Politik
Sonntag, 27. März 2011

Vor ausländischen Journalisten: Gaddafi-Regime verschleppt Frau

Eine Frau stürmt ein Hotel mit ausländischen Journalisten in Tripolis, sagt, sie sei zwei Tage lang von Gaddafis Leuten misshandelt und vergewaltigt worden. Dann wird sie vor laufenden Kameras abgeführt. Für die Opposition ist sie eine Heldin.

Ein Mitarbeiter des libyschen Informationsministerium bedrängt Iman al-Obeidi. Der Reporter Charles Clover versucht, ihn zurückzuhalten.
Ein Mitarbeiter des libyschen Informationsministerium bedrängt Iman al-Obeidi. Der Reporter Charles Clover versucht, ihn zurückzuhalten.(Foto: AP)

Eine offenbar verzweifelte Libyerin ist am Samstagmorgen in ein Hotel in Tripolis gestürmt und hat den dort untergebrachten ausländischen Journalisten gesagt, sie sei an einer Straßensperre verschleppt worden. Anschließend habe man sie zwei Tage lang eingesperrt und gefoltert. Nach eigenen Angaben wurde sie von 15 Männern vergewaltigt.

Ihren Namen gab sie mit Iman al-Obaidi an. Sie zeigte Verletzungen und sagte: "Sehen Sie, was die Leute von Gaddafi uns antun!"

Kurz darauf wurde sie vor den Augen der Journalisten von einem Vertreter des Gaddafi-Regimes in Zivil überwältigt und fortgebracht. Er hielt ihr die Hand auf den Mund, um sie am Sprechen zu hindern. Zuvor hatte es ein Handgemenge mit einigen der anwesenden Reporter gegeben, an denen sich auf Seiten der Staatsmacht auch Angestellte des Hotels beteiligten.

Der Korrespondent der "Financial Times", Charles Clover, der einen libyschen Beamten zurückhalten wollte, wurde ausgewiesen. Auch n-tv Korrespondentin Antionia Rados war bei dem Vorfall anwesend. Das Hotelpersonal habe sich "als zusätzlicher Sicherheitsdienst" entpuppt, sagt sie in ihrem Beitrag. Obaidi habe gesagt, sie sei festgenommen worden, weil sie aus der Rebellenhochburg Bengasi stamme.

Noch am Samstag wurden englisch- und französischsprachige Wikipedia-Einträge veröffentlicht. Auf Webseiten der libyschen Opposition wird der Mut der jungen Frau bewundert. "Wir alle sind Iman al-Obaidi", schrieb einer von ihnen.

Ein Regierungssprecher sagte später, man werde die Frau bald wieder freilassen. Er behauptet, sie sei verrückt.

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Quelle: n-tv.de