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Noch rund 1000 Kämpfer Lawrow: Kampf gegen IS größtenteils vorbei

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Zwei kurdische Kämpfer nehmen eine IS-Flagge von einer Wand in einem Gebäude der einstigen "Hauptstadt" des IS, Rakka.

(Foto: REUTERS)

Im Kampf gegen den IS waren die unterschiedlichen Parteien im syrischen Bürgerkrieg relativ geeint. Nun ist das Kalifat auf schätzungsweise 1000 Kämpfer zusammengeschrumpft - und alte Konflikte brechen wieder auf.

Der Krieg gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien ist nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow größtenteils vorbei. Die Nachrichtenagentur RIA zitierte Lawrow mit den Worten, jetzt komme es darauf an, die Nusra-Front zu zerschlagen. Diese Gruppierung ging aus der Extremistenorganisation Al-Kaida hervor und kämpft in Syrien gegen Präsident Baschar al-Assad.

Der IS hatte in Syrien und im benachbarten Irak ein Kalifat ausgerufen und ein streng islamisches Herrschaftssystem errichtet. Im Kampf gegen den IS waren sich fast alle Akteure in Syrien und im Irak einig. Die syrische Regierung wurde dabei von Russland, dem Iran und der libanesischen Hisbollah-Miliz militärisch unterstützt. Im Irak kämpften Regierungstruppen und kurdische Verbände mit Unterstützung einer von den USA angeführten Militärkoalition gegen den IS. Beide Staaten teilten kürzlich mit, der IS sei weitgehend zerschlagen. Die USA erklärten, in den Gebieten Syriens und des Iraks, in denen sie mit ihren Verbündeten gegen den IS vorgingen, seien weniger als 1000 IS-Kämpfer übrig geblieben.

Differenzen brechen wieder auf

Mit der Zerschlagung des IS sind aber auch die Differenzen zwischen den beteiligten Seiten wieder offen ausgebrochen. Russland wirft den USA vor, ehemalige IS-Kämpfer zu rekrutieren. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der mit Russland und Iran an einem Friedensplan für Syrien arbeitet, bezeichnete den von Russland unterstützten syrischen Präsidenten Assad als Terroristen und wehrt sich gegen die Teilnahme syrischer Kurden an einer Friedenskonferenz.

Der russische Armeechef, General Waleri Gerassimow, beschuldigte die USA, in Stützpunkten auf syrischem Gebiet ehemalige IS-Kämpfer auszubilden, um das Land zu destabilisieren. Der US-Stützpunkt bei Tanf an der Grenze zum Irak sei zudem illegal. Dort könnten sich Extremisten ungehindert bewegen, sagte der General der Zeitung "Komsomolskaja Prawda". Nach Darstellung der USA handelt es sich um einen temporären Stützpunkt, auf dem Kämpfer gegen den IS trainiert werden. Nach Gerassimows Worten hielten sich auf dem Stützpunkt viele Kämpfer und ehemalige IS-Angehörige auf. Sie würden jetzt unter anderen Namen wie "Neue Syrische Armee" auftreten.

Erdogan erklärte in Tunesien, Assad betreibe Staatsterrorismus. Mit ihm weiterzumachen sei unmöglich. Man könne die Zukunft Syriens nicht mit einem Mann gestalten, der fast eine Million seiner Bürger umgebracht habe, sagte Erdogan. Zugleich lehnte er die Teilnahme der syrischen Kurdenorganisation YPG an der von Russland geplanten Friedenskonferenz in Sotschi ab. Für Erdogan ist die YPG eine Verbündete der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die für Autonomie der Kurden in der Türkei kämpft. Ein Kommandeur der YPG sagte indes, Russland habe ihnen eine Teilnahme an der Konferenz zugesagt.

Quelle: n-tv.de, bdk/rts

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