Politik

Zwei Tote bei Anschlag Mallorca kurzzeitig abgeriegelt

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Zwei Polizisten kamen bei dem Anschlag ums Leben.

(Foto: AP)

Terror im Ferienparadies: Mitten in der Hochsaison haben mutmaßliche ETA-Terroristen auf der spanischen Ferieninsel Mallorca einen Bombenanschlag verübt und zwei Polizisten getötet. Das Attentat ereignete sich im beliebten Badeort Palmanova, in dem Tausende von Urlaubern ihre Ferien verbringen.

Die Sicherheitskräfte riegelten Mallorca vorübergehend von der Außenwelt ab. Der Flughafen der Insel wurde für eine Stunde und 40 Minuten geschlossen, auch in den See- und Jachthäfen ging vorübergehend nichts mehr. Im europäischen Luftverkehr kam es zu massiven Verspätungen.

ETA als Drahtzieher vermutet

Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero machte die baskische Untergrundorganisation ETA für den Bombenanschlag verantwortlich. Er verurteile den neuerlichen Anschlag mit viel Schmerz und Wut, aber auch mit Entschlossenheit. Die Mörder der beiden Polizisten würden nicht entkommen, versicherte der Ministerpräsident. "Sie werden festgenommen, verurteilt und werden den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen."

Die ETA, die an diesem Freitag vor 50 Jahren gegründet wurde, hatte erst am Mittwoch in der nordspanischen Stadt Burgos vor einer Polizeikaserne eine 200-Kilo-Bombe gezündet und 65 Menschen verletzt. Zu beiden Terroranschlägen gab es keine Vorwarnung.   

Die ETA hatte in der Vergangenheit mehrere Anschläge auf Mallorca verübt, dabei aber bislang keinen Menschen getötet. Im Jahr 1995 war die Organisation auf der Insel mit dem Vorhaben gescheitert, den spanischen König Juan Carlos mit einem Präzisionsgewehr zu erschießen.

Der Anschlag auf die Polizisten ereignete sich etwa acht Kilometer vom Marivent-Palast entfernt, in dem die königliche Familie traditionell ihre Sommerferien verbringt. Juan Carlos und Königin Sofía wurden für den kommenden Samstag auf Mallorca erwartet.

Zweite Bombe entdeckt

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Die Anzeigetafel des Kölner Flughafens.

(Foto: AP)

Der Anschlag auf Mallorca war gegen die Besatzung eines Streifenwagens der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde) gerichtet. Wie der Präfekt auf den Balearen, Ramon Socías, mitteilte, hatten die Terroristen an dem Polizeifahrzeug eine Haftbombe angebracht und mit einer Fernzündung zur Explosion gebracht. Die beiden Beamten an Bord des Fahrzeugs waren auf der Stelle tot. Der Präfekt bestritt Medienberichte, wonach bei der Explosion mehrere Passanten verletzt wurden.

In der Nähe des Tatorts entdeckten die Ermittler später in einem parkenden Auto eine zweite Bombe. Das Fahrzeug war vor einer Polizeikaserne in Palmanova abgestellt. Sprengstoffexperten der Polizei wollten die Bombe nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur EFE noch am Abend mit einer "kontrollierten Sprengung" unschädlich machen.

Bis zu 200.000 Deutsche auf Mallorca

Die Bundesregierung verurteilte den Terroranschlag auf Mallorca scharf. "Deutschland steht in dieser schweren Stunde an der Seite Spaniens", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte mit, dass Deutschland im Kampf gegen den Terrorismus "Seite an Seite mit unseren spanischen Freunden" stehe. Nach Schätzungen des Deutschen ReiseVerbands (DRV) halten sich gegenwärtig allein zwischen 150.000 und 200.000 Deutsche auf Mallorca auf.

"Operation Käfig"

Um ein Entkommen der Terroristen zu verhindern, leiteten die Sicherheitskräfte die "Operation Käfig" ein und ordneten zwei Stunden nach dem Anschlag die vorübergehende Schließung des Flughafens und der Seehäfen an. Mallorcas Flughafen Son Sant Joan ist während der Feriensaison einer der Airports mit dem höchsten Passagieraufkommen in Europa. Für heute war die Abfertigung von 660 Flugzeugen mit insgesamt 86.900 Passagiere an Bord vorgesehen. Infolge der Schließung bauten sich erhebliche Verspätungen im europäischen Luftverkehr auf. Tausende von Passagieren waren betroffen.

In Palmanova durften zahlreiche Urlauber in unmittelbarer Nähe des Tatorts ihre Hotels vorübergehend nicht verlassen. Die Polizei hatte um den Ort der Explosion eine Sicherheitszone eingerichtet und das Betreten und Verlassen des Gebiets zeitweise untersagt.

Probleme bereitete die Schließung vor allem auch der Fluggesellschaft Air Berlin: Sie hat in Palma ihr Drehkreuz mit zahlreichen Umsteigeverbindungen. Dabei wurden Verspätungen von bis zu 195 Minuten gemeldet. Viele Flugzeuge, die in Richtung Mallorca starten sollten, blieben in den Heimatländern zunächst am Boden. Andere Maschinen, die bereits in der Luft waren, wurden umgeleitet. Die Fluggesellschaften hofften, trotz der Zwangspause die Verspätungen im Laufe der Nacht wieder aufholen zu können.

Quelle: ntv.de, dpa

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