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Aktivisten geben Russland Schuld Kliniken im Süden Syriens außer Betrieb

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte vermeldete, seien acht Zivilisten nach den Luftangriffen auf Daraa getötet worden.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte vermeldete, seien acht Zivilisten nach den Luftangriffen auf Daraa getötet worden.

(Foto: AP)

Mehr als 80 Mal wird die syrische Stadt Daraa in den vergangenen Tagen bombardiert. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. Doch für die, die zurück bleiben, wird die medizinische Versorgung knapp: Mit den Luftangriffen wurden auch Kliniken zerstört.

Nach heftigen Luftangriffen auf Rebellengebiete im Süden Syriens sind Aktivisten zufolge mehrere Feldkrankenhäuser außer Betrieb. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte vermeldete, sind acht Zivilisten getötet worden. Die Region um die Stadt Daraa wurde demnach mehr als 80 Mal aus der Luft bombardiert. Die Menschenrechtler und Aktivisten machten dafür die syrische und die russische Luftwaffe verantwortlich. Hilfsorganisationen zeigten sich höchst alarmiert und riefen zu einem Ende der Kämpfe auf.

In der Region sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor der Gewalt. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter können seit Mittwoch drei Krankenhäuser östlich der Stadt Daraa nicht mehr weiterarbeiten. Damit seien in der Region fünf Kliniken wegen der Angriffe außer Betrieb. Ein sechstes habe aus Angst vor Bombardierungen die Arbeit eingestellt. Eine regierungstreue Miliz verbreitete das Bild einer zerstörten Klinik, das von ihr mittlerweile eingenommen wurde.

Die Region an der Grenze zu Jordanien erlebt seit rund einer Woche Angriffe von syrischen Regierungstruppen. Am Montag begann die Armee nach Angaben syrischer Staatsmedien eine Offensive, um die Verbindung zwischen der teilweise von Rebellen kontrollieren Stadt Daraa und dem Nachbarland Jordanien zu kappen. Russland ist in dem mehr als sieben Jahre dauernden Bürgerkrieg ein Verbündeter der Regierung. Moskau, die USA und Jordanien hatten sich vor rund einem Jahr auf eine sogenannte Deeskalationszone für Daraa geeinigt.

"Horror kennt in Syrien keine Grenzen"

Das russische Verteidigungsministerium dementierte Medienberichte, Russland habe sich aus dem Abkommen zurückgezogen. "Das entspricht nicht der Wahrheit", hieß es in einer Mitteilung in Moskau. Russland ist im Bürgerkrieg ein wichtiger Verbündeter der Regierung. Nach UN-Angaben sind in der Region rund 50.000 Zivilisten auf der Flucht. Wie Aktivisten berichteten, flohen viele Menschen in Richtung der israelischen Grenze. Die Flüchtlinge wüssten, dass die Jets Gebiete in der Nähe der von Israel besetzten Golanhöhe nicht bombardieren würden, erklärte ein Aktivist aus Daraa.

Jordanien hat die Grenze geschlossen und will keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen. Das Kinderhilfswerk Unicef erklärte, in den vergangenen drei Tagen seien nach Schätzungen 20.000 Kinder vertrieben worden. "Der Horror kennt in Syrien keine Grenzen", warnte Unicef. Die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC) rief die internationale Gemeinschaft auf, Jordanien bei der Aufnahme neuer Flüchtlinge zu unterstützen. Daraa gehörte zu den ersten Städten Syriens, in denen es 2011 zu Protesten gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad kam.

Das Gebiet ist eine der letzten Regionen des Landes in Rebellenhand. Regierungstruppen hatten im Frühjahr die lang umkämpfte Region Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus nach wochenlangen Kämpfen und Bombardierungen unter Kontrolle gebracht. Der UN-Menschenrechtsrat beklagte dort zahlreiche Angriffe auf Kliniken. Diese gehörten im Syrienkonflikt zu einer verheerenden Kriegsstrategie. Regierungstreue Kräfte griffen die Gesundheitsinfrastruktur systematisch an.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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