Nur elf Prozent sind zufriedenBürger fällen vernichtendes Urteil nach einem Jahr Schwarz-Rot

Die Regierungsarbeit fällt durch, der Kanzler ebenso und ist der Vertrauensverlust bei der Bevölkerung überhaupt zu beheben? Nach einem Jahr Schwarz-Rot ist die Meinung zur Koalition laut RTL/ntv-Trendbarometer eindeutig schlecht.
Nach einem Jahr im Amt fällt die Arbeit der Bundesregierung bei einer großen Mehrheit der Menschen in Deutschland durch. Nur 11 Prozent äußern sich im repräsentativen Trendbarometer von RTL/ntv zufrieden, 87 Prozent sind dagegen unzufrieden. Im Juli 2025, zwei Monate nach Amtsantritt, zeigten sich noch 38 Prozent der Menschen zufrieden und 58 Prozent unzufrieden.
Dabei ist im Osten Deutschlands die Unzufriedenheit größer (91 Prozent) als im Westen (87). Die Arbeit des Kabinetts hat nicht mal Rückhalt im eigenen Lager: 56 Prozent der Unionsanhänger und 82 Prozent der SPD-Wähler äußern sich unzufrieden. Noch wesentlich größer ist die Unzufriedenheit bei Anhängern der Oppositionsparteien Grüne (90 Prozent), Linke (96 Prozent) und AfD (99 Prozent).
Die geringe Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit zieht sich durch verschiedene Politikfelder. Mit 32 Prozent sind die Bundesbürger noch am ehesten mit der bisherigen Arbeit bei der Begrenzung der illegalen Zuwanderung zufrieden. Allerdings ist auch hier eine Mehrheit von 60 Prozent nicht zufrieden. Mehrheitlich positiv äußern sich Anhänger von Union (70), SPD (52) und Grünen (46) - besonders klein ist die Zufriedenheit bei AfD-Anhängern (7 Prozent).
Schlechter als Scholz und die Ampel?
Nur 14 Prozent der Menschen sind zufrieden mit der Verbesserung der Infrastruktur, 83 Prozent äußern sich gegenteilig. Dabei sind die Anhänger aller Parteien mehrheitlich nicht zufrieden, von 64 Prozent bei der Union bis zu 98 Prozent bei der AfD. Eigentlich hat sich die Regierung die Verbesserung der Infrastruktur auf die Fahnen geschrieben: Noch vor Amtsantritt von Schwarz-Rot hatte der alte Bundestag im März 2025 ein Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von 500 Milliarden Euro beschlossen.
Bei den Themen Begrenzung der Preissteigerungen, Reform der sozialen Sicherungssysteme und Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage sind jeweils 89 Prozent der Menschen unzufrieden mit der bisherigen Arbeit der Bundesregierung. Bei all diesen Themen überwiegt auch bei den Parteianhängern die Unzufriedenheit. Bei den Wählern der Oppositionsparteien liegen diese Werte jeweils jenseits der 90 Prozent.
Nicht eindeutig ist die Antwort auf die Frage, ob die Arbeit für die aktuelle Bundesregierung schwieriger ist als für ihre Vorgänger. 45 Prozent halten sie für schwieriger, 48 Prozent äußern sich gegenteilig. Anhänger von Union (80 Prozent) und SPD (59 Prozent) halten die aktuelle Regierungsarbeit mehrheitlich für schwieriger - im Gegensatz zur SPD waren CDU und CSU an der Ampel unter Kanzler Olaf Scholz nicht beteiligt.
Im direkten Vergleich mit der Ampel aus SPD, Grünen und FDP, die von 2021 bis 2025 regierte, haben nur 11 Prozent der Bürger den Eindruck, Schwarz-Rot würde besser regieren. 42 Prozent attestieren der aktuellen Regierung sogar eine schlechtere Arbeit. 43 Prozent sehen zwischen beiden Regierungsbündnissen keinen Unterschied. Von den Anhängern der Unions-Parteien meint nur eine Minderheit von 39 Prozent, die aktuelle Koalition regiere besser. Bei den SPD-Wählern sagen das gerade mal 7 Prozent. Eine Mehrheit von 52 Prozent (Union) beziehungsweise 55 Prozent (SPD) sieht keinen Unterschied zwischen beiden Regierungen.
Im Vergleich der Regierungschefs sagen 17 Prozent, dass der aktuelle Kanzler Merz bislang alles in allem besser regiere als sein Vorgänger Scholz. Im August des vergangenen Jahres meinten das noch 31 Prozent. 42 Prozent (August 2025: 19 Prozent) halten Merz aktuell hingegen für einen schlechteren Kanzler als Olaf Scholz. 40 Prozent sehen zwischen Merz und Scholz keinen Unterschied. Zumindest in dieser Frage ist unter den Unionsanhängern noch eine knappe Mehrheit von 57 Prozent der Auffassung, dass Merz ein besserer Kanzler sei. Von den SPD-Anhängern meinen das nur 9 Prozent. Bei den Wählern der Oppositionsparteien Grüne, Linke und AfD hält jeweils eine Mehrheit Merz für den schlechteren Kanzler.
Ende der Vertrauenskrise? Eher nicht
Gerade mal 22 Prozent der Menschen halten die Äußerungen von Kanzler Merz für angemessen und richtig. Im Oktober waren es noch 30 Prozent. 73 Prozent (Oktober 2025: 66 Prozent) sind dagegen der Auffassung, dass Merz seine Worte und Formulierungen sorgfältiger abwägen sollte. Das finden sogar 55 Prozent der Unionsanhänger und große Mehrheiten der Wähler von SPD (87), Grünen (81), Linken (94) und AfD (69).
Nur eine Minderheit von 21 Prozent teilt derweil die in Regierungskreisen geäußerte Einschätzung, dass es in der Bevölkerung zu hohe Erwartungen an die Bundesregierung gebe, wenn es um die Lösung der Probleme in Deutschland geht. 76 Prozent teilen die Einschätzung nicht. Am ehesten geteilt wird diese Einschätzung noch von den Anhängern von CDU/CSU (50 Prozent).
Angesichts der eher negativen Bewertung für die Koalition bleibt die Frage, ob Schwarz-Rot und Bundeskanzler aus diesem Vertrauenstief bei der Bevölkerung herausfinden können. Allerdings glauben nur 10 Prozent der Menschen, dass es der Regierung gelingen wird, im Laufe dieses Jahres bei den Bürgern wieder deutlich an Vertrauen zu gewinnen. 81 Prozent glauben das nicht. Vom Bundeskanzler glauben ebenfalls nur 11 Prozent, dass ihm das gelingt - 82 Prozent trauen ihm das nicht zu.
Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland am 30. April und 4. Mai erhoben. Datenbasis: 1002 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.