Politik

Gigantischer Rohstoffreichtum Mongolen profitieren kaum

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China, Russland oder Südkorea schielen auf die mongolischen Bodenschätze.

(Foto: REUTERS)

Die Mongolei ist reich an Bodenschätzen. Aber seine Bevölkerung ist bettelarm. Von der Ausbeutung der Bodenschätze in ihrem Land haben die Mongolen ziemlich wenig. Schlimmer noch: Inflation und Arbeitslosigkeit machen ihnen das Leben noch schwerer.

Gigantische Bodenreichtümer wie Kohle, Gold, Silber, Uran, Zink und Flussspat sind in dem Land zwischen China und Russland entdeckt worden. Unter dem kargen Steppenboden wird noch viel mehr vermutet. Was die Mongolei attraktiv macht für rohstoffhungrige Industrieländer wie den großen Nachbarn China oder auch Südkorea. Nach den bislang entdeckten Rohstoffvorkommen nimmt die Mongolei den 14. Platz in der Welt ein - nach den vermuteten sogar den 3. Platz. Doch wem gehören die Bodenschätze und wer profitiert davon?

"Die Chefs werden immer reicher. Für uns hingegen wird alles immer teurer", sagt Altangerel, Angestellte in einem Kosmetikstudio in Ulan-Bator. "Kostete ein Liter Milch vor wenigen Jahren noch 700 Tugrug (39 Cent), muss ich jetzt das Doppelte bezahlen." Sie kann die Begeisterung der mongolischen Politiker und ausländischen Multis über den zu erwartenden Bergbauboom im Land nicht teilen. "Die Kosten für Miete, Heizung und Strom steigen ebenfalls. Mein Einkommen kann da schon lange nicht mehr mithalten."

Reichtum nur für die Entscheidungsträger

Jahrelang verhinderte der Streit um die Verträge mit internationalen Investoren die Erschließungs- und Abbauarbeiten der Lagerstätte Oyu Tolgoi, einer der weltweit ergiebigsten Vorkommen an Kupfer, Silber und Gold. Die außerparlamentarische Opposition protestierte gegen einen "Ausverkauf" der Mongolei. Abgeordnete aller Parteien und die Regierung konnten sich viele Jahre untereinander und mit den Investoren nicht über die jeweiligen Rechte und Pflichten einigen.

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In Ulan-Bator liegt die Armut bei 27 Prozent, auf dem Land ist sie fast doppelt so hoch.

(Foto: REUTERS)

Im Oktober 2009 wurde schließlich das Abkommen zwischen der mongolischen Regierung und den internationalen Bergbauunternehmen Ivanhoe Mines und Rio Tinto unterzeichnet. 34 Prozent des Vorkommens verbleiben im Besitz des mongolischen Staates, 66 Prozent gehören den Investoren. Jedem der mehr als zwei Millionen Mongolen versprach die Regierung einen konkreten "Schatzanteil" von zunächst 1 bis 1,5 Millionen Tugrug, umgerechnet mehr als 800 Euro. Es blieb indes offen, in welcher Form dieser Anteil ausgezahlt werden sollte.

Parlament und Regierung beschlossen einen Entwicklungsfonds, in dem ein Teil der Bergbauprofite gesammelt werde, um ihn für Bildung, Gesundheitsdienste und zusätzliche soziale Leistungen einzusetzen. Manch einer träumte schon von kuwaitischen Verhältnissen: Ausländische Arbeitskräfte als Lohnempfänger, während die Mongolen von Transferleistungen aus den Bergbauaktivitäten profitieren. Doch davon sind die Mongolen weit, weit entfernt. Reich geworden sind bisher nur die Entscheidungsträger.

Armut bleibt

Deshalb werden die Auseinandersetzungen um die Haushaltsposten immer unerbittlicher geführt. Der Durchschnittsmongole konnte sich zwar über 70.000 Tugrug als erste Rate auf den "Schatzanteil" freuen. Dafür wurden aber das monatliche Kindergeld und die Vergünstigungen für junge Ehepaare gestrichen. Als Begründung musste die globale Wirtschaftskrise herhalten. Warnungen von Wirtschaftsexperten wurden ignoriert. Die Inflation stieg, die Armen wurden noch ärmer. Für viele waren die Kindergeldzahlungen das einzige Geldeinkommen.

Das Wirtschaftswachstum und der beginnende Bergbauboom haben bisher kaum Arbeitsplätze geschaffen. Für die auf den Arbeitsmarkt strömenden Schulabgänger und Hochschulabsolventen bleibt oft nur der Weg in die illegalen Goldgräberlager, nicht selten Brutstätten für Kriminalität und Prostitution. Zunehmend wehren sich die Viehhalter gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Flüsse trocknen aus, die Weiden werden von den Baufahrzeugen in Mitleidenschaft gezogen. Kein Tag vergeht, ohne dass eine Meldung über zum Teil gewaltsame Streitigkeiten zwischen Viehhaltern, illegalen Schatzgräbern und Bergbauunternehmen die Menschen erschreckt.

Während internationale Finanzinstitute der mongolischen Regierung bescheinigen, die Vorgaben zur Konsolidierung des Finanzmarktes und zur Senkung der Staatsausgaben erfüllt zu haben, heißt es im dritten Bericht über die Verwirklichung der Millenniums-Ziele bis 2015, dass eine Reduzierung der Armut um die Hälfte nicht mehr zu schaffen sei. In den vergangenen 14 Jahren sank diese Rate lediglich um 1,1 Punkte auf 35,2 Prozent.

Auf dem Land ist die Armut sogar noch höher als vor Jahren: 46,6 Prozent der Landbevölkerung gelten als arm. In der Hauptstadt Ulan-Bator sind es 27 Prozent. Solange die Bevölkerung nicht von der Ausbeutung der Bodenschätze profitiert, wird das Bild der mongolischen Bettler nicht in die Geschichtsbücher zu verbannen sein.

Quelle: n-tv.de, Renate Bormann, dpa

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