Politik

Gewaltwelle im Irak Extremisten zünden 14 Bomben

Nur einen Tag, nachdem die Zahl der US-Soldaten im Irak unter 50.000 gesunken ist, sterben bei Anschlägen im Irak zahlreiche Menschen. Der Abzug ist nicht unumstritten: Die Bevölkerung befürchtet einen weiteren Anstieg der Gewalt.

Unmittelbar nach dem Abzug der letzten US- Kampftruppen ist der Irak von einer verheerenden Terrorwelle erschüttert worden. Nach Angaben von Augenzeugen, Ärzten und Polizisten starben durch Sprengstoffanschläge und Selbstmordattentate landesweit 61 Menschen. Die Polizei zählte binnen weniger Stunden 14 Explosionen. Erst am Vortag hatte die US-Armee erklärt, der Abzug ihrer Kampftruppen sei beendet.

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Eine Frau tröstet ihren verletzten Sohn.

(Foto: AP)

"Diese Explosionen zeigen uns, dass die irakischen Sicherheitskräfte noch nicht fähig und richtig ausgerüstet sind, um die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen, jetzt, wo die US-Truppen nicht mehr da sind", sagte der Parlamentarier Fallah al-Luhaibi. Al-Luhaibi gehört der Al-Irakija-Liste an, die seit der Parlamentswahl im März die stärkste Fraktion bildet, aber wegen des seither andauernden Streits um die Schlüsselpositionen noch keine Regierung bilden konnte.

Die meisten Toten gab es in der Stadt Al-Kut südlich von Bagdad. Nach Angaben von Augenzeugen starben hier allein 20 Menschen, als ein Selbstmordattentäter neben dem Gebäude der Provinzverwaltung eine Autobombe zündete. 90 Menschen erlitten Verletzungen. Weitere Anschläge ereigneten sich in Nord-Bagdad, in der Schiiten-Stadt Kerbela, in Basra, Ramadi, Falludscha, Dudschail, al-Makdadija, Kirkuk, Mossul und Bakuba. Die Bomben detonierten neben Polizeistationen oder auf Hauptstraßen, wo Passanten starben. In der westlichen Stadt Falludscha traf es eine Familie, die sich neben einer Polizeipatrouille aufhielt. Zwei kleine Jungen starben. Die Angehörigen der Patrouille blieben nach Polizeiangaben unversehrt.

Die US-Armee hatte am Dienstag bekanntgegeben, die Zahl ihrer Truppen im Irak sei erstmals seit dem Einmarsch von 2003 auf weniger als 50.000 Soldaten gesunken. Gemäß einem Vertrag zwischen Washington und der irakischen Regierung sollen auch diese Truppen, das Land bis Ende 2011 verlassen. Bis dahin sollen sie die irakische Armee unterstützen und ihre Soldaten ausbilden. Kampfeinsätze der US-Armee ohne die Iraker soll es nicht mehr geben. Die einzige Region, die von Terroranschlägen verschont blieb, war das kurdische Autonomiegebiet im Norden. Dort sorgen ehemalige Kämpfer der kurdischen Parteimilizen für Sicherheit.

Quelle: ntv.de, dpa