Politik

Absturz und Zorn Kein guter Sonntag für CDU und CSU

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Sowohl die "Bild am Sonntag" als auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" wie auch der "Tagesspiegel am Sonntag" enthielten keine Aufmunterung für Unionspolitiker.

(Foto: ntv.de)

Die viel gepriesene Einigkeit von CDU und CSU ist dahin, ebenso der Höhenflug in den Umfragen. Was die Union braucht, ist klar: einen Kanzlerkandidaten, der Wähler mobilisiert. Nur: Wo soll der herkommen?

Politiker von CDU und CSU, die es sich heute Morgen beim Frühstück mit der Sonntagszeitung gemütlich machen wollten, dürften sich am Kaffee verschluckt haben. "Umfrage-Schock: Nur noch 27%! Nervosität in der Union", meldet die "Bild am Sonntag" auf ihrer zweiten Seite. Und, groß darunter: "Verbauen sich Söder und Laschet den Weg ins Kanzleramt?"

Es ist ein Absturz auf das Vor-Corona-Niveau von CDU und CSU. Schon am vergangenen Mittwoch hatte das Trendbarometer von RTL und ntv die Union unter 30 Prozent gesehen.

Und wenn es nur die Umfragen wären. Unionspolitiker, die sich beim Frühstück für eine andere Lektüre entschieden, wurden auch nicht gerade aufgemuntert. "CDU erzürnt über Söder", titelt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und berichtet im Artikel darunter, dass die fortgesetzten Sticheleien des CSU-Chefs der CDU-Spitze gehörig auf die Nerven gehen. In der CDU werde gemutmaßt, Markus Söder ziele mit seiner ständigen Kritik gar nicht darauf, Kanzlerkandidat zu werden, sondern er wolle in der nächsten Bundesregierung "bessere Ministerien" bekommen, wie jemand aus der CDU-Führung der Zeitung sagte.

Die Gründe für den Umfragen-Absturz und die damit verbundene nervliche Anspannung liegen auf der Hand. Zum einen sind da die Affären um Mandatsträger der Union, die in der Pandemie oder ganz generell mehr an ihren eigenen Profit denken als ans Gemeinwohl. Zum anderen sinkt die allgemeine Zufriedenheit mit dem Corona-Management der Bundesregierung. Das dürfte an handwerklichen Fehlern liegen, wie dem verkorksten Start in die Teststrategie oder verspätet ausgezahlten Corona-Hilfen, am schleppenden Verlauf der Impfkampagne und am kommunikativen Hin und Her zwischen Lockerung und Lockdown.

Und dann noch Kritik aus dem Sauerland

Das sieht CDU-Politiker Friedrich Merz ganz ähnlich. "Das Bild der Bundesrepublik Deutschland nach innen und nach außen als ein Land, das Krisen effizient bewältigt, das Verwaltung und Organisation gut kann, nimmt gerade dauerhaft Schaden. Es ist wie beim Berliner Flughafen", kritisierte Merz in der "Westfalenpost". Damit diese Analyse auch außerhalb des Sauerlandes wahrgenommen wird, twitterte sein Team die aus seiner Sicht wichtigsten Zitate: "Das Verständnis der Bevölkerung für harte Maßnahmen schwindet rapide. Die Menschen fühlen sich einsam, Unternehmer fürchten um ihre Betriebe, Arbeitnehmer haben Angst um ihren Job. Umso schwerer wiegen dann natürlich Fehler, die eine Rückkehr in die Normalität verzögern."

Nicht einmal in der Corona-Politik sind CSU-Chef Markus Söder oder der CDU-Vorsitzende Armin Laschet einig. Bei einer Pressekonferenz, auf der es eigentlich um die Befreiung der CSU vom Anschein der Korruption ging, kritisierte Söder am Sonntag Bundesländer, die das Instrument der "Notbremse" nicht so konsequent anwenden wollten wie Hamburg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen. Dass Nordrhein-Westfalen in dieser Aufzählung fehlte, war sicher kein Zufall. Laschet hatte am vergangenen Montag gesagt, es gebe bei der Notbremse keinen Automatismus.

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Auf der dritten Seite des "Tagesspiegel am Sonntag" teilte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt unterdessen mit, für die Bundestagswahl im September brauche die Union einen Kanzlerkandidaten, "der unsere Anhängerschaft, und zwar die ganze Breite der bürgerlichen Mitte, am stärksten mobilisiert". Wer das sein soll, sagte Dobrindt nicht. Auf die Frage, ob es nicht misslich sei, dass Söder und Laschet in der Corona-Politik für gegensätzliche Pole stünden, zeigte er sich froh, dass die Union Persönlichkeiten habe, "die aus differenzierten und manchmal auch unterschiedlichen Ansätzen heraus am Schluss eine gemeinsame Position vertreten können".

An Laschet und Söder kann Dobrindt dabei eigentlich nicht gedacht haben.

Quelle: ntv.de

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