Politik

Pfund auf Talfahrt EU wird es Briten nicht einfach machen

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Wie wird der Warenaustausch zwischen Großbritannien und der EU in Zukunft laufen? Die Verhandlungen darüber werden sich hinziehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Brexit ist vollzogen, doch de facto hat sich bislang nichts an den Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien geändert. Spätestens zum Ende des Jahres müssen sich beide Seiten allerdings auf ein Handelsabkommen einigen. Das wird wohl nicht ganz so einfach.

EU-Unterhändler Michel Barnier hat der britischen Regierung Bedingungen für ein ehrgeiziges Freihandelsabkommen nach dem Brexit angekündigt. Voraussetzung seien die Einhaltung gleicher Wettbewerbsbedingungen und eine Einigung auf Fischereirechte, sagte Barnier in Brüssel. Der Zugang für britische Waren und Dienstleistungen zum EU-Binnenmarkt werde davon abhängen, wie eng sich Großbritannien künftig an EU-Regeln und Standards halte.

Unternehmen müssten sich schon jetzt darauf einstellen, dass auch das beste Freihandelsabkommen nicht mit den bisherigen Wirtschaftsbeziehungen im gemeinsamen Markt vergleichbar sei, sagte Barnier weiter. Unter anderem seien Zollformalitäten unvermeidlich. Das seien "die mechanischen Konsequenzen der Bedingungen, die Großbritannien gewählt hat".

Britisches Pfund / US-Dollar
Britisches Pfund / US-Dollar 1,24

Großbritannien hatte die Europäische Union in der Nacht zum Samstag nach 47 Jahren verlassen. Praktisch hat sich aber noch fast nichts geändert, weil innerhalb einer Übergangsfrist alle EU-Regeln im Vereinigten Königreich weiter gelten. Erst am 31. Dezember 2020 ist es damit - bisherigen Planungen zufolge - vorbei. Bis dahin müssen die wichtigsten Fragen vertraglich geregelt sein, sonst kommt es doch noch zu einem harten Bruch.

Neben der Grundsatzfrage, wie eng die Handelsbeziehungen sein können, geht es um einige knifflige Einzelpunkte. Dazu zählen die Fischereirechte - ohne Einigung dürften EU-Kutter nicht mehr in die britischen Fischgründe einfahren und umgekehrt. Auch muss geklärt werden, unter welchen Bedingungen die britische Finanzwirtschaft ihre Dienstleistungen in der EU anbieten darf.

*Datenschutz

Datenschutzstandards sind Voraussetzung dafür, dass noch persönliche Daten zwischen beiden Seiten ausgetauscht werden können. Relevant ist das auch für die Verbrechensbekämpfung: Ohne Einigung verliert Großbritannien mit dem Ende der Übergangsphase den Zugriff auf EU-Datenbanken.

Australien-Modell verspricht wenig

Die Ungewissheit über die künftigen Handelsbeziehungen zwischen London und Brüssel schickte die britische Währung zuletzt auf Talfahrt: Das Pfund verlor zu Wochenbeginn gut ein Prozent gegenüber dem Dollar und gut 0,8 Prozent gegenüber dem Euro. Zuvor hatte der britische Premierminister Boris Johnson deutlich gemacht, dass er in den anstehenden Verhandlungen mit der EU eine harte Linie verfolgen werde.

Johnson schließt nach eigenen Angaben auch eine Vereinbarung nach dem Australien-Modell nicht aus. Doch die EU und Australien haben bisher überhaupt kein Handelsabkommen. Letztlich würden beide Seiten dann Handel nach den Minimalstandards der Welthandelsorganisation (WTO) treiben. Das bedeutet Zölle und Einfuhrkontrollen.

"Das ist ganz einfacher Drittlandstatus nach WTO-Regeln", sagt ein deutscher Handelsexperte. Bei der Erhebung von Zöllen gebe es für Australien bisher keinerlei Sonderstatus. Wie mit anderen WTO-Ländern hat die EU lediglich die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbescheinigungen etwa bei technischen Geräten oder Medizinprodukten vereinbart, damit diese auf den jeweiligen Märkten zulässig sind. Beide Seiten verhandeln seit Juni 2018 über ein Handelsabkommen. Bisher gab es fünf Gesprächsrunden. Die sechste soll im Februar stattfinden. Ein Ende der Verhandlungen ist bisher nicht absehbar.

Nach Daten von 2018 stand Australien auf Platz 19 der wichtigsten EU-Handelspartner. Das Gesamtvolumen betrug dabei 47,6 Milliarden Euro. Dabei gab es aber ein großes Ungleichgewicht zugunsten der EU: Während das Land für die Europäer auf Platz 15 der wichtigsten Exportziele steht, schafft es Australien nur auf Platz 30 der wichtigsten Importeure in die Union. Der EU-Handelsüberschuss belief sich auf 24 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP