Politik

"Vatileaks"-Affäre Kammerdiener versucht Erklärung

Der Prozess gegen den Kammerdiener des Papstes beginnt im Herbst. Er muss sich wegen schweren Diebstahls verantworten. Bis dahin hat Paolo Gabriele Zeit zum Nachdenken. Dies wolle er auch nutzen, sagt Paolo den Medien seines Landes. Den Schock den er auslöste, habe er kalkuliert, um die Kirche wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Der angeklagte Ex-Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. ist nach Angaben seines Verteidigers betrübt über die Vorfälle rund um die "Vatileaks"-Affäre. Das sagte Anwalt Carlo Fusco dem Sender Tgcom24. "Paolo ist ein Mann, der nun nachdenken will. Nach der Zusammenarbeit erwartet er das Urteil", betonte er mit Blick auf den vermutlich im Herbst beginnenden Prozess wegen schweren Diebstahls.

Die Zukunft seines Mandanten hänge nun von dem Urteil ab und dem, was in den kommenden Monaten passiere. Neben dem Ex-Diener Paolo Gabriele muss sich auch ein Informatiker aus dem päpstlichen Staatssekretariat vor Gericht wegen Beihilfe zum Diebstahl verantworten.

Bei Gabriele waren neben vertraulichen Vatikan-Dokumenten, die später auch ihren Weg in die Medien fanden, weitere Gegenstände aus dem päpstlichen Haushalt wie ein Goldstück gefunden worden. Dazu sagte Verteidiger Fusco: "Paolo wusste nicht einmal, dass er dieses Stück zu Hause hatte." Es müsse erst noch herausgefunden werden, um was es sich genau handele. In jedem Fall müsse der Gegenstand zu jenen Dingen gehört haben, die sein Mandant manchmal mit nach Hause genommen habe, um sie anschließend in einem Lager für Geschenke an den Papst zu deponieren. Darüber hinaus waren den Ermittlern zufolge bei dem Ex-Diener ein Scheck über 100.000 Euro und ein wertvolles Buch aus dem 16. Jahrhundert gefunden worden.

Dem im Mai festgenommenen und inzwischen in den Hausarrest entlassenen Ex-Diener Benedikts wird vorgeworfen, vertrauliche Dokumente vom päpstlichen Schreibtisch entwendet zu haben. Darunter waren Unterlagen zu einem angeblichen Mordkomplott gegen den Papst und zu umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR.

Im Rahmen der Ermittlungen habe Gabriele angegeben, er habe sich als "Verbindungsmann des Heiligen Geistes", gegen das "Böse und die Korruption", die "überall" seien, erheben wollen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Er sei sicher gewesen, dass ein Schock, auch über die Medien heilsam sein könnte, um die Kirche wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Als ein Motiv gab der Kammerdiener zudem an, er habe den Eindruck gehabt, der Papst werde falsch informiert. Das habe ihn persönlich interessiert. Er habe die Unterlagen fotokopiert, damit keine Originale verschwinden.

Quelle: ntv.de, dpa