Politik

"Das Duell" bei n-tv Lambsdorff würde mit Assad verhandeln

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Jürgen Todenhöfer (l.) und Alexander Graf Lambsdorff im Gespräch zur Situation in Afghanistan.

War der Bundeswehreinsatz in Afghanistan vergeblich? Nein, sagt der Vizepräsident des EU-Parlaments Alexander Graf Lambsdorff. Der FDP-Politiker warnt aber vor einem "failed state" und vor mehr Flüchtlingen. Ähnliches gilt für Syrien.

FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff warnt vor einem "failed state" in Afghanistan. "Ein Scheitern in Afghanistan wird die nächste Million von Menschen zu uns nach Deutschland bringen. Und das können wir nicht zulassen", sagte der Vizepräsident des Europaparlaments in "Das Duell bei n-tv" (Thema: "IS, Putin, Taliban - Kann die Bundeswehr sich raushalten?").

Zuletzt hatten die islamistischen Taliban kurzzeitig die afghanische Großstadt Kundus erobert - hier hatte Deutschland bis 2013 einen Militärstützpunkt unterhalten. Für Lambsdorff kein Grund, den Krieg gegen den Terror in Afghanistan als gescheitert anzusehen: "Was in Kundus passiert ist, ist ein Rückschlag - aber das heißt nicht, dass der gesamte Einsatz der letzten 15 Jahre völlig vergeblich ist."

"Bombardieren ist völlig falsch"

Der Journalist Jürgen Todenhöfer war da anderer Meinung. "Das Bombardieren ist völlig falsch, weil es kontraproduktiv ist und Terrorismus züchtet", sagte Lambsdorffs Gesprächspartner. Der Krieg in Afghanistan hätte dazu geführt, dass aus wenigen hundert islamistischen Terroristen Zehntausende geworden seien - dies gelte genauso für Syrien und den Irak. Todenhöfer übte harte Kritik an den USA und Großbritannien: "Sie sind die Hauptschuldigen dieser chaotischen Kriege. Es waren immer die Amerikaner und die Briten. Und sie sollten natürlich viel mehr Flüchtlinge aufnehmen, als sie das jetzt tun. Es ist eine Schande."

Todenhöfer forderte den sofortigen Stopp von Waffen-, Munitions- und Geldlieferungen an den Islamischen Staat (IS). Außerdem müsse verhindert werden, dass neue Rekruten zum IS gelangen. "Der IS kann seine Verluste nur wegstecken, weil jeden Tag zwischen hundert und zweihundert jungen Leuten zusätzlich in den IS gehen, um dort zu kämpfen", sagte Todenhöfer. Besonders Rekruten aus dem Westen müssten mit einer "Propagandaaktion" überzeugt werden, dass der IS ununterbrochen gegen die Gesetze des Islam verstoße. "Wir brauchen Aussöhnung in Syrien, und wir brauchen Aussöhnung im Irak. Im Grunde brauchen wir eine Friedenskonferenz für den gesamten Mittleren Osten", sagte Todenhöfer.

Deutschland soll sich beteiligen

Hunderttausende Flüchtlinge aus den umkämpften Regionen waren in den vergangenen Monaten nach Deutschland gekommen. "In unseren Städten, Gemeinden, Sporthallen, Gemeindesälen: Überall sind die Flüchtlinge. Das heißt, wir sind unmittelbar Betroffene dieses Konflikts und deswegen müssen wir auch unmittelbar handeln", forderte Europapolitiker Lambsdorff. Dazu gehöre im Zweifel auch, England und Frankreich bei Luftschlägen in Syrien zu unterstützen. "Wenn sie deutsche Solidarität einfordern, ist diese Solidarität auch aufzubringen – denn wir wollen von Frankreich und England auch Solidarität in der Flüchtlingsfrage", so Lambsdorff.

Um den Bürgerkrieg zu beenden, müsse man auch mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verhandeln. "So wenig mir Herr Assad passt, für was für einen schlimmen Diktator wir ihn auch halten mögen: Er ist jemand, ohne den eine Stabilisierung ganz Syriens nicht zu erreichen sein wird", sagte Lambsdorff.

Zuletzt hatte Russland auf Assads Seite in den Bürgerkrieg eingegriffen - dies hatte besonders in den USA für Kritik gesorgt. Lambsdorff plädierte dafür, den russischen Präsidenten Wladimir Putin in mögliche Friedenverhandlungen einzubeziehen: "Putin ist ein ganz kühl berechnender Mann. Und der hat die Krim annektiert - völkerrechtswidrig", sagte Lambsdorff, "aber gleichzeitig, während das lief, hat Herr Putin zusammen mit uns über das iranische Nuklearprogramm verhandelt und einen 15 Jahre langen, wahnsinnig schwierigen Verhandlungsprozess erfolgreich, konstruktiv und berechenbar mit zu Ende gebracht."

Quelle: ntv.de

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