Politik

Instabile Preise und "Land Grabbing" Eine Milliarde Menschen hungern

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Ein unterernährtes Kind liegt in einem Therapiezentrum der Organisation Ärzte ohne Grenzen im nigerischen Maradi.

(Foto: REUTERS)

Der neue Welthungerindex nennt erschreckende Zahlen: Eine Milliarde Menschen leiden Hunger. In 29 Entwicklungsländern ist die Situation "alarmierend" oder "extrem alarmierend. In Rom beginnt derweil der Welternährungsgipfel. Experten diskutieren Lebensmittelknappheit und Preisschwankungen, aber auch das "Land Grabbing".

Armut, Konflikte und politische Instabilität haben zur Folge, dass weltweit rund eine Milliarde Menschen Hunger leiden. Die meisten von ihnen leben in Afrika und Asien, wie aus dem Welthungerindex hervorgeht. Demnach ist die Hungersituation in 29 Entwicklungsländern, den meisten von ihnen auf dem afrikanischen Kontinent, "alarmierend" oder sogar "extrem alarmierend". Besonders dramatisch sei die Lage in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi, Eritrea und im Tschad.

Derweil hat in Rom mit Beratungen über die Lebensmittelknappheit und Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln der Welternährungsgipfel begonnen. Im Mittelpunkt des einwöchigen Treffens des UN-Welternährungsausschusses, in dem unter anderem Regierungsvertreter, Hilfsorganisationen und UN-Institutionen vertreten sind, steht die Suche nach Lösungen im Kampf gegen den Hunger. Auch Bundesagrarministerin Ilse Aigner nimmt an dem Treffen teil. Die internationale Gemeinschaft will die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 halbieren.

Zunehmende Instabilität im Nahrungsmittel-Handel

Der Chef der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Jacques Diouf, warnte zu Beginn des einwöchigen Treffens in der italienischen Hauptstadt, dass weltweit 30 Staaten aufgrund ernsthafter Nahrungsmittelknappheit auf Nothilfe angewiesen seien. Diouf beklagte die zunehmende Instabilität des Handels mit Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkt. Entwicklungshilfeorganisationen mahnen vor allem die Eindämmung von Nahrungsmittelspekulationen und verbindliche Regeln für den Kauf von Anbauflächen in armen Ländern an.

Bundespräsident Christian Wulff rief derweil die Deutschen zu weiteren Spenden für Menschen in Not in aller Welt auf. Deutschland sei "auch wegen der Hilfsbereitschaft seiner Bürgerinnen und Bürger" international "sehr geschätzt", sagte Wulff als Schirmherr der Welthungerhilfe in einem Aufruf anlässlich der Woche der Welthungerhilfe 2010. Er rief die Bundesbürger auf, sich weiter "auf globale Nachbarschaft" einzulassen und die Welthungerhilfe bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Schließlich sei es wichtig, "im globalen Dorf heute in guter Nachbarschaft zu leben".

"Land Grabbing" wird zum Thema

Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat "Land Grabbing" von Investoren als ein zentrales Thema ausgemacht: "Allein in den letzten beiden Jahren wurden 45 Millionen Hektar in armen Ländern aufgekauft", hält Oxfam fest. Das entspricht etwa der Größe Schwedens. Die bislang geplanten Regeln der FAO und der Weltbank reichten angesichts der Folgen von "Land Grabbing" für die Armen nicht aus, erläuterte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Für den Welthungerindex werteten das Forschungsinstitut IFPRI, die Hilfsorganisation Concern Worldwide und die Welthungerhilfe Daten aus 122 Ländern aus. Verglichen wurden der Anteil unterernährter Menschen, die Zahl untergewichtiger Kinder und die Kindersterblichkeit.

Im vom Bürgerkrieg geplagten Kongo sind dem Welthungerindex zufolge drei Viertel der Bevölkerung unterernährt. Die Kindersterblichkeit ist dort eine der höchsten weltweit. In der Studie heißt es, der seit Ende der 90er Jahre anhaltende Bürgerkrieg habe zu einem "Zusammenbruch der Wirtschaft, massiven Vertreibungen von Menschen und chronischer Nahrungsmittel-Unsicherheit" geführt. Mit Ausnahme von Haiti und dem Jemen liegen alle Länder, in denen die Situation als "alarmierend" eingestuft wird, in Afrika. Die Mangelernährung bei Kindern unter zwei Jahren stellt laut der Welthungerhilfe eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen den Hunger dar.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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