Politik
Donnerstag, 03. September 2009

Mord an Anna Politkowskaja : Fall wird neu aufgerollt

Drei Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat das Oberste Gericht Russlands nun doch eine neue Beweisaufnahme angeordnet. Dabei müssten die Ermittlungen gegen den gesuchten mutmaßlichen Mörder Rustam Machmudow in die laufende Verhandlung gegen vier angeklagte Komplizen einbezogen werden. Das sagte ein Justizsprecher nach Angaben der Agentur Interfax. Damit gab das Oberste Gericht überraschend einem Antrag der Politkowskaja-Familie statt. Noch im Juni hatten die Obersten Richter neue Ermittlungen abgelehnt.

Anna Politkowskaja starb im Oktober 2006.
Anna Politkowskaja starb im Oktober 2006.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Die jetzige Entscheidung ist ein Schritt hin zu einer völligen Aufklärung des Falls", sagte die Anwältin Karina Moskalenko, die die Politkowskaja-Familie vertritt. Die Angehörigen der Journalistin hatten sich an die höchste Instanz gewandt, nachdem ein Moskauer Militärgericht zuletzt im zweiten Prozess gegen die vier Angeklagten weitere Ermittlungen abgelehnt hatte.

Sowohl die Anwältin als auch die Staatsanwaltschaft zeigten sich aber nur bedingt optimistisch, ob die neuen Ermittlungen die Wahrheit ans Licht bringen. Die Verwandten seien damit nur "mäßig zufrieden", erklärte Moskalenko. "Immerhin sind mittlerweile drei Jahre vergangen und der Fall ist eigentlich nicht anständig untersucht worden." Ihnen sei die Einsicht in die Ermittlungen verwehrt worden. "Jetzt werden wir sehen, in welchem Ausmaß die Staatsanwaltschaft mit uns kooperieren wird", so Maskalenko.

Zunächst Freispruch für Komplizen

Die mutmaßlichen Komplizen in dem Mordfall waren in einem ersten Verfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Diese Freisprüche hatte jedoch das Oberste Gericht ebenfalls kassiert und ein Verfahren mit neuen Geschworenen angeordnet.

Während des ersten Prozesses: die Angeklagten hinter Gittern im Saal.
Während des ersten Prozesses: die Angeklagten hinter Gittern im Saal.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Familie Politkowskajas sowie die Kollegen der getöteten Journalistin von der Zeitung "Nowaja Gaseta" halten den Mord für politisch motiviert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls neue Ermittlungen beantragt hatte, warnte vor überzogenen Erwartungen. "Wir werden die Anklageschrift überarbeiten, aber alles Weitere hängt von einer Festnahme Machmudows ab", sagte er nach dem Gerichtsurteil.

Politkowskaja, damals 48-jährig und Mutter von zwei Kindern, war am 7. Oktober 2006 vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden. Bekanntheit hatte sie durch ihre Artikel für die Zeitung "Nowaja Gaseta" erlangt. Darin kritisierte sie den damaligen Präsidenten Wladimir Putin und berichtete über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. Putin, der mittlerweile Ministerpräsident ist, hatte vor drei Jahren jegliche Verstrickung des Kremls in das Verbrechen zurückgewiesen.

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Quelle: n-tv.de

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