Politik

"Zu tiefstem Dank verpflichtet" Merkel würdigt Osteuropäer

Zusammen mit anderen ehemaligen Ostblockstaaten gedenkt Polen der Befreiung von der kommunistischen Diktatur vor 20 Jahren. Bundeskanzlerin Merkel dankt insbesondere den Polen für ihre Vorreiterrolle bei der friedlichen Revolution.

Poland_Remembering_1989_XCS158.jpg5136134580066203539.jpgZum 20. Jahrestag der Reformwahlen in Polen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Land und weiteren früheren kommunistischen Staaten für ihren Beitrag zur friedlichen Wende 1989 gedankt. "Wir Deutsche sind unseren Freunden in Polen, Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei zu tiefstem Dank verpflichtet", sagte Merkel bei Feierlichkeiten zu dem Jahrestag in Krakau.

Polen, Ungarn und die frühere Tschechoslowakei hätten alle dabei geholfen, "das unschätzbar wertvolle Glück der deutschen Wiedervereinigung zu ermöglichen", sagte Merkel. Der Sieg der freiheitlichen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc über die Kommunisten bei der Parlamentswahl vom 4. Juni 1989 sei entscheidend für den Aufbau der Demokratie in Polen und damit letztlich in ganz Osteuropa gewesen. Die Polen hätten schon seit der Verhängung des Kriegsrechts Ende 1981 durch die kommunistische Führung in Warschau "in der ersten Reihe im Kampf für mehr Freiheit und mehr Demokratie" gestanden, sagte die Kanzlerin. Mit ihren Äußerungen wirkte Merkel dem Eindruck vieler Polen entgegen, dass ihr Beitrag zur friedlichen Wende in Vergessenheit gerate.

Merkel erinnerte in ihrer Rede auch an die Entscheidung Ungarns, die Grenze nach Westen zu öffnen, und der damaligen Tschechoslowakei, DDR-Flüchtlinge aus Prag ausreisen zu lassen. "All das hat dazu geführt, dass am 9. November die Mauer in Berlin fiel", erklärte Merkel.

Polens Vorreiterrolle

Poland_Remembering_1989_XCS153.jpg7914847301609991764.jpgDie ehemaligen Ostblockstaaten haben bei der Gedenkveranstaltung in Krakau die Befreiung von der kommunistischen Diktatur und die Wiederherstellung von Freiheit und Demokratie in Mittel- und Osteuropa gefeiert. Die Regierungschefs und hochrangige Vertreter aus elf Ländern würdigten die Vorreiterrolle Polens bei den friedlichen Revolutionen 1989.

Der Gastgeber des Treffens in Krakau, Polens Regierungschef Donald Tusk, bezeichnete den Erfolg der polnischen Freiheitsbewegung Solidarnosc als einen Sieg der "Freiheit und Solidarität über Egoismus, Konflikt und Aggression." Der polnische Arbeiterheld und Solidarnosc-Gründer Lech Walesa warnte vor einem Erstarken von "Staatsnationalismen" in Europa.

"Der Freiheit verpflichtet"

Der frühere tschechische Dissident Vaclav Havel erklärte, die Länder, die sich vom Kommunismus befreit hätten, seien nun verpflichtet, den Völkern zu helfen, die um die Freiheit kämpften. Auch Merkel rief die Europäer zu mehr Engagement für Bürgerrechtler in der Welt auf. Europa sei "zum Glück" inzwischen vereint. "Wir haben die Aufgabe, dieses Glück der Freiheit und Demokratie in die Welt zu tragen", mahnte Merkel.

Vor der Danziger Werft, der Wiege der Gewerkschaft Solidarnosc, fand ein Gottesdienst statt, an dem auch Ex-Staatspräsident Lech Walesa teilnahm. Ursprünglich waren dort die Hauptfeierlichkeiten geplant. Aus Angst vor angekündigten Arbeiterprotesten verlegte aber Tusk das Treffen nach Krakau.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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