Politik

Anschlag auf Synagoge "Hashing" soll Halle-Gewaltvideo stoppen

125401374.jpg

Zwei Menschen kamen bei der Tat in Halle ums Leben

(Foto: picture alliance/dpa)

Skrupellos veröffentlicht der Halle-Attentäter seine Gewalttat im Stil eines Ego-Shooters auf einer Streamingplattform. Globale Internetdienste tun derweil ihr Bestes, um die Verbreitung des Videos schnellstmöglich zu stoppen. Dabei soll eine neue Methode zum Einsatz kommen.

Große Unternehmen haben nur Stunden nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle das Live-Video der Tat von ihren Plattformen gelöscht. "Wir stehen in engem Kontakt miteinander und bleiben entschlossen, die Online-Verbreitung von gewalttätigen und extremistischen Inhalten zu stören", erklärte die Gruppe "Global Internet Forum to Counter Terrorism" in den USA. Zu den Mitgliedern gehören Facebook, Google, Microsoft und Twitter.

Um die Videos automatisch zu entfernen, wird die sogenannte "Hashing"-Technologie angewendet. Diese wurde erstmals nach dem Anschlag in Christchurch in Neuseeland im März dieses Jahres entwickelt. Der Begriff "hash" kommt aus dem Englischen und bedeutet "zerhacken". "Hashwerte" sind unter anderem für die Verschlüsselung von Nachrichten zuständig. Die Daten werden dabei vollständig zerstört.

Der Attentäter von Halle hatte sein Live-Video von der Tat in Echtzeit im Internet verbreitet. Er nutzte dafür die Streamingplattform Twitch, die zu Amazon gehört. Twitch ist eine Abspielstätte für die Übertragung von Videospielen. Dabei werden die Spiele, oft Ego-Shooter, von anderen Spielern betrachtet und verfolgt.  

Das Video von Halle ist zum Teil ebenfalls wie ein Ego-Shooter gefilmt. Es ähnelt dem Filmmaterial aus Christchurch, in dem der Schütze mit einer Helmkamera aus der Ich-Perspektive die Tötung von 51 Menschen in zwei Moscheen filmte und live im Internet übertrug. Wie bei Christchurch verbreiteten sich Kopien und Teile der Aufnahmen aus Deutschland schnell im Internet - sowohl durch Anhänger der antisemitischen Ideologie des Attentäters als auch durch Menschen, die die Tat verurteilen. Auf seinem offiziellen Twitter-Account gab Twitch bekannt, dass das Video von 5 Personen live gesehen wurden und es nach der Tat noch von 2200 Nutzern abgerufen wurde.

Nach 30 Minuten habe das Unternehmen das Video von der Internetplattform gelöscht. Das Nutzerkonto des Verdächtigen sei vorher nur ein einziges Mal zum Streamen benutzt worden. Facebook sagte, es habe noch keine Details darüber, wie oft das Video auf seinen Plattformen gepostet wurde oder wie viele Nutzer es gesehen haben. Twitter verwies Reuters auf die Erklärung des Forums "Global Internet Forum to Counter Terrorism". Google und Telegram reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.

Quelle: n-tv.de, can/rts

Mehr zum Thema