Politik
Anhänger des neuen Präsidenten feiern dessen Wahlsieg in den Straßen der Stadt Kano.
Anhänger des neuen Präsidenten feiern dessen Wahlsieg in den Straßen der Stadt Kano.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 01. April 2015

Größte Volkswirtschaft Afrikas: Ex-Militärdiktator gewinnt Wahl in Nigeria

Historischer Machtwechsel in Nigeria: Bei den Wahlen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas setzt sich der Herausforderer gegen den Amtsinhaber durch. Der neue Staatschef will Boko Haram auszumerzen - doch auch er selbst hat eine dunkle Vergangenheit.

Ein früherer Militärdiktator hat in Afrikas bevölkerungsreichstem Land den ersten demokratischen Machtwechsel geschafft. Der 72 Jahre alte Muhammadu Buhari wird der neue Präsident Nigerias. Amtsinhaber Goodluck Jonathan gestand seine Wahlniederlage offiziell an und gratulierte dem 72-Jährigen telefonisch zum Sieg. Amtlichen Angaben zufolge lagen 2,57 Millionen Stimmen zwischen Buhari und Amtsinhaber Jonathan.

Der bisherige Präsident Goodluck Jonathan (l.) und sein Nachfolfger Muhammadu Buhari.
Der bisherige Präsident Goodluck Jonathan (l.) und sein Nachfolfger Muhammadu Buhari.(Foto: dpa)

Der scheidende Staatschef dankte in seiner Erklärung dem Volk für die "großartige Chance, das Land zu führen" und versicherte, bis zum offiziellen Ende seiner Amtszeit alles in seiner Macht Stehende für das Wohl der Nation zu tun. "Ich habe dem Land freie und faire Wahlen versprochen", fuhr Jonathan fort. "Und ich habe mein Wort gehalten." Buhari erzielte den ersten Sieg der Opposition, seit das ölreiche westafrikanische Land 1999 zur Demokratie zurückgekehrt ist.

Militärdiktator für zwei Jahre

Jonathans Eingeständnis der Niederlage kommt große Bedeutung zu, da dadurch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden Kandidaten weniger wahrscheinlich sind. Der Christ Jonathan rief seine Landsleute dazu auf, etwaige Streitigkeiten über das Ergebnis der Wahlen vom Wochenende vor Gericht und nicht auf der Straße auszutragen. Bei der letzten Wahl kamen nach solchen Ausschreitungen rund 1000 Menschen ums Leben.

Buhari hatte im Wahlkampf versprochen, er werde die grassierende Korruption bekämpfen und den islamischen Terrorismus der Boko Haram ausmerzen. Buhari gewann nach Angaben der Wahlkommission 20 der 36 Bundesstaaten Nigerias. Er sicherte sich rund 15 Millionen Stimmen, Jonathan erhielt nur rund 13 Millionen. Buhari regierte Nigeria von Ende 1983 für knapp zwei Jahre als Militärdiktator. Er setzte die Verfassung außer Kraft und beschnitt Freiheitsrechte. Seine Regierung konnte die damals bestehenden wirtschaftlichen Probleme jedoch nicht lösen und wurde ihrerseits weggeputscht.

Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren am Samstag in dem ölreichen westafrikanischen Land zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahl war ursprünglich bereits für den 14. Februar angesetzt, wurde aber wegen des Terrorfeldzugs von Boko Haram im Nordosten des Landes verschoben. Auch am Wahltag kamen bei Anschlägen etwa 30 Menschen ums Leben. Seit 2009 töteten die sunnitischen Extremisten mindestens 14.000 Menschen.

Nigeria ist der größte Ölexporteur des Kontinents und auch die größte Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Nigerianer lebt jedoch immer noch in großer Armut.

Quelle: n-tv.de