Politik

Predigten zum Karfreitag Kreuz kein Zeichen nur für Christen

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Eines der Kreuze auf dem Weg zum Kolosseum.

(Foto: REUTERS)

Der traditionelle Kreuzweg mit dem Papst ist ein Höhepunkt zum Ende der Karwoche. In 14 Stationen wird an das Leiden Christi erinnert. Politische Krisen und Konflikte wie in der Ukraine und in Syrien bestimmen auch die Predigten deutscher Bischöfe.

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(Foto: AP)

Mit dem traditionellen Kreuzweg am Kolosseum und einer Fußwaschung für zwölf Behinderte hat Papst Franziskus sein zweites Osterfest als Pontifex begonnen. Gemeinsam mit Tausenden Gläubigen verfolgte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Karfreitag in Rom den Kreuzweg am Kolosseum. An 14 Stationen wurde mit Texten des Bischofs und Mafia-Kritikers Giancarlo Bregantini an das Leiden und Sterben Christi erinnert. In den Texten ging es unter anderem um aktuelle Probleme wie die Wirtschaftskrise. Franziskus verfolgte die Zeremonie still und mit nachdenklichem Gesichtsausdruck.

Das Kreuz wird auf den 14 Stationen der Zeremonie traditionell weitergegeben. In diesem Jahr trugen es unter anderem Migranten, Obdachlose, Gefängnisinsassen und ein Kardinal. Die abendliche Feier am Wahrzeichen Roms gilt als besonders ergreifend - Tausende Gläubige, Pilger und Touristen nehmen jedes Jahr im Schein von Fackeln daran teil.

Zuvor leitete der Papst vor Hunderten Gläubigen im Petersdom die traditionelle Liturgie. Bilder zeigten ihn im Gebet flach auf dem Boden liegend.

Der Kreuzweg markiert einen Höhepunkt zum Ende der Karwoche. Zuvor hatte Franziskus am Gründonnerstag bei einer Messe in einem Therapiezentrum zwölf Behinderten im Alter von 16 bis 86 Jahren - darunter einem Muslim aus Libyen - die Füße gewaschen und sie geküsst. Mit dieser traditionellen Geste wird an Jesu beim letzten Abendmahl erinnert.

"Wir müssen einander dienen", sagte der Pontifex in seiner kurzen Predigt. Diener in Liebe zu sein sei ein Erbe Jesu, jeder solle in seinem Herzen an die anderen denken.

Feiern auch in Jerusalem

In der Altstadt von Jerusalem sind am Karfreitag Tausende Christen in einer Prozession die Via Dolorosa entlang gezogen, um an die Kreuzigung Jesu zu erinnern. Viele Gläubige schleppten ein Holzkreuz auf dem Rücken durch die engen Gassen bis zur Grabeskirche. An dem Ort wurde Jesu nach christlichem Glauben beigesetzt, bevor er drei Tage später auferstand.

Der Andrang in der Altstadt war auch wegen des jüdischen Pessach-Fests besonders groß. Dabei wird des Auszugs der biblischen Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten gedacht.

Kreuz mahnt zur Achtung der Menschenrechte

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(Foto: dpa)

In Deutschland mahnten evangelische und katholische Bischöfe zum Frieden und menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, warnte in seiner Karfreitagspredigt angesichts des Ukraine-Konflikts vor einer Neuauflage des Kalten Krieges. "Als Kirche ermutigen wir die politisch Verantwortlichen, einen Rückfall in Zeiten und die Logik des Kalten Krieges zu verhindern".

So mahnte der Berliner evangelische Landesbischof Markus Dröge in seiner Predigt die Achtung der Menschenrechte in Krisenregionen wie Syrien, Ägypten und Ukraine an. "Jeder, der in dieser Welt hilflos leidet, weil er zwischen die Räder der Mächtigen geraten ist, erlebt den Schmerz des Kreuzes Christi", sagte er in der Marienkirche. "Das Kreuz ist kein Zeichen nur für Christen. Es ist ein Zeichen des Protests gegen die Missachtung der Menschenwürde." Der Karfreitag sei "der Appell, sich für eine gerechte Welt einzusetzen, die Gewalt und Folter nicht mehr kennt".

Auch der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx sowie der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann setzten Zeichen für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen. Die europäischen Grenzen dürften "nicht zu einer Todesfalle" für Flüchtlinge werden und die Grenzkontrollen dürften nicht zulasten der Menschenrechte gehen, sagte Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, in der Münchner Frauenkirche.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP/rts

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