Politik

Katharina Nocun glaubt weiter an die Piratenpartei "Jetzt machen wir es auf die harte Tour"

Die Piraten sind gescheitert - zumindest vorerst. Im Interview mit n-tv.de erklärt die politische Geschäftsführerin Katharina Nocun, wie sie mit der Partei weitermachen möchte und was sie von dem Vorschlag hält, Piraten könnten in anderen Parteien weiterarbeiten.

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Die meisten Vorstandsmitglieder der Piratenpartei wollen sich im November nicht noch einmal wählen lassen. Katharina Nocun hat sich noch nicht entschieden.

(Foto: dpa)

n-tv.de: Was machen Sie jetzt nach der verlorenen Wahl?

Katharina Nocun: In einem Monat wird der Vorstand neu gewählt. Bis dahin habe ich noch eine Menge auf den Weg zu bringen. Und dann konzentrieren wir uns auf die Europawahl. Wir müssen Leute einstellen und kampagnenfähig werden. Die Reaktion in der Partei auf das Wahlergebnis lautet: "Jetzt erst recht." Unsere Themen gewinnen eher an Relevanz als dass sie verlieren. Es stehen einige Kommunalwahlen an, bei denen wir antreten. Jetzt müssen wir uns also auf die harte Tour hocharbeiten.

Braucht es nicht einen radikalen Schnitt, etwa den Umbau zu einer Graswurzelbewegung? Als klassische Partei sind Sie doch gescheitert.

Der Netzbewegung wurde nicht zugehört, bevor es uns gab. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, der politische Arm dieser Bewegung zu sein. In den Landtagen konnten wir bereits viel bewegen. Wir haben Handy-Überwachungen aufgedeckt und Bürgerbeteiligung eingeführt. Das ist wirklich eine andere Art von Politik. Als wir in den Umfragen über zehn Prozent standen, wurde plötzlich über Transparenz, Mitbestimmung und Netzpolitik gesprochen. Leider hat sich das wieder geändert, als die Piraten schwächer wurden. Darum müssen wir weiterarbeiten.

Ihr scheidender Vorstandskollege Bernd Schlömer hat gesagt, führende Piraten könnten in andere Parteien abwandern und dort die Ideen weiterleben lassen. Fällt er Ihnen damit in den Rücken?

Er hat da eines von verschiedenen Szenarien erklärt. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass wir aus der Klatsche lernen und besser werden. Es gibt keinen Grund zur Auflösung. Das Wahlergebnis zeigt, dass wir eine Kernwählerschaft haben. Außerdem gab es direkt nach der Wahl einige Beitritte.

Was muss sich an den Strukturen der Partei tun?

Es geht um Kampagnenfähigkeit im Wahlkampf. Zum Beispiel müssen wir uns früher vor einer Wahl strategisch aufstellen.

Was ist mit der Entscheidungsfindung in der Partei?

Wir müssen zum Beispiel mehr bezahlte Kräfte einstellen. Dieser Wahlkampf wurde fast komplett von Ehrenamtlichen gemacht. Wir müssen zuverlässiger werden und langfristiger planen können.

Müssen die gewählten Vertreter der Parteien nicht viel mehr Kompetenzen bekommen? Bisher gibt der Vorstand keine Themen vor und trifft keine inhaltlichen Entscheidungen.

Vor der Bundestagswahl haben wir eine Online-Abstimmung gemacht, um die Themen des Wahlkampfes festzulegen. Der Vorstand muss das also nicht vorgeben. Wir müssen nur schneller darin werden, die Mitglieder zu befragen.

Also bleibt die Ablehnung von Hierarchien bestehen?

Natürlich befragen wir weiter die Mitglieder. Gerade im Wahlkampf muss der Vorstand aber mehr organisatorische und strategische Entscheidungen eigenständig treffen.

Wie geht es mit Ihnen persönlich weiter? Wollen Sie wieder politische Geschäftsführerin oder vielleicht sogar Vorsitzende werden?

Ich würde total gerne. Aber ich möchte auch meine Masterarbeit schreiben. Erst wenn ich weiß, wie es damit läuft, kann ich mich entscheiden. Im Moment hängt vieles von meinem Prüfungsamt ab.

Wollen Sie für das Europaparlament kandidieren?

Auch dafür muss ich erst einmal alles Private und Berufliche klären, was in den letzten Monaten liegen geblieben ist. Dann werde ich eine Entscheidung treffen.

Mit Katharina Nocun sprach Christoph Herwartz

Quelle: n-tv.de

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