Flucht nach BelarusMarsaleks Flug organisiert? Anklage gegen Ex-FPÖ-Abgeordneten

Seit 2020 befindet sich Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek auf der Flucht. Wie nun bekannt wird, wurde bereits vor geraumer Zeit Anklage gegen einen Ex-FPÖ-Abgeordneten im Nationalrat erhoben. Er soll Marsalek zur Flucht verholfen haben.
Die Staatsanwaltschaft in Wien hat Anklage gegen den ehemaligen FPÖ-Abgeordneten Thomas Schellenbacher erhoben, weil dieser dem international gesuchten früheren Wirecard-Spitzenmanager Jan Marsalek bei der Flucht nach Belarus geholfen haben soll. Schellenbacher soll dem Flüchtigen ermöglicht haben, von dem kleinen Flughafen Bad Vöslau in der Nähe von Wien nach Belarus zu gelangen, indem er ihm "einen Flug organisierte", wie eine Staatsanwältin mitteilte.
Ein Prozesstermin sei noch nicht festgelegt worden, sagte eine Sprecherin des für den Fall zuständigen Wiener Gerichts. Die Anklage stammt aus dem Mai letzten Jahres, wurde aber erst jetzt öffentlich bekannt, nachdem österreichische Medien darüber berichtet hatten. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Schellenbacher bis zu zwei Jahre Gefängnis. Die Ermittlungen dürften schon lange laufen. Bereits im Januar 2021 war Schellenbacher als möglicher Fluchthelfer im Visier der Behörden.
Das ehemalige Wirecard-Vorstandsmitglied Marsalek war 2020 kurz nach Bekanntwerden des Bilanzskandals des Zahlungsdienstleisters ins Ausland geflohen und wird international gesucht. Gegen Marsalek ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen mehrerer Vermögens- und Wirtschaftsdelikte. Laut einer im September veröffentlichten internationalen Medienrecherche lebt er derzeit unter falscher Identität in Moskau und soll für den russischen Geheimdienst arbeiten.