Politik

"Zionismus wie Faschismus" Erdogan löst Entrüstung aus

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Erdogan bei seiner Rede auf der UN-Veranstaltung.

(Foto: dpa)

Islamophobie ist ein Übel, ebenso wie Faschismus und Antisemitismus. Der türkische Regierungschef Erdogan stellt jedoch auch noch den Zionimus mit in diese Reihe und erntet damit heftigen Widerspruch. Für das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel ist die Aussage eine echte Gefahr.

Der Zionismus

Hauptziel der zionistischen Bewegung war die Gründung eines Jüdischen Nationalstaates in Palästina. Mit ihm sollte den Juden, die sich nach der Auflösung des alten jüdischen Staates durch die Römer im Ersten Jahrhundert über die ganze Erde verstreut hatten und vielfachen Verfolgungen ausgesetzt waren, die Rückkehr ins "Land der Väter" ermöglicht werden. Die Bewegung begann Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf Pogrome und Unterdrückung im zaristischen Russland und fand nach der systematischen Judenverfolgung durch die Nazis in Deutschland 1948 in der Ausrufung des unabhängigen und souveränen Staates Israel ihre Erfüllung.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat sich mit seinen jüngsten Äußerungen über den Zionismus heftige Kritik eingehandelt. Die UNO, die USA und Israel verurteilten Erdogans Aussage scharf, wonach Zionismus ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" sei. Erdogan hatte bei einer UN-Konferenz in Wien zur Förderung des Dialogs zwischen Religionen und Völkern am Mittwoch gesagt: "So wie das für Zionismus, Antisemitismus und Faschismus gilt, ist es unerlässlich, Islamophobie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu betrachten."

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einer "dunklen und lügnerischen Erklärung". Das Weiße Haus in Washington verurteilte die Beschreibung des Zionismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit als "beleidigend und falsch".

Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der ebenfalls an dem 5. Globalen Forum der Allianz der Zivilisationen in Wien teilnahm, bei dem Erdogan eine Rede gehalten hatte. Ban bedauere, dass solche "verletzenden und spaltenden Bemerkungen" bei einem Treffen gemacht worden seien, bei dem es um verantwortliche Führung ging. Wenn die Übersetzung der Rede korrekt gewesen sei, "war es nicht nur falsch, sondern widerspricht den Prinzipien der Allianz der Zivilisationen", fügte der UN-Sprecher hinzu.

Gefährliches Spiel

Die Äußerung Erdogans birgt das Risiko, dass sich die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei weiter verschlechtern. Der Zionismus war die Triebfeder, die schließlich zur Gründung des Staats Israel führte. Seit 2010 ist die Stimmung zwischen der Türkei und Israel angespannt, als bei der Stürmung eines türkischen Schiffes mit Kurs auf den Gaza-Streifen durch israelische Soldaten neun Türken getötet wurden. Zuletzt hatte es aber Zeitungsberichte gegeben, wonach beide Seiten Anstrengungen unternähmen, um die Beziehungen wieder zu verbessern.

Die Äußerungen sollten auch Thema bei einem Gespräch Erdogans mit US-Außenminister John Kerry sein, wie ein US-Vertreter ankündigte. Kerry wolle in Ankara seine Sorge zum Ausdruck bringen, erklärte ein US-Beamter.

Quelle: ntv.de, dpa

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