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Vergeltung für Giftgas-Attacke? Militärbasis in Syrien mit Raketen angegriffen

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Mysteriöser Luftschlag in Syrien: In der Nacht sind über der Luftwaffenbasis Tayfur mächtige Explosionen zu hören (Archivbild).

REUTERS

Nach den mutmaßlichen Giftgasangriffen in Ost-Ghuta wird ein Luftwaffenstützpunkt bei Homs mit Raketen angegriffen, 14 Menschen sterben. Noch ist unklar, wer dahinter steckt. Die USA dementieren eine Beteiligung. Der UN-Sicherheitsrat kommt heute zusammen.

Tief im Landesinneren von Syrien ist eine Luftwaffenbasis der syrischen Streitkräfte mit Raketen angegriffen worden. Das berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Bei dem Angriff auf den Stützpunkt Tiyas östlich der Stadt Homs habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben, hieß es. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte geht von insgesamt 14 Toten aus. Unter den Toten seien auch iranische Kämpfer, berichteten Informanten der Beobachtungsstelle. Nach Angaben von Sana schoss die syrische Flugabwehr acht Raketen ab. Die Agentur berief sich dabei auf Militärquellen. Zivilisten berichteten von lauten Explosionsgeräuschen in der betroffenen Region.

Unklar ist noch, wer für den Beschuss verantwortlich ist. Gerüchte in den sozialen Medien, dass es sich bei dem Raketenbeschuss auf eine Militärbasis im Regierungsbezirk Homs um einen US-Angriff handeln könnte, wurden vom Pentagon dementiert. "Derzeit führt das Verteidigungsministerium keine Luftschläge in Syrien aus", sagte ein Pentagon-Sprecher. Nichtsdestotrotz werde die Situation genau beobachtet.

Nahe Homs liegt auch jene Luftwaffenbasis, die vor rund einem Jahr im Rahmen eines US-Luftschlags mit Tomahawk-Marschflugkörpern bombardiert worden war. Damals war der Luftwaffenstützpunkt Shayrat betroffen. Diesmal sollen die Geschosse am Althias-Flugfeld nahe der Ortschaft Tiyas eingeschlagen sein. Die Militärbasis, auch bekannt unter dem Kürzel "T-4", liegt rund 80 Kilometer östlich der Stadt Homs und verfügt über umfangreiche Bunkeranlagen.

Paris: "Wir waren es nicht"

Nach den USA erklärte auch Frankreich, nicht für den Angriff auf den syrischen Militärflughafen verantwortlich zu sein. "Wir waren es nicht", sagte der Sprecher des französischen Generalstabs, Patrik Steiger. Die israelische Armee wollte keinen Kommentar abgeben.

Libanesischen Medien zufolge hatten Bewohner nahe der südöstlichen Grenze zu Syrien in den frühen Morgenstunden von Kampfjets im Luftraum berichtet, was möglicherweise auf einen Angriff aus Israel hindeuten könnte. Die Berichte konnten vorerst nicht unabhängig verifiziert werden. Israel hat in der Vergangenheit mehrfach die syrische Armee angegriffen, weil Syriens Machthaber Baschar al-Assad auch von Israels Erzfeind Iran unterstützt wird.

Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle sind auf dem fraglichen Flughafen russische und iranische Einheiten sowie Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz stationiert. Sie alle sind mit Assad verbündet. Der Raketenangriff folgt auf Berichte über einen mutmaßlichen Giftgasanschlag der syrischen Armee auf die Stadt Duma in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta, bei dem am Samstag mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden sein sollen.

UN-Sicherheitsrat befasst sich mit Chemiewaffenangriff

In New York will sich der UN-Sicherheitsrat unterdessen an diesem Montag in zwei Dringlichkeitssitzungen mit dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff befassen. Die USA beantragten eine Dringlichkeitssitzung mit acht weiteren Staaten, darunter auch die ständigen Ratsmitglieder Frankreich und Großbritannien. Auf Antrag Russlands soll es noch ein separates zweites Treffen geben.

US-Präsident Donald Trump und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron hatten am Sonntag über die Ereignisse in Syrien am Telefon gesprochen, wie das Weiße Haus und der Elyséepalast mitteilten. Die beiden Staatsmänner hätten den mutmaßlichen Giftgasangriff scharf kritisiert und sich darauf verständigt, dass die syrische Führung um Assad zur Verantwortung gezogen werden müsse. Allerdings gab es zunächst keine stichhaltigen Beweise dafür, dass der mutmaßliche Giftgaseinsatz auf das Konto Assads geht. Russland und der Iran weisen die Vorwürfe etwa zurück.

"Sie haben sich darauf verständigt, Informationen zur Art der Attacke auszutauschen und eine starke, gemeinsame Reaktion zu koordinieren", hieß es vom Weißen Haus nach dem Telefonat. Man wolle gemeinsame Aktionen und Initiativen mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen koordinieren, hieß es aus dem Elyséepalast.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian verurteilte die Angriffe der syrischen Armee auf die Rebellen-Hochburg Ost-Ghuta scharf. Er sei in "extremer Sorge" angesichts von Berichten über einen neuerlichen Einsatz chemischer Waffen, erklärte Le Drian in einer Mitteilung. Frankreich werde im Kampf gegen die Ausbreitung von Chemiewaffen "jede Verantwortung" wahrnehmen, hieß es.

Auswärtige Amt besorgt

Auch das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich in großer Sorge. "Sollte sich das bewahrheiten, worauf im Moment vieles hindeutet, dann hat das Regime - fast auf den Tag genau ein Jahr nach Khan Sheikhoun - erneut international geächtete Waffen eingesetzt und Unschuldige auf grausame Art und Weise getötet. Dies verurteilen wir auf das Schärfste", teilte ein Sprecher am Sonntag mit.

In den USA wuchs der Druck auf den Präsidenten. Der republikanische Senator Lindsey Graham sprach am Sonntag von einem "entscheidenden Moment" in Trumps Präsidentschaft. Trump könne nun die Entschlossenheit zeigen, die sein Vorgänger Barack Obama nie gezeigt habe, sagte Graham in der ABC-Sendung "This Week". Trump selbst hatte auf Twitter angekündigt, die Verantwortlichen für den Giftgaseinsatz hätten "einen hohen Preis zu zahlen".

Syrische Rebellen und Zivilisten begannen unterdessen ihren Abzug aus der Stadt Duma, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die Evakuierung der Stadt, die von der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam ("Armee des Islams") kontrolliert wird, war mit russischer Hilfe ausgehandelt worden. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Sana sollen die Kämpfer und ihre Familien mit Bussen in die nordsyrische Stadt Dscharablus gebracht werden.

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Quelle: n-tv.de, ghö/rts/dpa

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