Politik

Israels Marine in Alarmbereitschaft Irans Kriegsschiffe im Mittelmeer

Erstmals seit 1979 passieren iranische Kriegsschiffe den Suez-Kanal und fahren ins Mittelmeer. Israel versetzt daraufhin seine Marine in Alarmbereitschaft. Man wolle auf jede Provokation reagieren, heißt es. Die iranische Fregatte und ein Versorgungsschiff wollen nach Syrien fahren. Sie sollen keine atomaren oder chemischen Waffen an Bord haben.

2011-02-22T111006Z_01_AMR07_RTRMDNP_3_EGYPT-IRAN-SUEZ.JPG1122154914635118434.jpg

Das iranische Schiff bei der Passage.

(Foto: REUTERS)

Unter dem scharfen Protest Israels sind zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren zwei iranische Kriegsschiffe in den Suez-Kanal eingefahren. Die Schiffe steuerten am Morgen in den Kanal und erreichten am Nachmittag das Mittelmeer, wie die ägyptische Suez-Kanal-Behörde mitteilte. Israel erklärte, seine Marine in Alarmbereitschaft versetzt und sich für jegliche Provokation durch die iranischen Schiffe gewappnet zu haben.

Die Durchfahrt war den Iranern zuvor mehrfach verweigert worden. Unter Präsident Husni Mubarak waren die Beziehungen zwischen Ägypten und dem Iran jahrelang sehr schlecht. Ein Mitarbeiter der Suezkanal-Gesellschaft sagte, die Iraner hätten für die Durchfahrt etwa 200.000 US-Dollar bezahlen müssen.

Der Sprecher des ägyptischen Außenministeriums, Hossam Saki, hatte zur der Durchfahrterlaubnis in einem Interview mit der Nachrichten-Website "youm7" erklärt: "Dies ist keine Änderung in der ägyptischen Außenpolitik." Ägypten dürfe gemäß der Konvention von Konstantinopel aus dem Jahr 1888 nur die Durchfahrt von Schiffen verhindern, mit denen sich Ägypten im Kriegszustand befinde.

Kein chemisches oder atomares Material

Die Durchfahrt durch den 163 Kilometer langen Suez-Kanal dauert in der Regel zwischen zwölf und 14 Stunden. Die Fregatte "Alwand" und das Versorgungsschiff "Charg" wurden am Dienstagabend an der Mündung zum Mittelmeer erwartet. Die "Alwand" ist in der Regel mit Torpedos und Schiffsabwehrraketen ausgestattet, die "Charg" mit ihrer 250-köpfigen Besatzung hat unter anderem Kapazitäten für den Transport von drei Helikoptern, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete.

Aus diplomatischen iranischen Kreisen hatte es geheißen, die beiden Kriegsschiffe absolvierten eine "Routine"-Fahrt nach Syrien, die von kurzer Dauer sei. Auf ihrem Weg dorthin müssen sie zwangsläufig die israelische Küste passieren. Nach Angaben der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA hat keines der Schiffe konventionelle Waffen, chemisches oder atomares Material geladen. Der Iran beliefert die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon mit Waffen.

Auf Provokationen wird "sofort" reagiert

Die beiden Kriegsschiffe wurden in den 70er Jahren in Großbritannien gebaut. Es war das erste Mal seit der islamischen Revolution im Iran 1979, dass Kriegsschiffe des Landes den Kanal passieren, der durch Ägypten hindurch das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet.

Von der internationalen Gemeinschaft forderte Israel, auf die "Provokation" durch die iranischen Schiffe entschlossen zu reagieren. Die israelische Marine sei nach der Ankunft der Schiffe im Mittelmeer in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, sagte ein ranghoher israelischer Beamter. Auf jede als provozierend empfundene Aktion werde "sofort" reagiert.

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silvan Schalom sprach von einer "Provokation". Ziel des Irans sei es, "den Führern der arabischen Welt zu zeigen, wer der neue Herrscher in Nahost ist." Die Passage der iranischen Schiffe sei "Teil eines umfassenden Kampfes, den der Iran um die Führung und Kontrolle im Nahen Osten führt".

Israel überdenkt Militärstrategie

Durch den Sturz von Präsident Husni Mubarak am 11. Februar in Ägypten hat Israel einen wichtigen Garanten für Stabilität in der Region verloren. Die israelische Regierung beobachtet die Entwicklung im Nachbarland mit wachsender Sorge und überdenkt derzeit seine Militärstrategie. Im Zentrum steht für die Regierung dabei die Frage, wie es sich gegen die Bedrohung durch den Iran wappnen kann.

Israel fühlt sich von dem Iran und seinem iranischen Atomprogramm existenziell bedroht, vor allem angesichts der häufigen israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Nuklearenergie an Atomwaffen zu arbeiten.

"Es handelt sich um eine beispiellose militärische Präsenz des Iran im Mittelmeer", erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Igal Palmor. Die internationale Gemeinschaft müsse entschlossen reagieren. Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte erklärt, es handele sich um eine Machtdemonstration Teherans. "Wir können nun die Instabilität in der Region beobachten, in der wir leben", erklärte er. "Iran versucht, aus der Instabilität Profit zu ziehen und seinen Einflussbereich zu vergrößern.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa