Politik

Blutiger Montag Hamas fordert Vergeltung

Nach dem Tod von mindestens 14 Palästinensern bei einer israelischen Militäraktion im Gazastreifen hat die radikalislamische Hamas zu neuen Selbstmordanschlägen im ganzen Land aufgerufen. Israelische Truppen waren in der Nacht zum Montag mit Panzern und Kampfhubschraubern in ein Viertel der Stadt Chan Junis eingerückt, das als Hamas-Hochburg gilt. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben auch rund 80 Menschen verletzt, acht von ihnen in einem Krankenhaus, das unter israelischen Beschuss geriet.

Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat sprach von einem "abscheulichen Massaker" und Kriegsverbrechen. Die israelische Armee erklärte, sie habe "terroristische Infrastrukturen " zerstören wollen. Bei der Aktion seien auch zivile Opfer in Kauf genommen worden.

"Hamas hat Polizeichef getötet"

Die palästinensische Polizei beschuldigte am Montag die radikalislamische Hamas-Bewegung, den Chef der palästinensischen Anti-Aufruhr-Einheit zuerst gefoltert und dann erschossen zu haben. Der Polizei zufolge hatten rund 20 Hamas-Mitglieder dem 55-jährigen Radscheh Abu Lehija an einer selbst errichteten Straßensperre in Gaza aufgelauert. Die Hamas-Leute hätten sich als israelische Sicherheitskräfte verkleidet.

USA und EU verurteilen Militäraktion

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des US-Präsidialamtes, Sean McCormack, sagte in Washington, Israel habe das Recht, sich zu verteidigen. "Dennoch sollte Israel die Folgen seines Handelns sorgfältig abwägen - das schließt die Notwendigkeit ein, alle Maßnahmen zu ergreifen, um im Kampf gegen den Terror den Tod Unschuldiger zu vermeiden."

Die Europäische Union verurteilte das israelische Vorgehen in ungewöhnlich scharfer Form und appellierte zugleich an die Palästinenser, auf Vergeltung zu verzichten. In einer in Brüssel verbreiteten Erklärung hieß es: "Es gibt keine Rechtfertigung für Militäraktionen, die sich wahllos gegen Wohngebiete richten, egal ob palästinensische oder israelische."

Der außenpolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, der im Nahen Osten für einen neuen Friedensplan warb, zeigte sich entsetzt über die Zahl der Opfer. Es sei um so dramatischer, da die Palästinenser sich in jüngster Zeit um einen "Weg aus der Gewalt" bemüht hätten.

Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich empört über den israelischen Angriff. In einer von seinem Sprecher veröffentlichten Erklärung heißt es: "Für eine solche Aktion gibt es keine legale oder moralische Rechtfertigung". Sie sei eine "rücksichtslose Missachtung der internationalen Menschenrechte, die den Schutz der Zivilbevölkerung vorschreiben."

nicht förderlich für Israels Streben nach mehr Sicherheit, erklärte

Annan weiter. Sie könnten im Gegenteil zu einer weiteren Eskalation

der Gewalt führen und gleichzeitig das Gefühl der Verletzbarkeit auf

der Seite der Israelis wie der Palästinenser erhöhen.

Quelle: ntv.de