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Ausbildung statt Aufklärung Guttenberg zieht Tornados ab

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Ein "Recce-Tornado" des Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann" startet auf dem Fliegerhorst Jagel bei Schleswig zum Einsatz nach Afghanistan.

(Foto: ddp)

Nach dreijährigem Einsatz zieht Deutschland die in Afghanistan zur Aufklärung eingesetzten Tornado-Kampfflugzeuge ab. Die sechs Tornados liefern seit April 2007 für die NATO-Truppe ISAF Lagebilder über Afghanistan. Durch den Abzug werden rund 90 Soldaten für die Ausbildung afghanischer Soldaten frei.

Die Bundeswehr zieht ihre Aufklärungstornados aus Afghanistan ab und schickt stattdessen mehr Armee-Ausbilder an den Hindukusch. Die sechs Jets sollten noch im November nach Deutschland zurückkehren, kündigte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an. Die bis zu 90 Dienstposten, die durch den Abzug frei werden, sollten entsprechend dem Wunsch von Isaf-Kommandeur David Petraeus eingesetzt werden, um die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu verstärken. Als Teil des Strategiewechsels am Hindukusch stockt die Bundeswehr die Zahl der Ausbilder dort derzeit bereits drastisch auf.

Die deutschen Tornados liefern seit 2007 Aufklärungsbilder aus ganz Afghanistan für die Isaf. Ihr Einsatz war damals innenpolitisch heftig umstritten, weil die Bilder auch als Grundlage für Bombardierungen genutzt werden können. Nun sollen die Tornados zwar nach Deutschland zurückkehren, jedoch nicht komplett aus dem Afghanistan-Einsatz abgemeldet werden. Ab Dezember würden die Jets als Reserve vorgehalten und könnten kurzfristig nach Afghanistan verlegt werden, kündigte das Ministerium an. Im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes sollten künftig die schon bisher dort stationierten Drohnen die Aufklärungsbilder liefern.

Die Bundeswehr werde weiter den Schwerpunkt auf die Ausbildung der afghanischen Armee legen, betonte Guttenberg im fränkischen Kloster Banz. Bis zu 1500 deutsche Soldaten sollten am Hindukusch für das Training der afghanischen Einheiten zum Einsatz kommen. Momentan sei die Bundeswehr dabei, bis Ende Oktober das zweite Ausbildungs-Bataillon aufzustellen.

Opposition ist begeistert

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Guttenberg legt den Schwerpunkt auf die Ausbildung der afghanischen Armee.

(Foto: dpa)

FDP, Grüne und Linkspartei begrüßten den Abzug der Jets als überfällig. "Es ist klar, dass wir mehr Kräfte für die Ausbildung brauchen", sagte die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff. Die Tornados seien am ehesten verzichtbar, da am Hindukusch inzwischen eine große Zahl von Drohnen für die Aufklärung eingesetzt werde. Allerdings könne der Abzug der Jets nur ein erster Schritt sein. "Der Generalinspekteur muss jetzt prüfen, an welchen anderen Stellen er Kräfte zugunsten der Ausbildung umschichten kann", forderte Hoff. "Dies gilt vor allem für den Standort Masar-i-Scharif mit seinen 2500 deutschen Soldaten."

Auch der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour regte in diesem Zusammenhang eine Überprüfung des größten deutschen Standorts in Masar-i-Scharif an. "Man muss jetzt genau nachschauen, welche Stellen sonst noch zugunsten der Ausbildung umgeschichtet werden können", mahnte Nouripour. Der Abzug der Tornados sei längst überfällig gewesen, weil sie ohne relevanten Nutzen viel Geld und Personal verschlungen hätten. "Dass Isaf-General Petraeus dem Bundesverteidigungsminister zu dieser Erkenntnis verhelfen muss, ist traurig."

Die Linkspartei forderte erneut den Abzug der gesamten deutschen Truppen vom Hindukusch. Der Abzug der Tornados dürfe nicht durch mehr Soldaten am Boden kompensiert werden. "Mehr Ausbilder zu entsenden, wie von Nato-Kommandeur Petraeus gefordert, heißt zugleich, mehr deutsche Beteiligung an Kampfeinsätzen", warnte der Verteidigungsexperte der Linken, Paul Schäfer.

Guttenberg hatte sich bereits am Wochenende für einen Abzug der Tornados offen gezeigt. Zugleich machte er jedoch deutlich, dass er an der Mandatsobergrenze von 5350 Soldaten festhalten will. Derzeit sind rund 4700 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Den Piloten und Technikern der Tornados dankte Guttenberg für ihre Leistung.

Quelle: n-tv.de, dpa

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