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Die Ermittler haben die Parkbank, auf der Sergej Skripal und seine Tochter bewusstlos zusammengebrochen sind, luftdicht versiegelt.
Die Ermittler haben die Parkbank, auf der Sergej Skripal und seine Tochter bewusstlos zusammengebrochen sind, luftdicht versiegelt.(Foto: AP)
Dienstag, 06. März 2018

London droht mit Sanktionen: Ex-Agent gemeinsam mit Tochter vergiftet

Bewusstlos liegen Sergej Skripal, ein früher russischer Doppelagent, und eine junge Frau am Sonntag auf einer Bank im englischen Salisbury. Laut britischer Regierung handelt es sich um seine Tochter. Der Fall erreicht inzwischen die Politik.

Bei der Frau, die am Sonntag im südenglischen Salisbury gemeinsam mit dem früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal vergiftet wurde, handelt es sich um Yulia Skripal - die Tochter des 66-Jährigen. Die 33-Jährige befinde sich ebenso wie ihr Vater in kritischem Zustand, berichtet die britische BBC. Sie lebe und arbeite in Moskau, besuche ihren Vater aber regelmäßig in Salisbury.

Diese Aufnahme einer Überwachungskamera soll Skripal und seine Tochter kurz vor ihrem Zusammenbruch zeigen.
Diese Aufnahme einer Überwachungskamera soll Skripal und seine Tochter kurz vor ihrem Zusammenbruch zeigen.(Foto: AP)

Der britische Außenminister Boris Johnson bestätigte, dass es sich bei dem Paar um Sergej Skripal und dessen Tochter Yulia handelt. Er drohte mit Konsequenzen, sollte ein Staat hinter der mutmaßlichen Giftattacke stecken. In diesem Fall werde die Regierung "angemessen und robust antworten", erklärte Johnson vor Abgeordneten im britischen Parlament. Er nannte neue Sanktionen gegen Russland und einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. Gleichzeitig warnte Johnson aber auch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen.

Derweil hat die russische Führung Großbritannien angeboten, zusammenzuarbeiten. Bislang sei jedoch keine solche Anfrage eingegangen, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Er bezeichnete den Vorgang als "tragische Situation". Über die Hintergründe habe er keine Informationen, auch nicht darüber, ob Skripal noch russischer Staatsbürger sei.

Reihe plötzlicher Todesfälle

Skripal 2006 bei seinem Prozess in Moskau.
Skripal 2006 bei seinem Prozess in Moskau.(Foto: REUTERS)

Passanten hatten Vater und Tochter am Sonntag bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum in Salisbury entdeckt. Mit welcher Substanz die beiden vergiftet wurden, ist den britischen Ermittlern zufolge noch unklar. Es würden Zeugen befragt, forensische Proben genommen und toxikologische Untersuchungen durchgeführt, sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit Mark Rowley der BBC. Zudem werten die Ermittler derzeit Videoaufnahmen vom Tatort aus. Zwei Polizeibeamte, die nach ihrem Einsatz mit juckenden Augen und Husten behandelt werden mussten, konnten das Krankenhaus aber wieder verlassen.

Skripal war Agent des russischen Militärgeheimdienstes. Ein Moskauer Gericht hatte ihn 2006 in einem Prozess wegen Verrats russischer Spione an den britischen Geheimdienst zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 kamen er und seine Ehefrau im Zuge eines Austauschs von Spionen zwischen Russland und westlichen Staaten nach Großbritannien.

In den vergangenen Jahren wurde die Familie bereits von einer Reihe plötzlicher Todesfälle heimgesucht. Laut BBC starb Skripals Ehefrau 2012, kurz nachdem sich das Paar ein Haus in Salisbury gekauft hatte. 2016 sei Skripals älterer Bruder gestorben. Sein 43 Jahre alter Sohn starb letztes Jahr bei einem Urlaub mit seiner Frau in St. Petersburg. Er wurde dem Bericht zufolge mit Leberversagen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Der Fall weckt Erinnerungen an den russischen Ex-Spion Litvinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium-210 vergiftet worden war. In einem Untersuchungsbericht hatten britische Ermittler den russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, die Tat wahrscheinlich persönlich gebilligt zu haben. Das russische Präsidialamt wies die Vorwürfe stets zurück.

Quelle: n-tv.de