Politik

Angst vor Judenhass in Deutschland Keine Klassenfahrten für jüdische Schüler?

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Die Auseinandersetzungen zwischen Israel und Hamas machen sich auch in Deutschland bemerkbar.

(Foto: imago/Future Image)

Die Anschläge in Kopenhagen entfachen erneut eine Diskussion über Judenhass in Europa und auch in Deutschland. Jüdische Eltern sind zunehmend besorgt über die Sicherheit ihrer Kinder. Selbst in alltäglichen Situationen sehen sie nun eine Gefahr.

In Kopenhagen herrscht eine bedrückte Stimmung. 30.000 Menschen sind am vergangenen Abend auf die Straße gegangen, hielten Kerzen in den Händen und legten Blumen an den Tatorten nieder, an denen zwei Menschen jüdischen Glaubens erschossen wurden. Der Täter war ein 22-jähriger Mann, voller Hass auf Juden.

Antisemitismus in Europa zeigt sich nicht nur bei dem jüngsten Terroranschlag in Dänemark, auch in Deutschland macht er sich in den letzten Monaten breit. Der jüdische Restaurantinhaber Florian Gleibs berichtet dem ZDF, dass die Schaufenster seines Ladens in München angespuckt, Autos zerkratzt und Anrufe getätigt werden, die Angst machen. Besonders seit den Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Hamas im vergangenen Sommer habe sich die Situation verschärft.

Busfahrt zum Schwimmbad zu gefährlich?

Auch Eltern von Kindern in jüdischen Schulen und Einrichtungen machen sich Sorgen. " Die Anschläge, wie sie jetzt in Europa stattfinden, in Frankreich, Belgien und auch in Israel, zeigen, dass eine theoretische Bedrohung auch real werden kann", sagte Eugen Alter aus München. Die Sorge geht bereits so weit, dass Eltern überlegen, ihre Kinder nicht mehr auf Klassenfahrten mitfahren zu lassen. Selbst die Busfahrt zum Schwimmbad scheint ihnen gefährlich.

Als Reaktion auf den aufkeimenden Antisemitismus hatte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu Juden in Europa aufgefordert, aus Sicherheitsgründen nach Israel auszuwandern. Dem entgegnete Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, er sehe derzeit "keinen Grund, warum Juden Deutschland verlassen sollten." Zumindest die Angst vor Terroranschlägen dürfe kein Grund sein.

Auch Angela Merkel versicherte, dass jüdische Einrichtungen in Deutschland gut beschützt werden. "Wir sind froh und dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt", sagte sie und reagierte so, wie auch die dänische und französische Regierung, auf den Aufruf Netanjahus.

Quelle: n-tv.de, hla/dpa

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