Politik

"Eine Mama, ein Papa, ganz einfach" Franzosen gegen die Homo-Ehe

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der französische Kardinal Philippe Barbarin (m), Erzbischof von Lyon, besucht eine Demonstration gegen "Die Ehe für alle" in Lyon.

REUTERS

Der Präsident Frankreich François Hollande löst sein Wahlversprechen ein und bringt Gesetzesentwürfe zur Homo-Ehe auf den Weg. Diese jedoch stoßen bei tausenden Bürgern auf Unmut, den sie in zahlreichen Demonstrationen landesweit zum Ausdruck bringen. Vor allem das neue Adoptionsrecht ist den Gegnern ein Dorn im Auge.

Mehr als 100.000 Menschen haben in Frankreich gegen die geplante Homo-Ehe und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare demonstriert. In der Hauptstadt Paris versammelten sich laut Polizei rund 70. 000 Menschen zu einer Kundgebung. In Toulouse setzte die Polizei Tränengas gegen Gegendemonstranten ein, auch in Lyon gab es eine Konfrontation zwischen Gegnern und Befürwortern.

Das französische Kabinett hatte Anfang November einen Gesetzentwurf zur Homo-Ehe auf den Weg gebracht, der sozialistische Präsident François Hollande löste damit ein Wahlversprechen ein. Der Entwurf sieht erstmals auch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vor. Die Nationalversammlung soll sich ab Januar mit der Vorlage befassen, gegen den die konservative Opposition und die katholische Kirche Sturm laufen. Bereits seit 1999 können homosexuelle Paare in Frankreich eine eingetragene Lebenspartnerschaft (PACS) eingehen, Adoptionen sind bisher aber nicht möglich.

Das ist keine Homophobie

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In Lyon gingen 22.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Homo-Ehe zu demonstrieren.

(Foto: REUTERS)

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich in Paris 200.000 Menschen an dem Protest. Die Demonstranten auf dem Platz Denfert-Rochereau hielten auf Plakaten Slogans wie "Ja zur Familie! " und "Ein Papa, eine Mama, ganz einfach!" in die Höhe. Die Veranstalter verwiesen darauf, dass die Kundgebung weder politisch noch religiös motiviert sei und sich auch "gegen Homophobie" richte. Für den 13. Januar riefen die Veranstalter zu einem weiteren Aktionstag gegen die Pläne der sozialistischen Regierung auf.

In Toulouse im Südwesten Frankreichs versammelten sich nach Angaben der Polizei 5000 Menschen, um gegen die Homo-Ehe zu demonstrieren, die Organisatoren sprachen von 10.000 Demonstranten. Gegen die Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration von rund 350 Anhängern der Regierungspläne setzte die Polizei Tränengas ein, um die beiden Lager zu trennen.

Die Ehe für alle

In Lyon beteiligten sich laut Behörden 22.000 Menschen an einer Kundgebung gegen Homo-Ehe und Adoptionsrecht, bei der auch mehrere kirchliche Vertreter mitliefen. Die Polizei trennte mehrere der Gegendemonstranten und Vertreter extrem rechter Gruppierungen, die für die traditionelle Familie demonstrierten. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

Unter anderem auch in Nantes, Rennes und Marseille demonstrierten tausende Menschen gegen die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht. Am Sonntag soll in Paris auf Aufruf der katholischen Organisation Civitas eine weitere Demonstration gegen die Regierungspläne stattfinden.

Die Regierung verteidigte die Pläne der "Ehe für alle". Diese seien "ein Fortschritt für alle", erklärte Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem. Frankreich zeige damit, dass es für "Grundfreiheiten und Rechtsgleichheit" stehe. Sie forderte eine sachliche Diskussion über die Frage. Die Instrumentalisierung der Frage oder "Ausfälle" werde die Regierung nicht dulden.

Quelle: n-tv.de, AFP

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