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"Wir rutschen aus im Blut" Elitepolizisten schildern Attacke auf Bataclan

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Nach dem Terrorangriff auf das Bataclan mit 89 Toten trauern Pariser vor dem Konzertsaal.

(Foto: REUTERS)

Als Islamisten in dem Pariser Konzertsaal Bataclan um sich schießen, sind Polizisten der Such- und Eingreifbrigade BRI als Erste vor Ort. Ihnen zeigt sich ein schreckliches Bild: überall liegen Leichen und Schwerverletzte. Nun heißt es: Leben retten.

Als die Einsatzkräfte am Freitagabend den Pariser Konzertsaal Bataclan stürmen, stoßen sie auf entsetzliche Szenen. "Ich habe so etwas niemals gesehen", sagt der Polizist Denis Safran der Such- und Eingreifbrigade BRI. "Ein Meer aus Menschen, Dantes Inferno, überall Blut, wir gehen über Leichen, wir rutschen aus im Blut." Der Polizeisanitäter war unter der sogenannten ersten Kolonne, die 35 Minuten nach Beginn der Attacke in den Konzertsaal in der Pariser Innenstadt eindringt.

"Um 21.40 Uhr hatten wir die ersten Telefonanrufe, dass es am Stade de France Explosionen gibt und Schüsse im Zentrum von Paris", berichtet ein anderer Polizist der BRI, der ebenfalls in der ersten Kolonne im Bataclan war. Um 22 Uhr bricht die erste Einsatzgruppe auf, eine Viertelstunde später sind die Beamten im Saal. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwei Polizisten der Brigade zur Kriminalitätsbekämpfung (BAC) ins Bataclan eingedrungen und hatten einen der drei Attentäter im Erdgeschoss erschossen.

Überall lagen Tote

"Als wir eintrafen, hörten wir keinen einzigen Schuss. Wir fragten uns, ob die Terroristen durch den Hinterausgang verschwunden sind", erzählt der Polizist. Der Sanitäter Safran berichtet, auf dem Gehweg und in der Eingangshalle hätten Tote gelegen. "Im Parkett lagen mehrere Hundert Menschen einer über dem anderen, riefen um Hilfe, eine Mischung aus Toten, aus Verletzten", sagt Safran. Während eine zweite Kolonne nachkommt und die Eliteeinheit Raid den Eingang sichert, rückt die erste Einsatzgruppe weiter vor.

"Jedes Mal, wenn wir eine Tür öffneten, fanden wir Geiseln. Wir mussten sichergehen, dass es wirklich Geiseln sind" und sie keine Waffen hatten, sagt Safran. Die Zuschauer des Rockkonzerts haben sich überall versteckt, "in abgehängten Decken, unter Sofas". Rasch rücken die Polizisten in die oberen Stockwerke vor - dann stoßen sie auf die Angreifer. "Um 23.15 Uhr waren wir vor einer Tür, hinter der ein Terrorist schrie. Sie waren zu zweit mit einem Sprengstoffgürtel, den sie zu zünden drohten", berichtet der Polizeisanitäter.

"Sie wollten, dass wir zurückweichen, drohten Geiseln zu enthaupten, sprachen von Syrien." Ein Unterhändler der Polizei verhandelt mit den Attentätern, doch vergebens. Um 00.18 Uhr entscheidet sich die Polizei zum Zugriff. Hinter der Tür stoßen sie auf einen Gang von 15 Meter Länge, vor den Attentätern eine Gruppe von Geiseln. Die Angreifer eröffnen das Feuer, die Geiseln werfen sich auf den Boden, "versuchten sich klein zu machen". Die Polizisten rücken hinter einem Schutzschild vor, ohne das Feuer zu erwidern.

Dschihadisten sprengten sich in die Luft

"Wir bildeten eine menschliche Raupe, um die Geiseln hinter uns zu bringen", berichtet der Sanitäter. Der Schutzschild fängt rund 20 Schüsse ab. "Und dann waren keine Geiseln mehr zwischen ihnen und uns, der zweite Zugriffsbefehl wurde erteilt." Ein Polizist wird durch einen Querschläger verletzt. "Eine Stufe, der Schutzschild fiel, wir sahen einen Schatten, wir schossen, wir sahen den Schatten fallen, er explodierte. Wir wussten nicht wie, aber das Ergebnis war, dass die beiden Dschihadisten explodierten", erzählt Safran.

Insgesamt töten die drei Attentäter an diesem Abend im Bataclan 89 Menschen. 39 weitere sterben bei Angriffen ihrer Komplizen auf Cafés und Restaurants in der Nachbarschaft, ein Mann wird von drei Attentätern am Stade de France in den Tod gerissen.

Für die Polizisten der ersten Kolonne im Bataclan war es nicht der erste Einsatz gegen Islamisten in Paris: Sie stürmten im Januar bereits den jüdischen Supermarkt, in dem ein Islamist zwei Tage nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" vier Menschen erschoss.

Quelle: n-tv.de, Katell Prigent, AFP

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