Politik

Attacken schutzlos ausgeliefert?Israelisches Militär riegelt christliches Dorf wegen Siedlergewalt ab

10.08.2026, 13:27 Uhr
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Ein Blick auf die Kirche in Taybeh. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Taybeh ist eines der letzten verbliebenen christlichen Dörfer im Westjordanland. Doch die Bewohner werden zunehmend von radikalen jüdischen Siedlern bedroht. Nun erklärt Israels Armee das Dorf zu einer geschlossenen militärischen Zone. Die Abriegelung löst vor Ort offenbar Sorgen aus.

Das israelische Militär hat das palästinensische Dorf Taybeh im Westjordanland zu einer geschlossenen militärischen Zone für Nicht-Einwohner erklärt. Damit sollen zunehmende Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser verhindert werden, teilt die Armee mit. Die Anordnung gelte nur für Israelis und nicht für Palästinenser. Hintergrund seien gewalttätige Übergriffe von Israelis in der Region, sagt ein Sprecher. Taybeh ist eines der letzten verbliebenen christlichen Dörfer im Westjordanland.

Nach Angaben einer bekannten Nahost-Korrespondentin auf X sagte ein Sprecher der israelischen Armee, dass auch Journalisten keinen Zugang mehr zu dem Dorf hätten. Die Bewohner des Dorfes befürchteten, dass sie ohne Journalisten und Zivilisten, die als schützende Präsenz fungieren, Angriffen von Siedlern schutzlos ausgeliefert seien, schreibt die Journalistin Noga Tarnopolsky auf X.

Ein Beobachter berichtet, dass zwei israelische Aktivisten am Sonntag wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen die Anordnung festgenommen wurden, nachdem Siedler in der Gegend randaliert hatten, ohne dass die israelischen Behörden eingegriffen hätten. Israelischen Soldaten im Westjordanland wird immer wieder vorgeworfen, dass sie Siedlergewalt nicht entschlossen genug verhindern oder die Siedler sogar unterstützen.

Der frühere Nahost-Korrespondent des ORF, Karim El-Gawhary, schrieb auf X: "Wäre es nicht sinnvoller, die Siedlung, aus der die Angreifer kommen, abzuriegeln und sie festzunehmen?" Das Militär erklärte, Soldaten würden auf Verstöße gegen die Anordnung reagieren, indem sie Menschenansammlungen in der Gegend auflösen und Verdächtige festnehmen würden, "um die Bürger des Gebiets zu schützen und Ordnung aufrechtzuerhalten", wie die Zeitung "Haaretz" berichtet.

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Angriffe radikaler jüdischer Siedler auf das christliche Dorf gegeben, es gibt regelmäßig Berichte über Brandstiftung. Im Juni warfen palästinensische Feuerwehrleute israelischen Siedlern auch vor, sie bei Löscharbeiten an einem Großbrand in der Nähe des Dorfes behindert zu haben. Der Pfarrer von Taybeh sagte damals laut der "Times of Israel", Siedler hätten Schüsse abgegeben und Menschen umzingelt, die versuchten, einen Wassertankwagen zum Brandort zu bringen.

Im vergangenen Jahr besuchte sogar der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, der als Unterstützer der rechten israelischen Regierung gilt, das Dorf Taybeh. Huckabee verurteilte die Brandattacken damals als "Terrorakte".

Quelle: ntv.de, dsc/rts

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