Politik

Sondierungen in MagdeburgFünf Einladungen und vier Absagen für die AfD

09.09.2026, 16:55 Uhr
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Die AfD hat angekündigt, mit allen im Landtag vertretenen Parteien Gespräche führen zu wollen. (Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen)

"Absurde" Anfrage, "keine Gesprächsbasis": Wenige Tage nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lehnen fast alle Parteien Sondierungsgespräche mit den Rechtsextremen ab. Spitzenkandidat Siegmund hat nur einen Gesprächspartner in Aussicht.

Was vor der Wahl galt, gilt in diesem Punkt auch nach der Wahl: CDU, SPD, Grüne und Linke lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt weiterhin ab. Vertreter der vier Parteien haben Gesprächsangebote über eine Regierungsbildung ausgeschlagen.

"Es ist absurd anzunehmen, dass wir mit der rechtsextremen AfD Gespräche über die Zukunft unseres Landes führen werden", sagte Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz. Ob das Schreiben der AfD durch die Grünen noch förmlich beantwortet wird, ist noch offen.

Auch die Sozialdemokraten haben die Einladung ausgeschlagen. "Zwischen der SPD und der AfD bestehen grundlegende politische und normative Gegensätze", antworteten die beiden Landesvorsitzenden Juliane Kleemann und Andreas Schmidt. "Die AfD hat über Jahre in Parlamenten, öffentlichen Foren und ihren eigenen Veröffentlichungen die demokratischen Parteien, ihre Repräsentanten und wesentliche Institutionen unserer demokratischen Ordnung immer wieder grundsätzlich infrage gestellt und verächtlich gemacht."

Das Ergebnis der Landtagswahl nehme man zur Kenntnis, man respektiere die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler, betonten Kleemann und Schmidt. "Es verändert jedoch weder unsere politischen Grundüberzeugungen noch unsere Bewertung der AfD. Für Gespräche über eine Zusammenarbeit zwischen unseren Parteien besteht daher aus unserer Sicht keine Grundlage."

Schulze: "Wir sind in der Opposition"

Bereits vor der Wahl hatten alle anderen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Dennoch kündigte AfD-Generalsekretär Tobias Rausch an, alle im Landtag vertretenen Parteien zu Sondierungsgesprächen einladen zu wollen.

Die Linken haben ebenfalls bereits abgelehnt. Die Landesvorsitzenden Janina Böttger und Hendrik Lange erklärten in ihrer Antwort an die AfD: "Mit einer Partei, die Menschen nach Herkunft, vermeintlicher Zugehörigkeit und Überzeugung aussortiert, hat die Linke keine Gesprächsbasis." Die AfD betreibe aggressiv eine gesellschaftliche Spaltung und befeuere ein Klima der Angst, Enthemmung und Willkür.

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze schloss bereits mehrfach eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. "Wir sind in der Opposition", bekräftigte Schulze nach seiner Wahl zum CDU-Fraktionsvorsitzenden. Man sei nach diesem Wahlergebnis nicht beauftragt, an Regierungsbeteiligungen zu denken.

Eine CDU-Sprecherin bestätigte den Eingang des AfD-Schreibens. "Wir werden dieses Gesprächsangebot nicht annehmen", sagte sie. "Unsere Haltung ist klar: Eine Zusammenarbeit mit der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD Sachsen-Anhalt lehnen wir ab."

BSW will über Gespräche beraten

Als einzige Partei will das BSW über das Gesprächsangebot der AfD beraten. Dies erklärte BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze. Man sei grundsätzlich bereit, mit allen Parteien zu sprechen. "Dass andere Parteien bereits das Gespräch an sich ablehnen, halten wir für einen schlechten politischen Umgang und für kein gutes Zeichen für die demokratische Kultur in unserem Land." Auf Nachfrage, ob er eine Koalition mit der AfD ausdrücklich ausschließe, antwortete BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zuletzt ausweichend.

CDU-Spitzenkandidat Schulze geht bereits fest von einer Zusammenarbeit von AfD und BSW aus. "Ich bin ziemlich sicher, dass spätestens nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern die AfD und BSW die Wahrheit sagen werden, dass sie sich längst geeinigt haben, wie das kommen soll."

Im neuen Landtag ist die CDU mit 15 Abgeordneten vertreten. SPD, Linke und Grüne haben jeweils 8 Sitze, das BSW zog mit 5 Abgeordneten erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. Die AfD gewann 39 der insgesamt 83 Mandate. Damit fehlen ihr für eine absolute Mehrheit drei Stimmen. Ob und wie sie die erreichen kann, ist offen.

Quelle: ntv.de, psa/dpa/AFP

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