Politik

Schweigemarsch in Teheran Milizen schlagen Protest nieder

Zwei Jahre nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad ziehen Oppositionelle bei einem Schweigemarsch durch Teheran. Die Sicherheitskräfte reagieren mit Schlagstöcken und Festnahmen. Derweil stirbt in einem iranischen Gefängnis ein Dissident - der dritte innerhalb weniger Wochen.

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Sicherheitskräfte vor der Botschaft von Bahrain in Teheran (Archivbild).

(Foto: dpa)

In der iranischen Hauptstadt Teheran ist es am Rande friedlicher Demonstrationen offenbar zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen. Mehrere Demonstranten sollen festgenommen worden sein.

Augenzeugen berichteten, Angehörige der berüchtigten Basidsch-Milizen seien mit Stöcken bewaffnet gewesen. Die Opposition hatte zum zweiten Jahrestag der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zum "stillen Protest" aufgerufen. Laut Oppositions-Websites folgte eine große Menge dem Appell. Gleichzeitig seien tausende Polizisten und Sicherheitskräfte aufmarschiert.

Dritter Dissident binnen weniger Wochen tot

Unterdessen starb ein seit der Wiederwahl Ahmadinedschads inhaftierter Dissident nach einem Hungerstreik. Der Journalist Resa Hoda Saber habe einen Herzinfarkt erlitten, berichtete die iranische Agentur ISNA. Der 54-Jährige hatte seinen Hungerstreik vor zehn Tagen im Evin-Gefängis von Teheran begonnen, um gegen den ungeklärten Tod der Dissidentin Haleh Sahabi zu protestieren. Sie war Anfang Juni bei der Beerdigung ihres Vaters, des Oppositionellen Esatollah Sahabi, ums Leben gekommen. In Oppositionskreisen hieß es nach einem Bericht der britischen BBC, sie sei von Polizisten geschlagen worden.

Esatollah Sahabi wiederum war im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er war in den 1970er Jahren ein Mitbegründer der liberalen Freiheitsbewegung FMI. Mehrfach wurde er inhaftiert, insgesamt verbrachte Sahabi 15 Jahre seines Lebens hinter Gittern.

Ahmadinedschad hatte sich bei den Wahlen am 12. Juni 2009 nach offiziellen Angaben klar gegen den gemäßigten Kandidaten Mir Hussein Mussawi durchgesetzt. Die Opposition sprach dagegen von Wahlfälschung. Bei den monatelangen Protesten, die von den Sicherheitskräften niedergeknüppelt wurden, starben zwischen 30 und 80 Menschen. Tausende Demonstranten wurden festgenommen. Die Gerichte verurteilten über 100 Oppositionsanhänger zu langjährigen Gefängnisstrafen, zudem wurden acht Dissidenten zum Tod verurteilt. Mussawi steht seit Februar unter strengem Hausarrest.

Quelle: n-tv.de, dpa

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