Politik

Folterknechte der argentinischen Junta Ex-Militärs lebenslang in Haft

Sie machten Jagd auf politisch Andersdenkende, sie folterten und ermordeten ihre Opfer: Wegen ihrer Verbrechen in der Zeit der argentinischen Diktatur verurteilt ein Gericht zwei ehemalige Militärs zu lebenslanger Haft. Unter den tausenden Toten befand sich damals auch eine deutsche Studentin.

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Auch Elisabeth Käsemann wurde verschleppt und ermordet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein argentinisches Gericht hat zwei ehemalige Offiziere wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Militärdiktatur zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 84-jährige Ex-General Hector Gamen und der 81-jährige Ex-Oberst Hugo Pascarelli wurden wegen Entführung, Folter, Vergewaltigung und Mord im Foltergefängnis "El Vesubio" verurteilt. Dort war auch die deutsche Soziologin Elisabeth Käsemann ermordet worden.

Das Gericht in Buenos Aires verurteilte die beiden Armeeoffiziere wegen insgesamt 156 Verbrechen gegen die Menschlichkeit in dem berüchtigten Gefängnis, darunter 19 Erschießungen durch ein Exekutionskommando. Der Kommandeur des Lagers, der Ex-Oberst Pedro Duran Saenz, war im Juni während des laufenden Verfahrens gestorben. Fünf frühere Gefängniswärter wurden ebenfalls zu Haftstrafen zwischen 18 und 22 Jahren verurteilt.

Deutsche Regierung als Nebenkläger

In "El Vesubio" (Der Vesuv) im Südwesten von Buenos Aires waren von 1976 bis 1978 rund 2500 Gefangene inhaftiert. Das Gefängnis wurde 1978 kurz vor dem Besuch einer Menschenrechtskommission abgerissen. Unter den Häftlingen befand sich auch die Tübinger Soziologin Elisabeth Käsemann. Die Leiche der 30-jährigen Tochter des Theologieprofessors Ernst Käsemann war 1977 acht Wochen nach ihrer Entführung auf einem brach liegenden Grundstück gefunden worden. Die deutsche Regierung beteiligte sich als Nebenkläger an dem Prozess.

Die Grünen-Abgeordnete Ingrid Honlinger begrüßte als Vorsitzende der Deutsch-Südamerikanischen Parlamentariergruppe das Urteil, das sie als "überfällig" bezeichnete. Sie wies zugleich darauf hin, dass die Familie von Käsemann sich lange vergeblich um die Unterstützung des Auswärtigen Amts bei der Verfolgung der Täter bemüht habe. Umso mehr sei es zu begrüßen, dass sich Deutschland nun als Nebenkläger an dem Prozess beteiligt habe.

Militärdiktatur von 1976 bis 1983

Das Gericht in Buenos Aires verurteilte Gamen und Pascarelli auch für die Verschleppung der beiden Franzosen Jean-Marcel Soler und Françoise Dauthier, die in "El Vesubio" inhaftiert waren. Ihre Leichen wurden nie gefunden. Zudem wurden sie für das Verschwinden des Schriftstellers Haroldo Conti, des Comicautors Hector Oesterheld und des Regisseurs Raimundo Gleyzer verurteilt.

Während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen rund 30.000 Menschen in Argentinien verschwunden. Seit dem Amtsantritt von Präsident Nestor Kirchner im Jahr 2003 hatte die Annullierung der Amnestiegesetze aus der Zeit der Diktatur die Wiederaufnahme von Prozessen gegen die Verantwortlichen erlaubt. Cristina Kirchner, die 2007 ihrem Mann an der Spitze des Staates nachfolgte, setzt diese Politik fort.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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