Politik

Karadzic-Prozess Holbrooke bestreitet Absprache

Der frühere US-Unterhändler in Bosnien-Herzegowina, Richard Holbrooke, hat bestritten, er habe mit dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic eine Absprache über Immunität getroffen. Karadzic hatte vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erklärt, die USA hätten ihm im Gegenzug zu seinem Rückzug aus dem politischen Leben Schutz vor Verfolgung durch das Tribunal zugesichert.

Karadzic habe schon bei seinem Untertauchen eine Mitteilung verbreitet, wonach die USA mit ihm vereinbart hatten, er werde nicht verfolgt, wenn er verschwinde. "Ich habe mit Karadzic damals ein hartes Geschäft ausgehandelt - er musste sowohl als Präsident der Serbenrepublik als auch von der Spitze seiner Partei zurücktreten", sagte Holbrooke bei CNN über die Ereignisse rund um den Friedensvertrag von Dayton 1995. "Als er dann verschwand, hat er noch die Falschinformation verbreitet, dass er nach einer Absprache mit mir nicht verfolgt würde - und das ist eine vollständig falsche Aussage."

Grüner Mercedes vorm Büro

Holbrooke bezeichnete es als "schweren Fehler", dass Karadzic nicht während der Stationierung der NATO-Truppen in Bosnien festgenommen worden sei. "Er hätte verhaftet werden müssen. Sein grüner Mercedes war sechs Monate lang jeden Tag vor seinem Büro geparkt. Der damalige NATO-Kommandeur weigerte sich, ihn zu verhaften, obwohl er die Autorität hatte. Das war ein schwerer Fehler", kritisierte Holbrooke.

Der US-Diplomat bezeichnete Karadzic als "intellektuellen Architekten" des Völkerhasses im ehemaligen Jugoslawien. "Von allen teuflischen Männern des Balkans ist er der schlimmste", sagte Holbrooke.

Quelle: ntv.de