufkraft im Inland.

Das Publikum ist zumeist mittleren Alters und gutsituiert. Aber auch Studenten sind darunter, Mütter mit ihren Töchtern. Mehrmals werden Henkels regierungskritischen Ausführungen von Beifall unterbrochen. Viele Fragen im Anschluss. Einige bewegt das Problem, was man denn tun müsste, um der von ihm skizzierten Entwicklung entgegenzuwirken. Henkel verneint die ihm unterstellte Absicht, er wolle eine neue Partei gründen. Als einstiger FDP- und nunmehriger Nichtwähler unterstütze er die Mitgliederbefragung des liberalen Euroskeptikers Frank Schäffler, der seine Partei zu einer Umkehr so in der Europolitik zwingen wolle. Er denke sogar darüber nach, in die FDP einzutreten, nur um Schäffler helfen zu können. Das Publikum könne es ihm ja gleichtun.

Henkel macht klar, dass er kein Honorar nimmt. Ein Idealist? Mit seinen 71 Jahren könnte er sich eigentlich seinem Saxophon oder seinen Goldfischen widmen als auf der ersten Etappe seiner "tour de force" anderthalb Stunden stehend seine Ansichten dazulegen. Geld verdient der Mann jedenfalls mit seinen Auftritten nicht. Zuerst habe niemand seine Warnungen hören wollen, nun würden es immer mehr. Ob zur nächsten Veranstaltung am Freitag im heimatlichen Hamburg oder tags darauf in Berlin mehr als die 300 in Münster werden, kann niemand sagen. Aber Henkel ist zuversichtlich. Das andauernde Hickhack der Kanzlerin könnte ihm recht geben.

Quelle: n-tv.de

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