Politik

Karsai lobt Tornado-Einsatz Merkel: Die Mischung macht's

Die Bundesregierung will mit einer Kombination aus deutscher Militärpräsenz und Entwicklungshilfe der zunehmenden Instabilität in Afghanistan begegnen. Nach einem Gespräch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Unser Konzept einer militärischen Säule und einer Entwicklungszusammenarbeit ist die richtige Mischung." Das hätten die Erfahrungen im Norden des Landes gezeigt, wo die Sicherheitslage durch den Mix relativ stabil sei.

In der knapp einstündigen Begegnung im Kanzleramt stellte Karsai keine weiteren Forderungen nach einer Ausweitung des Bundeswehreinsatzes im Süden des Landes, wo sich NATO-Streitkräfte mit den Taliban-Kräften blutige Kämpfe liefern. Darüber müsse allein Deutschland entscheiden. Merkel machte auch keine neuen Hilfszusagen. Derzeit sind in dem Land am Hindukusch 3.150 Soldaten der Bundeswehr stationiert. Zuvor war aus der Hauptstadt Kabul ein neuer Selbstmordanschlag auf Ausländer bekannt geworden.

Karsai begrüßte auch den Einsatz deutscher Tornado-Aufklärungsflugzeuge im Süden seines Landes, der in Deutschland sehr umstritten ist. Die Bevölkerung in Afghanistan sehe dies als "psychologische Garantie" für die eigene Sicherheit. Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta sprach sich klar für den weiteren Einsatz der Bundeswehr in seinem Land aus. Ein Abzug der deutschen Soldaten würde katastrophale Folgen für die Sicherheit und auch den Aufbau einer Demokratie haben, sagte Spanta in der ARD.

Merkel sprach nach der Begegnung auch die Lage an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan an. Sie drückte die Erwartung aus, dass sich Pakistan einer friedlichen Entwicklung Afghanistans genauso verpflichtet fühlt wie die übrige Welt. Die sei von allergrößter Bedeutung. Hintergrund der Aussagen ist, dass die Grenzregion Pakistans als Rückzugsraum der Taliban gilt.

Italiener frei

Unterdessen kam der vor zwei Wochen in Afghanistan von Taliban-Kämpfern entführte italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo frei. Der Reporter wurde in ein Krankenhaus in der Stadt Lashkargah gebracht. Ministerpräsident Romano Prodi betonte, der 52-jährige Journalist der Zeitung "La Repubblica" sei körperlich in guter Verfassung und werde bald wieder in Italien sein.

Mastrogiacomo erklärte, er habe während seiner Gefangenschaft mehrmals befürchtet, getötet zu werden. "Er war immer gefesselt und wurde immer wieder an andere Orte gebracht", sagte sein Bruder Alessandro Mastrogiacomo. "Psychisch hat er sehr gelitten, aber physisch geht es ihm gut."

Italienische Medien hatten berichtet, der Karsai habe als Gegenleistung die Freilassung von mehreren im Gefängnis sitzenden Taliban-Angehörigen versprochen.

Quelle: ntv.de