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"Grenzjäger" und Hilfe Flüchtlings-Ansturm erreicht neues Level

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Auf der griechischen Insel Kos warten Flüchtlinge unter anderem aus Syrien und dem Irak auf die einzige Mahlzeit des Tages.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zahl der Flüchtlinge in Europa steigt sprunghaft an. Die Grenzschützer zählen im Juli so viele Flüchtlinge wie noch nie. Und schon jetzt sind es in diesem Jahr mehr, als im gesamten Vorjahr. Paris, London und Budapest ziehen neue Konsequenzen.

Im Juli stieg die Zahl der an den EU-Außengrenzen entdeckten Flüchtlinge erstmals auf mehr als 100.000 in einem Monat. Insgesamt wurden 107.500 Migranten ausfindig gemacht, teilte die EU-Grenzschutzagentur Frontex mit. Das seien dreimal so viele wie im Juli vergangenen Jahres und die höchste Zahl von Flüchtlingen, seit Frontex im Jahr 2008 mit der Zählung der Ankömmlinge an den EU-Grenzen begann.

"Das ist eine Notsituation für Europa, die von allen EU-Mitgliedstaaten Einsatz verlangt, um die nationalen Behörden zu unterstützen, die eine massive Zahl von Flüchtlingen an ihren Grenzen verzeichnen", sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri. Frontex benötige für den Einsatz in Griechenland und Ungarn zusätzliche Ausstattung und mehr Personal.

Die Zahl der seit Jahresanfang festgestellten Flüchtlinge stieg damit auf 340.000. Im gesamten Jahr 2014 hatten 280.000 Menschen versucht, in die EU zu gelangen.
Unter den illegalen Einwanderer stammten nach Frontex-Angaben die meisten aus Syrien und Afghanistan. Sie seien über die Türkei und Griechenland nach Europa gelangt.

Bis zu vier Jahre Haft

Ungarn droht inzwischen Tausenden Flüchtlingen mit Gefängnisstrafen. "Die Einwanderer treten mit immer aggressiveren und entschiedeneren Forderungen auf", sagte Kanzleramtsminister Janos Lazar. Geplant sei deshalb eine Verschärfung des Strafgesetzbuches, so dass illegale Grenzübertritte mit drei bis vier Jahren Haft bestraft werden könnten. Bislang gilt illegaler Grenzübertritt in Ungarn lediglich als Ordnungsvergehen.

Lazar kündigte außerdem an, dass innerhalb der Polizei eine eigene "Grenzjäger"-Einheit gebildet werde solle. Sie soll mehrere Tausend Beamte umfassen. Ungarn baut derzeit einen 175 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Serbien. Das Land ist für Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Afrika vor allem eine Durchgangsstation vor der Weiterreise.

London und Paris planen Abkommen

Im Westen Europas wollen Frankreich und Großbritannien gemeinsam gegen die Flüchtlingskrise am Eurotunnel vorgehen. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve und seine britische Kollegin Theresa May würden am Donnerstag im nordfranzösischen Calais ein Abkommen dazu unterzeichnen und zusammen das dortige Eurotunnel-Gelände besuchen, teilte die französische Regierung mit. In dem Abkommen soll es demnach um die Sicherheitszusammenarbeit, den Kampf gegen Schleuserbanden und humanitäre Hilfe gehen.

In Calais sind Tausende Flüchtlinge gestrandet, die auf ein besseres Leben in Großbritannien hoffen. Die meisten von ihnen leben unter miserablen Bedingungen in einem selbst errichteten Zeltlager. Hilfsgruppen erwarten, dass die Zahl der Bewohner des Lagers bis Monatsende auf 4000 anwächst. Bei den Fluchtversuchen durch den Eurotunnel kamen seit Beginn des Sommers bis zu zwölf Flüchtlinge ums Leben.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP

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