Politik
Gauland, Petry, von Storch und Pretzell (v.l.) auf der Suche nach normalen Griechen.
Gauland, Petry, von Storch und Pretzell (v.l.) auf der Suche nach normalen Griechen.(Foto: Jan Gänger)
Freitag, 26. Juni 2015

Fünf Gespräche, eine Überraschung: Ein Abend mit der AfD in Athen

Von Jan Gänger, Athen

Termine mit relevanten Politikern bekommt AfD-Chefin Frauke Petry nicht in der griechischen Hauptstadt. Stattdessen will sie mit ihrer kleinen Reisegruppe Otto-Normal-Griechen treffen. Das klappt nicht wirklich gut.

Irgendwie ist der Wurm drin. Eine AfD-Delegation bestehend aus Parteichefin Frauke Petry, den Europaabgeordneten Marcus Pretzell und Beatrix von Storch sowie dem brandenburgischen Landesvorsitzenden Alexander Gauland ist nach Athen geflogen. Um beim Thema Euro Co-Parteichef Bernd Lucke die Deutungshoheit zu nehmen, sagen die einen. "Um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen", sagen sie selbst.

Bis das passiert, dauert es allerdings etwas. Der Aufbruch von ihrem Hotel zu dem Ort, wo die spontanen Begegnungen mit Athenern stattfinden sollen, verzögert sich kräftig. Eine der Fragen, die vorher geklärt werden müssen: Gehen wir zu Fuß oder nehmen wir ein Taxi? Nach langem Hin und Her nehmen die ersten deutschen Journalisten, die Petry und Co. begleiten, ein Taxi und fahren schon mal vor. Die vier Euro-Gegner und der Rest der Medienvertreter lassen auf sich warten.

Der Frau, die als Übersetzerin fungieren soll, dauert das alles zu lange. Sie ist genervt, hat auf die Sache ohnehin keine Lust. Ob sie wisse, wer die AfD sei? "Leider", sagt sie. Warum sie hier sei? Die Freundin einer Freundin habe sie gefragt. Von den geplanten Gesprächen "im Stile von Straßenumfragen" hält sie auch nichts. "Da bekommt man sowieso nichts mit", sagt sie. Wer wirklich wissen wolle, wie sich die Krise auswirke, müsse sich schon etwas mehr Zeit nehmen.

"Wir unterhalten uns trotzdem mit den Leuten"

"Die wollten schon vor anderthalb Stunden hier sein", ärgert sie sich. "Ich hatte ihnen gesagt, ich muss um 21 Uhr weg." Gesagt, getan. Als die Truppe um neun eintrudelt, macht sich die Dame vom Acker.

Die AfD-Reisenden nehmen das sportlich. "Wir unterhalten uns trotzdem mit Leuten." Hier sprechen viele Englisch oder auch Deutsch, also ist das kein Problem. Petry macht den Anfang, dann folgen von Storch und Pretzell. Zwei Kamerateams sorgen dafür, dass die meisten Befragten die Politiker für Journalisten halten. Macht nichts, es geht schließlich darum, mit "normalen Griechen" ins Gespräch zu kommen. Petrys Fazit nach einem Gespräch mit einem älteren Herrn: "Im Euro drinbleiben ist auch ein Problem." Währenddessen sagt von Storch: "Ich habe den Eindruck, dass alle, die hier ausgehen, Arbeit haben." Das könnte wohl sein. Hier, rund um den Platz Nea Smyrni, wohnt schließlich die obere Mittelschicht.

Petry streichelt einem Mädchen übers Haar und Pretzell erkundigt sich nach dem Alter ihres Bruders. Der sagt: "Mama, gehen wir jetzt endlich?" Die sagt: "Ich bin glücklich, dass ich noch Arbeit habe." Arbeitslosigkeit sei ein großes Problem. Viele Bekannte hätten ihren Job verloren. Doch der Familiensinn sei stark. "Einer hilft dem anderen."

"Authentische Auskunft"

Das längste ihrer insgesamt fünf Gespräche führt Petry mit einer 35-jährigen Deutschlehrerin mit Armani-Brille. "Wir denken nicht so wie die 50- bis 60-Jährigen. Wir sind ehrlicher, wahrhaftiger. Die denken nur an sich", sagt die Griechin. "Haben die Reformen diese Denkweise verändert?", fragt Petry.

Gauland hält sich im Hintergrund. Ihm scheinen die Gespräche unangenehm zu sein. Er mache diese Reise mit, "um einen Eindruck zu bekommen, was die Griechen wirklich denken", sagt er und verweist auf ein Gespräch mit einem Taxifahrer. Auch mit einem Unternehmensberater habe sich die Gruppe bereits getroffen. Die von der AfD angekündigten Treffen mit halbwegs wichtigen Regierungsvertretern sind nicht zustande gekommen. Nicht einmal Oppositionspolitiker trifft die kleine Reisegruppe. Lucke hatte von dieser Reise abgeraten. "In einem Land wie Griechenland kannst Du politisch nichts erreichen, wenn Du nicht mindestens auf Staatssekretärsebene empfangen wirst", schrieb er in einer Mail an seine Kontrahentin Petry.

Deren Unterhaltung mit der Lehrerin geht zu Ende. "Authentische Auskunft, das ist uns wichtig", sagt sie. Sie sei hier, "um mit Bürgern zu reden". Viele sprächen hier Englisch oder sogar Deutsch, ergänzt sie. "Die sehen sich als Teil Europas."

Gab es für Petry eine überraschende Erfahrung? "Dass einige denken, dass Griechenland es im Euro richten könne", sagt sie. Nach einer Stunde sind die Gespräche beendet. Zeit fürs Abendessen. Dafür soll es zum Touristen-Hotspot Syntagma-Platz gehen. Authentisch griechische Küche gibt es dort eher nicht.

Quelle: n-tv.de