Politik

Militär übernimmt REE-Tochter Morales verstaatlicht Stromnetz

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1. Mai in La Paz: Evo Morales (2.v.r.) reckt die Faust.

(Foto: dpa)

Boliviens Präsident Morales verstaatlicht den spanischen Stromkonzern TDE. Die Streitkräfte seien angewiesen, die Leitung von TDE zu übernehmen, erklärt Morales bei einer Mai-Kundgebung in La Paz. Verstaatlichungen am 1. Mai haben in Bolivien Tradition.

Der bolivianische Präsident Evo Morales hat das Stromversorgungsunternehmen TDE, eine Tochter des spanischen Stromkonzerns Red Eléctrica de España (REE), verstaatlicht. Der Aktienanteil der REE an TDE werde "auf obersten Befehl" in staatlichen Besitz überführt, sagte Morales. Der Linkspopulist hatte in den vergangenen Jahren wiederholt zum 1. Mai die Verstaatlichung von Unternehmen angeordnet.

Mit der Verstaatlichung solle die Kontrolle über strategisch wichtige Unternehmen wiedererlangt werden, erklärte Morales bei einer Mai-Kundgebung vor Gewerkschaftern im Regierungspalast Quemado in La Paz. Der Staatschef ordnete den Kommandeur der Streitkräfte an, die Kontrolle über die Anlagen der Firma zu übernehmen.

TDE, die Transportadora de Electricidad, wurde 1997 gegründet. Das Unternehmen besitzt drei Viertel des nationalen Stromnetzes. Seit 2002 wurde TDE über ein internationales Tochterunternehmen, das fast alle TDE-Anteile hielt, vom spanischen Stromkonzern REE kontrolliert. Die Aktien von TDE sollen laut Dekret von dem staatlichen Unternehmen Empresa Nacional de Electricidad (Ende) übernommen werden.

Morales, der erste indianisch-stämmige Präsident Boliviens, sieht sich seit einigen Wochen mit wachsendem Unmut seiner linksgerichteten Wählerschaft konfrontiert. Seit seiner Amtsübernahme vor sechs Jahren hat Morales an jedem 1. Mai die Verstaatlichung von Unternehmen angekündigt. Betroffen waren immer Firmen aus dem Öl- und Energiesektor.

Erst Ende April war im Nachbarland Argentinien vom Senat in erster Lesung ein Gesetz zur Teil-Verstaatlichung des größten Ölkonzerns des Landes (YPF) gebilligt, der bislang vom spanischen Repsol-Konzern kontrolliert wurde.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa