Politik

Einsatzreserve nicht verstanden Habeck verwundert über Brief von AKW-Betreiber

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Das Konzept der Reserve ist "offensichtlich an den Technikern von Preussen Elektra vorbeigegangen", konstatiert Habeck.

(Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

Der Betreiber des AKW Isar 2 macht in einem Brief an das Wirtschaftsministerium deutlich, dass eine Einsatzreserve technisch nicht möglich sei. Minister Habeck zeigt sich überrascht und verweist auf frühere angeblich anderslautende Äußerungen. Nun soll es ein direktes Gespräch richten.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich irritiert über ein Schreiben des Atomkraftwerk-Betreibers Preussen Elektra hinsichtlich der von ihm vorgeschlagenen Einsatzreserve von AKW gezeigt. Der Konzern teilte in dem Schreiben mit, dass dies technisch nicht möglich sei. "Ich habe den Brief mit einiger Verwunderung heute morgen zur Kenntnis genommen", sagte der Grünen-Politiker.

Die Betreiber des AKW Isar 2 hätten offenbar das Konzept der Einsatzreserve nicht verstanden. Dabei gehe es nicht um ein mehrfaches Hoch- und Runterfahren des Kraftwerkes, sondern um eine einmalige Entscheidung, ob die beiden dafür vorgesehenen AKW benötigt würden oder nicht. Das könne beispielsweise im Dezember, Januar oder Februar geschehen. "Das ist offensichtlich an den Technikern von Preussen Elektra vorbeigegangen", sagte Habeck. Über das Schreiben berichtete der "Der Spiegel".

Dem Wirtschaftsminister zufolge hatte die Tochter des Netzbetreibers Eon in einem Brief im August geschrieben, im Falle eines sogenannten Streckbetriebs müsse das AKW in einen "kurzfristigen Stillstand". Ein vorübergehendes Ausschalten wäre demnach möglich, sagte Habeck. Es sei technisch nicht nachvollziehbar, warum dies nicht auch für die Einsatzreserve gelten solle.

Zudem verwies Habeck auf einen früheren Brief des Energiekonzerns vom August, in dem dieser mitgeteilt habe, dass es auch im Fall eines längeren Streckbetriebs einen kurzfristigen Stillstand brauche. Nach Habecks Darstellung widersprechen sich diese Angaben des Konzerns. Nun solle in neuen Gesprächen geklärt werden, was gelte, sagte Habeck. Der Wirtschaftsminister wies zudem darauf hin, dass auch bei einem Streckbetrieb, "also dem offensichtlichen Wunsch von Preussen Elektra", eine Revision nötig gewesen wäre. Dies schrieb Energie-Staatssekretär Patrick Graichen dem Unternehmen auch in einer Antwort, die ntv vorliegt.

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EnBW als Betreiber des AKW Neckarwestheim - ebenfalls für die Einsatzreserve vorgesehen - erklärte, der Konzern sei im Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium zur Klärung der konkreten Details und Fragen. "Erst danach können wir die technische und organisatorische Machbarkeit des aktuell diskutierten Vorschlags bewerten."

Habeck hatte am Montag vorgeschlagen, zwei der drei in Deutschland noch laufenden AKW mit Jahresende in eine befristete Einsatzreserve zu überführen. Sie würden damit wie im Atomausstiegsgesetz vorgesehen vom Netz genommen und keinen Strom mehr einspeisen. Sie sollen nur als Reserve dienen, wenn es zur Stabilisierung des Stromnetzes erforderlich würde. Bei einem Streckbetrieb blieben die AKW bei reduzierter Leistung am Netz und würden weiterhin Strom liefern.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 07. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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