Politik

NATO bombardiert mit Drohnen Libyer sollen Militär meiden

Die NATO appelliert an die libysche Zivilbevölkerung, sich vom Militär fernzuhalten, um beim Einsatz von Drohnen nicht gefährdet zu werden. Während die USA ihren Einsatz ausweiten, geht der Kampf um Misrata trotz der Ankündigung eines Rückzuges der Gaddafi-Truppen weiter.

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Libyische Offizielle und Journalisten inspizieren einen Krater, der wohl von einem NATO_Luftschlag herrührt.

(Foto: AP)

Mit dem ersten Angriff einer US-Kampfdrohne hat Washington sein militärisches Engagement in Libyen wieder verstärkt. Ein Pentagonsprecher bestätigte die Aktion, nannte aber keine weiteren Einzelheiten. Nach Angaben aus libyschen Regierungskreisen wurden Ziele in der Stadt Sirte und in der Hauptstadt Tripolis bombardiert. In Sirte seien fünf Menschen getötet worden, teilte ein Militärsprecher mit.

Die NATO versprach derweil, bei ihren Einsätzen die Gefahr für Zivilisten zu verringern. "Wir rufen die Zivilisten in den betroffenen Regionen auf, sich von den Truppen des Regimes, von militärischen Einrichtungen und Ausrüstung wenn möglich fernzuhalten, damit wir mit größerem Erfolg und minimalem Risiko für die Zivilisten treffen können", appellierte der Vizekommandeur des NATO-Einsatzes in Libyen, Russ Harding. Die NATO werde alles tun, um die Zivilbevölkerung zu schützen, beteuerte er. Über die Anzahl an zivilen Opfern durch NATO-Angriffe gibt es keine gesicherten Angaben.

Harding gab ein Beispiel für die "komplexe Situation", der sich die NATO ausgesetzt sieht. In der Hauptstadt Tripolis sei der Abschuss einer Boden-Luft-Rakete verzögert worden, als festgestellt worden sei, dass sich neben der Rakete eine fußballspielende Gruppe Zivilisten aufhielt. Es sei gewartet worden, bis die Gruppe gegangen sei.

Kuwait leistet Millionenhilfe

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Die Rebellen bekommen finanzielle Hilfe aus Kuwait.

US-Präsident Barack Obama hatte am vergangenen Donnerstag grünes Licht für den Einsatz der ferngesteuerten unbemannten Flugzeuge des Typs "Predator" gegen Gaddafis Truppen gegeben. Damit wollen die USA nach Regierungsangaben zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen. Der Nationale Übergangsrat der Aufständischen, der seinen Sitz in der östlichen Stadt Bengasi hat, wünscht sich allerdings noch mehr militärische Hilfe von den USA, unter anderem den Einsatz von A-10-Erdkampfflugzeugen. Die USA hatten vor einem Monat das Kommando über den Militäreinsatz an die NATO abgegeben und sich seither auf eine unterstützende Rolle beschränkt.

Frankreich, Großbritannien und Italien haben derweil Militärspezialisten zu den Rebellen nach Libyen entsandt, Italien zehn und Frankreich und Großbritannien jeweils unter 20. Nach Informationen der französischen Nachrichtensite nouvelobs.com sollen die französischen Offiziere die Verbindung der Rebellen in Bengasi und Misurata zur NATO-Befehlsleitstelle in Neapel sichern. Sie sollten der NATO schnell Bombardierungsziele nennen und die Erfolge der Angriffe auswerten, heißt es. Frankreich habe diese Offiziere aber nicht der NATO unterstellt.

Kuwait hat den Aufständischen in Libyen umgerechnet 123 Millionen Euro gespendet. Dieses Geld werde dem Nationalen Übergangsrat helfen, einen Teil der Gehälter der Angestellten zu zahlen, sagte Übergangsrats-Chef Mustafa Abdel Dschalil. Die Aufständischen benötigten dringend Unterstützung. Kuwaits Außenminister Scheich Mohammed Sabah el Salem el Sabah kündigte an, Kuwait werde über den Übergangsrat "umfassende und dringende humanitäre Hilfe leisten". Frankreich, Gambia, Italien und Katar sind bislang die einzigen Staaten, die den Nationalen Übergangsrat als legitime Regierung Libyens anerkannt haben.

Rückzug entpuppt sich als Schein-Manöver

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Auch in der Nacht erleuchten Geschosse Misrata.

Die Schlacht um die westliche Stadt Misrata geht trotz der Ankündigung eines Rückzuges der Truppen Gaddafis weiter. N-tv-Korrespondent Dirk Emmerich berichtete, es gebe noch heftigere Kämpfe als in den vergangenen Wochen. Ein Kämpfer der Rebellen in der Stadt erklärte, ein verletzter Soldat, der ihnen in die Hände gefallen sei, habe gesagt, die Truppen hätten tatsächlich den Befehl zum Abzug bekommen, allerdings nur, um bei einem geplanten Raketenbeschuss keine Opfer in den eigenen Reihen zu riskieren. Bei den anhaltenden Kämpfen kamen nach Krankenhausangaben mindestens drei Menschen ums Leben. Am Samstag waren mehr als 28 Menschen getötet worden - es war der blutigste Tag in den vergangenen zwei Monaten.

Der libysche Vizeaußenminister Chaled Kaim teilte mit, die Regierungstruppen hätten "lediglich ihre Operationen eingestellt." In den nächsten 48 Stunden solle den einheimischen Stämmen Zeit gegeben werden, eine "friedliche Lösung" zu finden.

Misrata liegt 210 Kilometer östlich von Tripolis und ist derzeit nur auf dem Seeweg zu erreichen. Die Versorgungslage der drittgrößten libyschen Stadt ist laut den Vereinten Nationen besorgniserregend. Tausende afrikanische Gastarbeiter, Dutzende verletzte Kämpfer und Zivilisten wurden bereits per Schiff in Sicherheit gebracht.

Gaddafis Gelder fließen weiter

Die internationalen Bestrebungen, Gaddafi den Geldhahn zuzudrehen, laufen einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge in einigen Teilen der Welt ins Leere. Obwohl die USA und die Europäische Union bereits 60 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro) eingefroren haben, scheuten sich viele Länder mit starken wirtschaftlichen Beziehungen zu Libyen, Guthaben von Gaddafi zu sperren, berichtete die Zeitung. Dazu gehörten die Türkei sowie Kenia und andere afrikanische Länder.

Seit Beginn der Widerstandsbewegung Mitte Februar habe Gaddafi Milliarden an US-Dollar aus dem Ausland zurück nach Tripolis transferieren können, berichtete das Blatt unter Berufung auf nicht näher genannte Behördenvertreter. Die genaue Höhe sei nicht bekannt, da Gaddafi vermutlich in viele Unternehmen und Finanzinstitutionen investiert habe, die seine Beteiligung nicht offenlegten.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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