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Sachsen-CDU lehnt Sanktionen ab Kretschmer fordert Annäherung an Russland

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Kretschmer will durch gute Beziehungen auf Russland einwirken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Menschen und Wirtschaft in Ostdeutschland stehen Russland traditionell näher als im Westen üblich. Vor der Landtagswahl in Sachsen fordert Ministerpräsident Kretschmer deshalb einen anderen Umgang mit Putins Reich - und widerspricht seiner Partei im Bund.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wirbt für ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und für eine Normalisierung der Beziehungen. "Wir müssen diese Sanktionen abbauen. Ich hoffe sehr, dass sich beide Seiten aufeinander zubewegen", sagte Kretschmer. Die Sanktionen seien gerade für die sächsische und ostdeutsche Wirtschaft ein großes Problem.

Kretschmer reist heute zum internationalen Wirtschaftsforum nach St. Petersburg und will sich dort für eine Verbesserung der Situation einsetzen. Die Sanktionen waren im Sommer 2014 wegen der russischen Annexion der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim eingeführt worden. Offizielle CDU-Linie ist es bisher, an den Strafmaßnahmen festzuhalten. Über eine Aufhebung der Sanktionen müsste letztlich allerdings die EU entscheiden.

Nach Angaben des russischen Unternehmerverbandes haben deutsche Unternehmen im Wettlauf um Marktanteile in Russland wieder bessere Chancen. Verbandspräsident Alexander Schochin unterstrich den Einsatz der deutschen Branchenvertreter: "Es ist wichtig, dass die Wirtschaft deutlich macht, dass die Sanktionen ihre Aktivitäten einschränken und so auch Deutschland selbst schaden", sagte Schochin in St. Petersburg.

Kretschmer will Russland an Westen binden

Dabei lobte er, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nun schon zum vierten Mal seit Amtsantritt in Russland ist. "Wir müssen ihm das hoch anrechnen." Zugleich meinte Schochin, dass etwa ein Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei Kremlchef Wladimir Putin ein noch besseres Signal für deutsche Unternehmen sein würde, sich wieder stärker zu engagieren.

Kretschmer hält die Normalisierung der Beziehungen zu Russland für ein strategisches Ziel: "Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass Russland seine europäische Orientierung behält und sich nicht an Partnern wie China oder Indien orientiert." Russland gehöre zum europäischen Kulturraum: "Wir haben jahrzehntelange Beziehungen und, ja, auch eine Energiepartnerschaft mit zuverlässigen Rohstofflieferungen verbindet uns. Gemeinsame wirtschaftliche Verbindungen sind ein guter Schutz gegen Allmachtsträume."

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"Wenn man enge wirtschaftliche Beziehungen hat und sich im ständigen Austausch befindet, dann lassen sich auch bestehende Differenzen auf politischem Gebiet viel besser klären", sagte der Regierungschef und nannte Russland einen strategischen Partner Deutschlands in Fragen der Wirtschaft und des Technologietransfers.

In den ostdeutschen Ländern sieht Kretschmer eine andere Sensibilität gegenüber Russland - auch wegen der traditionell guten Beziehungen, die noch aus den Zeiten der DDR und der Sowjetunion herrühren. Der Westen sei mehr in Richtung USA orientiert: "Allerdings merkt er gerade, dass es ein blindes Vertrauen in die transatlantische Freundschaft auch nicht mehr gibt."

Ausgestreckte Hand entgegennehmen

Mit Initiativen wie dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg reiche Russlands Präsident Wladimir Putin dem Westen die Hand: "Wir müssen aber die ausgestreckte Hand der Russen auch ergreifen." Das schließe eine offene Aussprache über Probleme wie die russische Einverleibung der Krim und den Krieg in der Ostukraine nicht aus.

Zugleich sprach sich Kretschmer für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 aus. "Meine Haltung ist klar. Das ist ein wichtiges Projekt, was unbedingt realisiert werden sollte." Für dieses Vorhaben trete Deutschland zu Recht ein: "Wenn wir Ressourcen gemeinsam nutzen, dann schränkt das die Möglichkeit einer Eskalation von Konflikten ein. Das Argument, dass der Westen sich mit Nord Stream 2 abhängig macht, stimmt so nicht. Davon kann keine Rede sein."

Viele EU-Mitglieder, darunter Polen und die baltischen Staaten, lehnen die Pipeline unter Federführung des russischen Staatskonzerns Gazprom ab - sie warnen vor zu großer Abhängigkeit von russischem Gas. Die Ukraine fürchtet um hohe Einnahmen aus dem Gasgeschäft, wenn das Land vom Transit abgeschnitten würde.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa

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